Deutlich mehr Leistung: Der neue Ostbayernring rund um Schwandorf wächst

Es ist ein Großprojekt: Der Ostbayernring verläuft von Redwitz in Oberfranken bis zum Umspannwerk Schwandorf – auf einer Strecke von 185 Kilometern. Im Moment werden die alten Trassen gegen neue, deutlich leistungsstärkere ausgetauscht. Während der vergangenen Wochen sind daher rund um Schwandorf etliche Masten in die Höhe gewachsen.
Es ist Mittwoch, gegen 10.15Uhr. Gesichert mit Seilen und Karabinern warten bei Irlaching acht Männer darauf, dass der Kran den nächsten Abschnitt des Stommasten aufrichtet und langsam zu ihnen schwenkt. In Zweierteams stehen sie jeweils auf einer Ecke der Stahlverstrebung in einigen Metern Höhe und nehmen das tonnenschwere Gerüst entgegen. Die roten Enden werden ineinander gesetzt und anschließend verschraubt.
Die neuen Masten bringen mehr Leistung
Die Arbeiten gehören zum Ersatzneubau des Ostbayernrings. Dafür werden gerade noch einige Masten montiert. Rund um Schwandorf müssen noch fünf gestockt werden. Die Trasse von Redwitz bis Schwandorf existiert zwar bereits – allerdings gerät diese regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen, weil zunehmend regenerative Energie ins Netz eingespeist wird.
Das Ziel sei, die Versorgungssicherheit für die gesamte Region in Oberfranken und der Oberpfalz sicherzustellen, sagt Johannes M. Reinoso Guerra, der als Bürgerreferent für den Netzbetreiber Tennet arbeitet. „Dafür muss die Transportkapazität deutlich erhöht werden.“
Genau deshalb wird eine neue Trasse gebaut – mit zwei 380-Kilovolt-Systemen. Bisher sind nur 380/220-Kilovolt-Systeme verbaut. „Die Stromkapazität erhöht sich immens“, sagt Reinoso Guerra. „Wir übertragen dann mehr Strom.“ Die alten, in die Jahre gekommenen Masten hätten das nicht leisten können.
Eine der Folgen: Die Masten werden höher – und breiter. Im Durchschnitt sind die Konstruktionen 50 bis 70 Meter hoch. Die Arbeiten selbst sind in vier Abschnitte unterteilt. Der Bereich rund um Schwandorf gehört zum Abschnitt A. Er verläuft etwa 43 Kilometer von Etzenricht bis Schwandorf. Dort entstehen 109 380-Kilovolt-Masten sowie fünf 110-Kilovolt-Masten, insgesamt also 114.
In Schwandorf war das Projekt auch umstritten
Das Projekt selbst war in der Vergangenheit teils umstritten. Auch die Stadt Schwandorf hatte zeitweise darüber nachgedacht, gegen den Planfeststellungsbeschluss der Regierung der Oberpfalz zu klagen, mit dem der Abschnitt A genehmigt wurde. Die Stadt war ohne Erfolg dafür eingetreten, dass der Ostbayernring mit dem Südostlink gebündelt wird und unterirdisch verläuft. Doch letztlich hatte der Stadtrat von einer Klage Abstand genommen – vor allem deshalb, weil Juristen kaum Erfolgsaussichten sahen.
Allein die Planung für den Ostbayernring beanspruchte sieben Jahre, wie Bürgerreferent Reinoso Guerra sagte. Beim Bau geht es nun allerdings schneller: Mit den Arbeiten sei im Sommer 2022 begonnen worden. Und schon im Juni 2024 soll der Abschnitt A in Betrieb genommen werden, sodass der Strom durch den Ersatzneubau fließt. Der Bürgerreferent sprach daher von einem „enormen Tempo“. Und der Neubau soll eine lange Lebensdauer haben: „Das sind Masten, die werden über die nächsten 60 Jahre stehen. Mindestens“, sagte Reinoso Guerra.
Akribische Planungen für ein Großprojekt
Damit sind die Arbeiten aber nicht erledigt: Denn nach dem Ersatzneubau werden die alten Masten sukzessive zurückgebaut. Die Arbeiten auf der kompletten Trasse sollen demnach bis zum Spätsommer 2025 abgeschlossen sein. Die Kosten für das gesamte, 185 Kilometer lange Projekt belaufen sich nach Angaben des Netzbetreibers Tennet auf etwa 1,1 Milliarde Euro.
Die Maßnahmen selbst verlangen akribische Planungen und Abstimmungen. Nach der Vorbereitung werden die Fundamente gebaut und der Masten montiert. Dabei kommen mindestens zwei Mobilkräne zum Einsatz. Im Anschluss werden die Seile eingesetzt, die unter anderem den Strom transportieren. Diese Arbeiten sind ebenfalls bereits weit fortgeschritten.
Auch der Umwelt- und Naturschutz spiele bei den Arbeiten eine große Rolle, wie Reinoso Guerra betont. Dafür gebe es strenge Vorgaben und Richtlinien. So müssen Bäume, die für den Bau gefällt werden müssen, ausgeglichen werden. Das sorge teils sogar für mehr Biodiversität, wenn neu gepflanzt wird, sagt er.

