Parsberg: Brandl verlässt das Digitale Gründerzentrum – das sind seine Gründe

Von Markus Rath · 3. November 2023 um 10:01

Nachdem eine Stellenanzeige im Parsberger Stadtblatt die Vermutung schon nahe gelegt hatte, ist es jetzt amtlich: Thomas Brandl verlässt das Digitale Gründerzentrum (DGZ). Im Gespräch mit unserem Medienhaus verrät der Projektleiter seine Beweggründe und analysiert die Situation der Einrichtung, die er zurücklässt.

Herr Brandl, Sie sind ja sowas wie der Papa des Digitalen Gründerzentrums. Rund vier Jahre nach dem Start ist die Einrichtung aus dem Gröbsten raus, um im Bild zu bleiben. Die Weichen für die Zukunft sind gestellt. Insofern kommt ihr Abschied zum Jahresende überraschend. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?

Thomas Brandl: Vorweg: Es ist eine Entscheidung für eine neue Herausforderung und keine Entscheidung gegen das Gründerzentrum oder gegen Verantwortliche, Gründer, Netzwerkpartner oder die Hochschule. Es war immer alles gut, sowohl mit Stadt als auch mit den Mietern. Auch die Zusammenarbeit mit der Hochschule war immer hervorragend.

Trotzdem gehen sie weg.

Brandl: Hätte ich dieses Jobangebot als kaufmännischer Leiter eines Regensburger Unternehmens nicht bekommen, hätte ich meinen Job niemals gewechselt. Die Personen, die ich seit mehr als zehn Jahren persönlich kenne und schätze, waren seit Januar da sehr hartnäckig und haben immer wieder angeklopft und irgendwann habe ich gesagt, jetzt höre ich es mir halt einmal an. Letztendlich hat es dann auch menschlich gepasst.

Sie sagen, sie hätten das Projekt in den vergangenen vier Jahren so weit aufgebaut, dass sie jetzt guten Gewissens gehen können.

Brandl: Das ist richtig. Ich hätte das Projekt vor ein oder zwei Jahren wahrscheinlich noch nicht übergeben können oder wollen, weil es einfach noch nicht so weit war wie jetzt. Jetzt setzt sich mein Nachfolger im Endeffekt in ein gemachtes Nest. Wir haben alles und wissen, was Gründer brauchen. Wir haben die Infrastruktur und Formate aufgebaut, die Büros sind jetzt ausgelastet, der Trägerverein ist gegründet, es gibt neue Räume und die Sponsorenverträge werden jetzt von mir noch verlängert.

Damit es einen möglichst reibungslosen Übergang gibt?

Brandl: Darauf arbeite ich seit Anfang September, seit für mich klar ist, dass ich den Jobwechsel vollziehe, hin. Das ist mir auch sehr, sehr wichtig. Die Arbeit hier hat unglaublich Spaß gemacht, die Leute sind mir ans Herz gewachsen und du willst natürlich, dass das auch sinnvoll übergeben wird. Du willst ja, dass die Leute auch weiterhin gut aufgenommen sind, dass du Formate hast, wo sie sich austauschen können.

Das heißt, Sie gehen fest davon aus, dass bis zu Ihrem Abschied definitiv ein Nachfolger da ist und schon eingearbeitet ist?

Brandl: Das ist das große Ziel, dass wir zumindest einen kurzen Übergang hinkriegen. Inwiefern das tatsächlich realistisch ist, muss man schauen. Wir haben die Stelle ausgeschrieben, es sind auch zahlreiche Bewerbungen eingegangen, aber es muss natürlich inhaltlich und menschlich passen. Gestern haben wir die ersten Gespräche vereinbart und dann hoffen wir, dass wir im Dezember schon starten können.

Und wer ist federführend bei der Neubesetzung? Suchen Sie ihren Nachfolger selbst aus?

Brandl: Ich bin da definitiv dabei, weil ich natürlich am besten einschätzen kann, was es braucht, um die Stelle auch langfristig sinnvoll zu besetzen. Die Vorstände des Vereins, also Bürgermeister Josef Bauer, Anton Schmailzl vom Technologie Campus und Landrat Willibald Gailler werden letztendlich die Entscheidung treffen.

Apropos Vorstände: Wie haben die Verantwortlichen und die Gründer ihren geplanten Abschied aufgenommen?

Brandl: Überrascht, aber auch mit Verständnis dafür, dass ich etwas Neues machen will. Es waren aber alle super traurig, dass ich gehe, weil die Zusammenarbeit immer sehr, sehr gut war. Das ist mir auch gespiegelt worden, dass es immer alles gepasst hat. Gleichzeitig glaube ich, dass in dem jetzt anstehenden Umbruch auch eine Chance für das Gründerzentrum steckt.

Inwiefern?

Brandl: Mein Nachfolger kann eigentlich entspannt an die Sache rangehen. Die ersten Veranstaltungen für das neue Jahr sind schon vorbereitet, er weiß, welche Dinge in der Vergangenheit funktioniert haben, und kann diese weiter machen. Gleichzeitig kann er neue Dinge ausprobieren, ohne dass er dadurch irgendetwas schleifen lässt.