Neuer Glanz für das Weißgerberhaus am Langquaider Marktplatz

Es ist das einzige Gebäude am Langquaider Marktplatz, das einen Erker hat. Die Rede ist vom „Oberen Weißgerberhaus“. Um 1690 wurde es erbaut, seit Anfang April wird es saniert.
Die Arbeiten im Erdgeschoss sind abgeschlossen und das Eiscafé hat wieder geöffnet. Im Obergeschoss dauert es noch. Dort sei der Aufwand geringer, sagen Steffi und Rudi Pritsch, die 2019 das denkmalgeschützte Gebäude neben dem Rathaus erworben haben.
Das Vorhaben im Erdgeschoss war sportlich, denn pünktlich zum Bürgerfest sollten die Langquaider wieder ihr Eis genießen können. In den drei Monaten wurde die Etage entkernt, der Boden rausgerissen, die Wände abgedichtet, eine Wandheizung eingebaut und mehr. Denn früher war immer Feuchtigkeit ein Problem im Erdgeschoss.
Rundbögen und alte Ziegel
Wichtig war Steffi und Rudi Pritsch, alte Gebäudestrukturen zu erhalten. Doch in den 50er und 60er Jahren sei viel davon versteckt oder zerstört worden, bedauert Bauingenieur und Statiker Rudi Pritsch. „Wenn ein Rundbogen weg ist, dann tut das schon weh.“ Mit relativ großem Aufwand wurden sie an den Fenstern wieder hergestellt. Auch alte Ziegel wurden für eine Sichtziegelwand wiederverwendet.
Der Zeitdruck sei enorm gewesen, sagen die beiden rückblickend. Vieles wurde in Eigenleistung erledigt. Die ganze Familie war sieben Tage die Woche im Einsatz. Auf der Baustelle hörten sie oft, wie sich Passanten vor dem Haus über den Sanierungsfortschritt unterhielten und nicht glaubten, dass die Eisdiele zum Bürgerfest eröffnen könnte. „Das hat uns natürlich extrem motiviert“, sagt Rudi Pritsch.
Immer wieder wurden er und seine Frau auch gefragt, ob und wann die Eisdiele wieder öffne. Am Wochenende vor dem Bürgerfest waren schließlich acht verschiedene Handwerker auf der Baustelle und es gelang eine Punktlandung.
Eisdielen-Betreiber Alberto Puppato ist sehr zufrieden, mit dem Ergebnis. Ihm steht nun eine größere Fläche mit mehr Sitzgelegenheiten für seine Gäste zur Verfügung. Bis Ende November soll sein Eis-Café auf jeden Fall geöffnet bleiben, vielleicht auch im Dezember, je nachdem, wie es angenommen wird. Für die kalte Jahreszeit will er sein Sortiment erweitern und seinen Gästen auch Apfelstrudel, warme Waffeln oder Tiramisu anbieten. Im Obergeschoss läuft während dessen die Sanierung ohne Zeitdruck weiter. Die Räume hier sind kunstvoll mit Stuck verziert, der erhalten bleiben soll. Nach der Fertigstellung wird ein Teil der Verwaltung des Markts Langquaid die Etage beziehen.
Anbau mit Treppenhaus geplant
Im Dachgeschoss will Rudi Pritsch sein Büro einrichten. Aktuell ist es noch nicht ausgebaut. Pritsch stellt sich einen offenen Dachstuhl vor. Der sei in einem so guten Zustand, dass man ihn zeigen müsse, sagt er. Die Holzkonstruktion sei noch original.
Das Treppenhaus und ein Aufzug werden in einem Anbau untergebracht, der an der Marktplatz abgewandten Seite entstehen wird. Heuer ist noch der Grundputz außen im Bereich des Erdgeschosses geplant. Die Fassade ist dann nächstes Jahr an der Reihe. Wie sie gestaltet wird, wissen die beiden noch nicht. Fest steht dass sie auf jeden Fall farbig und nicht „künstlich verschnörkelt“ wird. Nächstes Jahr im Sommer soll dann das 500.000-Euro-Projekt abgeschlossen sein.
Sanierungspläne für den Nagelhof
Regelmäßig sind die beiden im Austausch mit dem Amt für Denkmalschutz und bekommen Unterstützung vom Markt Langquaid. Bürgermeister Herbert Blascheck freut sich, dass es im „Oberen Weißgerberhaus“ vorwärts geht. Das Haus werde nicht nur optisch aufgewertet, sondern werde künftig auch auf allen Etagen genutzt. Somit werde ein weiterer Baustein des städtebaulichen Entwicklungskonzept umgesetzt, sagt er. Steffi und Rudi Pritsch schätzen das Langquaider Zentrum. „Das ist ein Marktplatz, der lebt“, sagen sie begeistert. Darum sei ihnen auch wichtig gewesen, die Arbeiten im Erdgeschoss schnell abzuschließen.
Wenn die Sanierung des „Oberen Weißgerberhauses“ nächstes Jahr abgeschlossen ist, fehlt nur noch der Nagelhof. Auch hierfür gibt es bereits Pläne. Sind sie umgesetzt, „dann wurde innerhalb von 20 Jahren jedes Gebäude am Marktplatz saniert“, freut sich Blascheck.
Die Geschichte des Weißgerberhauses am Langquaider Marktplatz
Das Haus am Marktplatz 23 wurde um 1690 erbaut. Es hat eine Grundfläche von rund 120 Quadratmetern. Früher war dort eine Weißgerberei untergebracht. Beim Gerben werden Tierhäute zu Leder verarbeitet. Bei der Weißgerbung entsteht weißes Leder. Vor der Eisdiele war in dem „Oberen Weißgerberhaus“, wie das Gebäude auch genannt wird, ein Kramerladen untergebracht


