Prozess um mögliche Vergewaltigung in Schwandorf: Ärztin findet vor Gericht deutliche Worte

Von Stefanie Kraus · 27. Oktober 2023 um 19:00

Am Freitag wurde der Prozess um den Vorwurf der Vergewaltigung, der Freiheitsberaubung und der gefährlichen Körperverletzung fortgesetzt. Seit vergangenem Mittwoch muss sich ein 32-Jähriger deswegen vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Amberg unter Vorsitz der Vizepräsidentin, Richterin Elke Escher, verantworten.

Laut Anklageschrift soll er seine Ehefrau in der Nacht des 7. Januars2023 in deren Wohnung eingesperrt, sie über Stunden hinweg schwer verletzt und im Beisein der gemeinsamen Kinder vergewaltigt haben.

Weite Teile des zweiten Verhandlungstags fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Grund: Das vermeintliche Opfer, die Ehefrau des 32-jährigen Angeklagten, wurde über Stunden hinweg gehört. Im Verlauf des Nachmittags wurden dann weitere wichtige Zeugen vernommen: Dazu gehörte die Ärztin, die die Frau bei ihrer Einlieferung ins Krankenhaus wegen des Verdachts der Vergewaltigung gynäkologisch untersucht hatte.

Verdacht der häuslichen Gewalt und der Vergewaltigung

Die Medizinerin schilderte für die Prozessbeteiligten eindrücklich, mit welchen schweren Verletzungen die Frau durch den Rettungsdienst ins Krankenhaus eingeliefert worden war. „So etwas Schlimmes habe ich in vielen Jahren nicht erlebt. Ich sehe einiges, aber das war sehr heftig“, sagte die Ärztin unmittelbar zu Beginn ihrer Aussage.

Sie sei wegen des Verdachts der häuslichen Gewalt und der Vergewaltigung zur Behandlung hinzugezogen worden, um die Frau gynäkologisch zu untersuchen. Wegen eines Unterschenkelbruchs habe die Frau außerdem zeitnah chirurgisch versorgt werden müssen. Deswegen habe man sich mit dem Einverständnis der Patientin dazu entschieden, auch die gynäkologische Untersuchung unter Narkose durchzuführen. „Eine Lagerung auf dem Untersuchungsstuhl wäre für die Patientin angesichts ihres Zustands furchtbar schmerzhaft gewesen“, so die Einschätzung der Medizinerin.

Die Frau habe während der Behandlung von sich aus geschildert, wie es zu ihren schweren Verletzungen gekommen sei und dass der Angeklagte dafür verantwortlich sei. Neben den Frakturen und Einrissen im Enddarm, die auf analen Verkehr hinweisen würden, habe die Frau auch deutlich sichtbare Hämatome oberhalb der Augenbraue, an der Wange, am Hals, an den Rippen sowie an den Ober- und Unterschenkeln aufgewiesen.

Zuletzt wurde am Freitag die Kripobeamtin als Zeugin gehört, die den Tatortbefundbericht angefertigt hatte. Sie sagte aus, dass die Wohnung am 9.Januar in Augenschein genommen worden sei. An der Wohnungstür sei ein deutlich sichtbarer Schuhabdruck zu sehen gewesen sowie weitere Beschädigungen. Die Wohnung selbst habe ihrer Einschätzung nach nicht nach einem offensichtlichen Kampfgeschehen ausgesehen.

Fortsetzung am Donnerstag: Werden Kinder aussagen?

Bemerkenswert allerdings: Die Beamtin habe auf dem Wohnzimmertisch einen Notizzettel mit „krakeliger Kinderschrift“ gefunden. Darauf zu lesen: „Bitte helft meiner Mama.“ Am kommenden Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt. Ob es zur Aussage der beiden Kinder der Eheleute vor Gericht kommen wird, ist weiterhin unklar. Verteidiger Jörg Jendricke versicherte auf Nachfrage unserer Zeitung: „Niemand will, dass die Kinder aussagen müssen.“ Erst nach der Anhörung der Ermittlungsrichterin wollen die Prozessbeteiligten eine finale Entscheidung treffen.