Wird aus dem Regensburger Kloster St. Fidelis eine Schule?

Das Goethe-Gymnasium im Regensburger Westen braucht mehr Platz. Die Kirche will jetzt ein benachbartes Grundstück verkaufen. Greift die Stadt zu?
Brücke-Stadtrat Thomas Mayr weiß als Lehrer am Goethe-Gymnasium aus persönlicher Erfahrung, dass dort der Platz schon bald viel zu knapp sein wird. Dementsprechend hat er die Nachricht vom Verkauf des benachbarten Klosters St. Fidelis mit Interesse verfolgt. In einem Antrag seiner Fraktion an die Stadtverwaltung schreibt er: Aus seiner Sicht könnten die Klosterräume „eine logisch und räumlich naheliegende Lösung für das bevorstehende Raumproblem bieten“. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da.
Gymnasium wächst auf bis zu 1500 Schüler
Das Goethe-Gymnasium hat bereits jetzt knapp 1400 Schüler und erwartet Stadtsprecherin Katrin Butz zufolge, dass es auf bis zu 1500 Schüler wächst. Laut Mayr liegt das unter anderem daran, dass 2025/2026 die Umstellung auf das neunjährige Gymnasium abgeschlossen wird. „Unsere Raumsituation ist so, dass wir momentan absolut voll sind.“ Stadtsprecherin Butz bestätigt, bereits ab 2025/2026 fehle es der Schule an Platz, konkret an „mehreren Klassen- und Fachräumen und Flächen für die Ganztagsbetreuung“.
Einen Teil von St. Fidelis, das ehemalige Studienseminar an der Goethe-Straße, nutzt die Schule bereits. Dort werden die meisten Fünft-, Sechst- und Siebtklässler unterrichtet. Jetzt gab die Diözese bekannt, auch den Rest des denkmalgeschützten Komplexes, nämlich Kirche und Studentenwohnheim samt Innenhof, zu verkaufen, und zwar im Ganzen. Die Brücke-Fraktion will deshalb die Verwaltung beauftragen, „Möglichkeiten einer Nutzung des ehemaligen Klosters St. Fidelis zur Deckung des künftigen Raumbedarfs am Goethe-Gymnasium zu prüfen und dafür in Verhandlungen mit dem Eigentümer zu treten“, – und das schnell. So könne das Gebäude noch vor der Nutzung ertüchtigt werden.
Kann sich die Stadt den Erweiterungsbau sparen?
Brücke-Stadtrat Mayr sagt: „Unter Umständen könnte man sich dadurch den Erweiterungsbau sparen.“ Den plant die Stadt mit Blick auf das G9 und die steigenden Schülerzahlen seit 2017 – und verschiebt ihn, wie auch andere Schulsanierungen, seitdem immer wieder. Angesichts der angespannten Finanzlage ist laut Stadtsprecherin Butz derzeit offen, wann er realisiert werden könnte.
CSU-Fraktionschef Michael Lehner zeigt sich offen für Mayrs Vorschlag. „Das ist vielleicht eine Chance. Aber man muss sich die Konditionen anschauen.“ SPD-Fraktionschef Thomas Burger sagt, auch er habe sofort an das Goethe gedacht, als er vom Verkauf erfuhr – und wisse inzwischen, dass es auch in der Verwaltung entsprechende Überlegungen gebe. Stadtsprecherin Butz bestätigt: „Ein Erwerb des Nachbargrundstücks wird derzeit geprüft. Ein potenzieller Erwerb könnte das Raumdefizit aber auch nur teilweise lösen.“
SPD-Stadtrat Burger sagt: „Es muss auf alle Fälle klares Ziel der Stadt sein, hier zu kaufen.“ Sie müsse die Hand darauf haben, was auf dem Grundstück passiere. Zur Nutzung müsse sie sich „vielleicht auch Partner suchen“. Er hoffe, dass der Brücke-Antrag nicht kontraproduktiv sei; Kaufverhandlungen würden besser abseits der Öffentlichkeit geführt.