Haus Phönix in Seubersdorf: Staatsanwaltschaft klagt Altenpfleger der Einrichtung an

Im Mai 2022 hatte ein Misshandlungsskandal das Seniorenheim „Haus Phönix“ in Seubersdorf erschüttert. Mitarbeiter hatten sich an die Polizei und an unser Medienhaus gewandt, um das „Tun eines Pflegers zu stoppen“. Jetzt soll der Mann vor Gericht gestellt werden.
„Wir haben gegen eine Pflegefachkraft aus dem Seniorenheim Anklage erhoben“, teilte die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Oberstaatsanwältin Heike Klotzbücher, auf Anfrage mit. Der Tatvorwurf laute auf Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung.
Sieben Bewohner betroffen
Demnach werden dem Mann zwölf Übergriffe gegen sieben Bewohner – einen Mann und sechs Frauen – vorgeworfen. Allerdings konzentriere sich die Anklage auf die Fälle, von denen die Staatsanwaltschaft glaubt, sie im Strafprozess beweisen zu können. Es sei möglich, dass es zu deutlich mehr Übergriffen gekommen sei, räumte Klotzbücher ein.
Die Anklage sei nun dem Schöffengericht am Amtsgericht Neumarkt übergeben worden, das nun entscheiden muss, ob die Anklage zugelassen und die Hauptverhandlung eröffnet wird. Der mögliche Strafrahmen liege laut Klotzbücher zwischen einer Geldstrafe und fünf Jahren Haft.
Ins Rollen gebracht hatte den Misshandlungsskandal eine Pflegehelferin, als sie von einer 88-jährigen Bewohnerin am Morgen mit den Worten empfangen wurde: „Moidl, heit brauchst mi nimma waschen, heit mecht i bloß mehr verrecken.“ Zudem sah die Pflegehelferin bei der morgendlichen Körperpflege die blau unterlaufenen Druckstellen von kräftigen Händen an den Armen der Frau, die ihr schildert, was ihr wiederfahren sein soll.
Diese Schilderung, die sich mit dem Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft deckt, wenn diese davon spricht, der Mann soll Bewohner geschlagen und so fest gepackt haben, dass Verletzungen entstanden sind, machte die Pflegehelferin damals öffentlich und stellte sich zusammen mit weiteren Mitarbeitern aus dem Haus Phönix der Polizei als Zeugen zur Verfügung. Gleichzeitig ermunterte sie die geschädigte Seniorin auch, den Vorfall ihrer Tochter zu berichten, die daraufhin Anzeige gegen den Pfleger erstattete.
Auch weitere Geschehnisse, die unserem Medienhaus im weiteren Verlauf der Ermittlungen gegen den tatverdächtigen Altenpfleger bekannt wurden, werden jetzt durch den Tatvorwurf der Staatsanwalt bestätigt, der laut Klotzbücher unter anderem auch beinhaltet, dass eine Frau im Demenzgarten eingesperrt und so gegen ihren Willen der kalten Witterung ausgesetzt wurde.
Neben dem Pfleger standen auch noch Mitarbeiter aus der Führungsebene der Einrichtung im Fokus der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft. „Diese Verfahren wurden aber eingestellt, weil diesen Personen keine strafbaren Handlungen nachgewiesen werden konnten“, sagte Klotzbücher.
Betreiber zeigt sich bestürzt
Der Betreiber des Haus Phönix, die Korian Deutschland GmbH, zeigte sich in einer Stellungnahme zur Anklageerhebung „zutiefst bestürzt über das Ausmaß der Vorwürfe gegen einen unserer ehemaligen Mitarbeiter“. „Gleichzeitig danken wir den mutigen Kollegen, die Anzeige erstattet und dadurch geholfen haben, diese Taten aufzudecken“, schreibt Korian-Pressesprecherin Tanja Kurz.
Sie weist außerdem darauf hin, dass der Mitarbeiter, als das Unternehmen von der Polizei über die Anschuldigungen gegen ihn informiert wurde, mit sofortiger Wirkung freigestellt wurde. Das Beschäftigungsverhältnis sei beendet und die polizeilichen Ermittlungen vollumfänglich unterstützt worden. Zudem stehe das Haus, nachdem Strukturen und Prozesse nochmals optimiert wurden, unter neuer Leitung.