In Berg entworfen, in Berlin produziert: Schwestern gründen eigenes Modelabel

Alles begann mit viel Langeweile und einem Männchen, welches seinem Betrachter sein nacktes Hinterteil entgegenstreckt. Für Alina und Marie Pöllath aus Unterrohrenstadt (Gemeinde Berg) war es das Motiv, mit dem die Idee zu einem eigenen Modelabel entstand.
Hallo? Mit diesem Gruß haben schon viele Erfolgsgeschichten begonnen. Bei Alina und Marie Pöllath möglicherweise ebenfalls. Allerdings grüßt bei ihnen das besagt Männchen, das dabei durch seine Beine nach hinten am nackten Hintern entlang zum Betrachter schaut. Ein ungewöhnlicher Erstkontakt.
Wohl auch deswegen ist das Motiv beliebt bei den Käufern der T-Shirts, Kapuzenpullis und Jutetaschen von Ohmary_wear. So haben die beiden Berger Schwestern ihr Modelabel getauft. Entstanden ist alles aus einer Mischung von Langeweile und Muse heraus, wie die 23-jährige Marie erzählt. Die Hochphase der Corona-Pandemie bescherte der Erzieherin unfreiwillig viel Zeit, die sie unter anderem mit Zeichnen füllte. Entstanden ist dabei das „Hallo?“-Motiv.
Ohmary_wear aus Berg fällt mit spaßigen Motiven auf Pullovern auf
Was die Idee dahinter war? Was will uns das Männchen sagen? Marie Pöllath zuckt mit den Schultern und lächelt. Was so viel bedeutet wie: Man muss nicht immer alles zu ernst nehmen und Tiefgründiges dahinter vermuten. Das Männchen macht eben einfach Spaß und sorgt für Aufmerksamkeit. Außerdem: „Man muss nicht nur auf eine Weise Hallo sagen“, erklärt Marie Pöllath.
Die Botschaft scheint zu wirken. So wie bei einem ihrer Freunde, von dem die beiden Schwestern berichten. Den tippte eine Frau von hinten an und als er sich umdrehte, grüßte ihn die unbekannte Dame mit einem „Hallo?“ – natürlich dabei mit dem Kopf durch die Beine schauend. So wie das Männchen auf dem Rücken des Kapuzenpullovers, den der Freund der Pöllaths trug.
Ein Hingucker sein, der Spaß verbreitet, wollen auch die anderen Motive auf Stickern, Kleidungsstücken und Taschen sein, die Marie Pöllath gezeichnet hat. Die Inspiration holt sie sich aus dem Alltag und von Freunden.
Alina Pöllath kreierte das Logo für den Maßkrug des Neumarkter Volksfestes
Da wäre beispielsweise die „bee soffene“ Biene (ein Wortspiel mit dem englischen Wort für Biene). Oder der Mensch, der unter einer großen Tuba begraben zu sein scheint. Der Titel dazu: Heavy Metal. Ein Kanu gemeinsam mit der Zeile „I kanu fahrn“ ist ein anderes Motiv. Weitere seien gerade in der Mache, sagen Marie und ihre 25-jährige Schwester Alina.
Beide haben eine unerwartete Rollenverteilung. Für das Kreative ist die Erzieherin Marie zuständig, den unternehmerischen Part nimmt hingegen Alina ein – dabei ist sie Grafikdesignerin. „Ich kann aber überhaupt nicht gut Zeichnen“, sagt sie, die unter anderem das Logo des diesjährigen Volksfestmaßkrug gestaltet hat. Wie sie das ohne angebliches zeichnerisches Talent gemacht? Der Computer helfe, sagt Alina Pöllath lachend.
Ohmary_wear soll für Berger Schwestern zu einem Hauptberuf werden
Die ältere Schwester bringt sich dafür mit Ideen ein, wie aus Ohmary_wear mehr werden kann als ein Freizeitvertreib. Der Traum beider wäre es, sich irgendwann in der Zukunft nur noch auf das Label konzentrieren zu können. „Alle Verwandte, Freunde und Bekannte sind inzwischen versorgt“, sagt Alina Pöllath. Jetzt soll es weitergehen und das Label mit neuen Kunden wachsen. Seit einigen Tagen gibt es einen Online-Shop. Auch einen Pop-up-Store, wie es ihn in der Vergangenheit schon häufiger in Neumarkts Altstadt gegeben hat, können sich die Pöllaths vorstellen. Auf Flohmärkten sind sie auch unterwegs.
Die T-Shirts, Pullover etc. selbst beziehen sie von einem Berliner Anbieter. Er bedruckt sie mit den Motiven der beiden jungen Frauen. Langfristig können sich Alina und Marie Pöllath jedoch vorstellen, den Prozess in noch größerem Umfang in die eigenen Hände zu nehmen.

