Karin Stelzer leitet in Furth im Wald seit 18 Jahren engagiert das Europe Direct-Büro

Seit 18 Jahren leitet Karin Stelzer das Europe Direct-Büro in Furth im Wald. Über 300 Veranstaltungen, die den Europa-Gedanken wecken und stärken sollen, wurden unter ihrer Federführung durchgeführt „Europa“, sagt sie, „ist eine Herzensangelegenheit für mich.“
Karin Stelzer sitzt am Schreibtisch in ihrem Büro im Rathaus. Drei kleine Fähnchen stehen darauf: Deutschland, Europa und Tschechien. Sie spiegeln wieder, wie die Büroleiterin, die außerdem Kulturamtschefin ist, tickt: „Ich bin überzeugte Europäerin.“ Folgerichtig macht es sie wahnsinnig, wenn die Leute behaupten, Europa sei ein Schmarrn.
Im Jahr 2005 ging es los
Sie erinnert sich: „Im Jahr 2005 kam der damalige Bürgermeister Reinhold Macho mit einer Ausschreibung aus Berlin zurück.“ Die EU-Kommission plante einen europaweites Netz aufzubauen und jede Stadt könne sich bewerben. „Wir haben den europäischen Gedanken ja auch vorher schon immer gepflegt, viel Wert auf grenzüberschreitenden Austausch gelegt und den Bürgern das Thema Europa näher gebracht.“ Es war aus Sicht von Furth aber auch für Stelzer also ein folgerichtiger Schritt. „Unsere exponierte Lage an der Grenze verpflichtet.“ Für sie selbst hat es sich richtig angefühlt, weil sie als Furtherrin auch immer über ihr eigenes Erleben in der Grenzregion berichten kann. Die Bewerbung war erfolgreich, man ist eines der 50 deutschen Büros geworden. Furth und Freyung sind außerdem die kleinsten Dependancen im europaweiten Konzert von 500 Niederlassungen. Als es im Jahr 2005 los ging, war man noch im Tagungszentrum ATT untergebracht. „Es war eine Ost-West-Begegnungsstätte, in der wir sogar eine Anlage für Simultanübersetzungen hatten.“
Thematisch steht das Europe Direct-Büro heute auf mehreren Säulen. „Vorrangig junge Leute kommen zu uns, die Facharbeiten schreiben und etwas über Europa wissen müssen.“ Bei Karin Stelzer bekommen sie alles, was sie brauchen. Und wenn sie selbst keine Antworten liefern kann, weiß, sie wen sie fragen kann. „Gerade erst ist eine Schülerin mit einem Fragenkatalog an mich herangetreten. Ich habe den dann an die zuständige Generaldirektion weitergeleitet.“ Werden von besorgten Bürgern auch Fragen beispielsweise zum Ukraine-Krieg gestellt? „Nicht direkt, aber man bekommt natürlich bei Veranstaltungen oder in der Öffentlichkeit mit, wo den Leuten der Schuh drückt.“ Im Fall der Ukraine, waren das beispielsweise die explodierenden Gaspreise. Da hat man sich einen Photovoltaik-Experten für einen Vortrag ins Rathaus geholt. „Wir wollen dazu beitragen, dass die Bürger Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, wie sie selbst handeln können.“
Es kommen aber auch viele Vereine und möchten Unterstützung. So hat der Waldverein um Hilfe gebeten. Die wollen im Rahmen von gemeinsamen Treffen den Austausch mit tschechischen Wanderfreunden intensivieren. „Da haben wir dann zum Beispiel die Getränke spendiert.“
Ein immens wichtiger Aspekt ist der kulturelle Austausch diesseits und jenseits der Grenze. Kunstausstellungen finden jährlich statt, auch Musik und andere Veranstaltungen sind extrem wichtig. Gerade findet eine Ausstellung „Václav Havel – Europa als Aufgabe“ statt. Auch einen Dokumentar-Film über den tschechischen Aussöhner und Menschenrechtler wurde gezeigt. „Überwundene Grenzen, Freizügigkeit, freie Arbeitsplatzwahl, wir müssen daran erinnern, dass das nicht immer so war.“ Erinnerungskultur ist in ihren Augen gerade mit Blick auf innerdeutsche und europäische Entwicklungen wichtig. „Im kommenden Jahr sind Europa-Wahlen, erstmals darf ab 16 Jahren gewählt werden.“ Hier ist in ihren Augen noch viel Europa-Überzeugungsarbeit zu leisten.
Freiheit und Demokratie
Was bedeuten Freiheit und Demokratie?, lauten die wichtigen Fragen. Da ist es in ihren Augen sinnvoll, dass Europe Direct in keinem Zusammenhang mit einer Partei steht. „Wir sagen den Leuten nur, sie sollen eine Partei wählen, die europafreundlich ist.“ Da soll es in den kommenden Monaten einige Aktionen geben, auch um die Wahlbeteiligung insgesamt zu erhöhen. „Die war beim letzten Mal unterdurchschnittlich.“
Zu guter Letzt gibt es von der EU-Kommission regelmäßig vorgeschriebene Themen, die abgearbeitet werden. Derzeit steht der Klimawandel auf der Agenda. In diesem Zusammenhang wird es im November eine Veranstaltung geben.
„Ja“, sagt Stelzer, „eine Stadt, wie Furth muss sich so ein Büro leisten wollen.“ Auch wenn man einen Betriebskostenzuschuss und Informationsmaterial zur Verfügung gestellt bekommt. Anfangs hat sich Stelzer auch gefragt, ob sie der Aufgabe gewachsen ist. „Aber ich nehme überall etwas mit, lerne viele Leute kennen, ich bin da so reingewachsen.“ Sie ist überzeugt: „An Europa darf nicht gerüttelt werden.“
Grünes Europa
Kann Europa mit dem sogenannten Green Deal das Klima retten? Dieser Frage geht eine Dokumentation nach, die am 16. November ab 11 Uhr im Cine-World in Cham läuft. Europe Direct und die Bayerische Staatskanzlei haben den Mainzer Macher, Politologen und Vortragsprofi Ingo Espenscheid eingeladen. In der anschließenden Diskussion, zu der 180 Schüler eingeladen sind, soll das Thema kontrovers besprochen werden. Die Bevölkerung ist eingeladen, Eintritt ist frei.
