Warum Kampffische Bettchen brauchen: Aquatrees aus Günching stellt Natur-Deko für Aquarien her

Wer immer geglaubt hat, dass Fische nicht schlafen, der dürfte sich sehr über den Verkaufsschlager von Nina Gulder wundern. Die 50-Jährige aus Günching betreibt mit ihrem Mann Holger das Unternehmen Aquatrees. Eines der Lieblingsprodukte ihrer Kunden: Bettchen für Kampffische.
„Ja, Kampffische brauchen Bettchen“, versichert die Velburgerin und man merkt, dass sie das nicht zum ersten Mal erklärt. Wer mit der Welt der Aquaristik nicht vertraut ist, muss eben erst einmal die Grundlagen lernen. Sie selbst ist diesbezüglich ein alter Hase. Schon als Kind hatte sie Fische und griff dieses Hobby vor einigen Jahren wieder auf.
Und als erfahrene Fisch-Halterin weiß sie, warum Kampffische Bettchen brauchen. Anders als es ihr martialischer Name vermuten lässt, sind sie nämlich ganz schöne Sensibelchen: „Kampffische legen sich tatsächlich hin zum Schlafen. Sie gehören zu den Labyrinth-Fischen. Das heißt, sie atmen nicht nur über die Kiemen, sondern brauchen auch atmosphärische Luft.Weil viele aber sehr überzüchtet sind und sich mit ihren sehr großen Flossen schwer tun, an die Oberfläche zu kommen, gerade wenn sie älter werden, bekommen sie Bettchen, die nah an der Wasseroberfläche befestigt werden.“ Dann ist der Weg zum Luftschnappen nicht so weit.
Mini-Bäume zum Bepflanzen mit Moosen
Sie sehen ein wenig aus wie halbe Austern-Schalen, die mit einem Saugnapf an der Scheibe befestigt werden können, bestehen aber aus der verholzten Schote der „Bolsa de Pastor“ (Hirtentäschel) aus Brasilien. Eine solche Liege bastelte Nina Gulder zunächst für ihre eigenen Schützlinge. Das Interesse andere Halter in entsprechenden Online-Foren war jedoch ebenfalls schnell geweckt.
So entwickelte sich recht schnell die Idee vom eigenen Online-Shop. 23 Aquarien betreute Nina Gulder in den besten Zeiten. Und jedes sollte hübsch dekoriert sein. Das gestaltete sich aber gar nicht so einfach, erinnert sie sich: „Man bekommt fast nur Plastik-Deko. Es gibt auch Naturdeko, aber das ist dann alles sehr teuer, vor allem, wenn man etwas ausgefalleneres will.“
Die exotischen Gehölze kommen häufig aus Indien oder Thailand. Diese Hartholzwurzeln haben den Vorteil, dass sie keine schädlichen Stoffe ins Wasser abgeben, die den Fischen zum Verhängnis werden könnten, sondern allenfalls nützliche Stoffe, die das Immunsystem und die Schleimhäute der Fische stärken. „Aber das wissen auch viele Aquaristen nicht. Viele haben einfach mit dem dekoriert, was ihnen gefallen hat, und sich über die Inhaltsstoffe gar keine Gedanken gemacht“, stellt sie fest. Das sei bei ihren Kunden anders. Sie verzichten ganz bewusst auf Plastik, dessen Inhaltsstoffe den Tieren schaden können.
Rohmaterial über den Großhandel, dann kommt der Feinschliff
Viele Artikel bearbeitet das Paar selbst: Holger Gulder übernimmt die groben Arbeiten. Er bearbeitet zum Beispiel die Wurzeln, die über den Großhandel bei ihnen zu Hause eintreffen, sägt sie in passende Stücke und überlasst die Feinheiten dann seiner Frau. Damit die Gebilde im Wasser stehen bleiben, werden sie auf Schieferplatten oder Brocken aus Lavagestein montiert.
Besonders skurril sehen – zumindest auf dem Trockenen – die Garnelenbäumchen aus: auf Wurzeln werden getrocknete Pflanzenteile so befestigt, dass die feinen Verästelungen wie ein Blätterdach wirken. Endgültige wie Unterwasser-Bonsais sehen die Bäumchen aus, wenn sie mit Moosen bepflanzt werden. Daraus machen einige Aquaristen ganze Waldlandschaften – mal mit, mal ohne Fische.
Von den Kampffisch-Bettchen hat Nina Gulder inzwischen übrigens eine Art King-Size-Variante entwickelt: eine aufgesägte Kokosnuss, die mit Moos gepolstert werden kann.
Die 50-Jährige ist mit großer Liebe zum Detail an der Arbeit an ihren Stücken. Trotzdem ist es ihr wichtig, ihre Stücke günstig anbieten zu können. Die Kampffisch-Bettchen bietet sie schon für 1,50 Euro an, ein kleines Garnelenbäumchen gibt es ab fünf Euro. Je höher der Aufwand, desto teurer wird das Stück. Ihre Pakete verschickt sie inzwischen bundesweit.
Karriere über den Wolken als Stewardess und Pilot
Was ihre Kunden ebenfalls schätzen: „Wir fotografieren jedes Stück einzeln und stellen es in den Online-Shop. Die Kunden bestellen wirklich genau die eine Wurzel oder Kokosnuss“, erklärt Holger Gulder. Enttäuschungen beim Auspacken vermeiden sie so. In anderen Shops sei es nicht selten so, dass eine wunderschöne Wurzel abgebildet ist, man aber nur etwas ähnliches bekomme, was einem aber vielleicht nicht so gefällt.
Das Paar genießen das handwerkliche Arbeiten. Für Holger Gulder ist es ein guter Ausgleich. Im Hauptberuf jettet der 54-Jährige als Pilot um die Welt und ist nur zwischen seinen Schichten zu Hause. Basteln, Kundenpflege, Versand – das übernimmt alles seine Frau.
Auch ihr Metier war ursprünglich nicht das Wasser, sondern die Luft: „Ich war Stewardess, habe die Fliegerei aber 2020 nach 25 Jahren an den Nagel gehängt.“ Sehnsucht nach der Welt über den Wolken plagt sie nicht. „Der Glanz der Fliegerei ist schon lange vorbei. Dass man irgendwohin in den Süden fliegt und eine Woche frei hat, das ist schon lange nicht mehr so“, wissen beide.

