Neuer Kalender zeigt ein Regensburg, das es so längst nicht mehr gibt

Von Rainer Wendl · 25. Oktober 2023 um 10:00

Was ist auf diesem Bild zu sehen? Welche Stadt soll das sein? Diese Fragen stellt man sich immer wieder beim Betrachten von Bernd Edtmaiers neuem Regensburg-Kalender.

Es ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass schon wieder ein neues Jahr um die Ecke lugt: Bernd Edtmaier hat einen Regensburg-Kalender in die Buchhandlungen gebracht. Ein Großteil der zwischen 1956 und 1983 entstandenen Motive zeigt eine Stadt, die es so längst nicht mehr gibt. Das wirkt erstaunlich angesichts der Tatsache, dass die Fotos zwar alt, aber beileibe nicht antik sind.

Aber das ist genau Edtmaiers Thema. Den leidenschaftlichen Regensburger packt jedes Jahr aufs Neue die Faszination darüber, wie grundlegend und rasant sich seine Heimatstadt binnen dieser vier Jahrzehnte entwickelt hat. Dann arbeitet er sich durch den reichhaltigen Fundus der städtischen Bilddokumentation und sucht sich möglichst aussagekräftige und spektakuläre Ansichten für seinen Kalender. „Ich will den Betrachter auf eine Zeitreise ins Regensburg von damals mitnehmen“, beschreibt er sein Ansinnen.

DEZ-Kreuzung ohne DEZ

Das gelingt ihm zweifellos, doch der Kalender ist überdies auch ein kniffliger Rätsel-Trip. Der Einstieg gestaltet sich noch harmlos, denn den Neupfarrplatz im Jahr 1956 erkennt man auch ohne die später umgesetzte Bausünde namens „Horten“, die sich auf dem Oktober-Blatt breitmacht.

Im Februar allerdings setzt es aus. Da sind zwei Tankstellen, ein paar Gemüse- und Kleingärten, ein Parkplatz und ansonsten nur grasige oder staubige Brachflächen zu sehen. Wo kann das nur sein? Der von Edtmaier auf der letzten Seite platzierte „Spickzettel“ verrät: Es handelt sich um das 1961 fotografierte Areal der heutigen DEZ-Kreuzung, allerdings ohne DEZ und auch ohne Kreuzung – lediglich die immer noch bestehende DEZ-Tankstelle auf der rechten Seite der Nordgaustraße sowie der gegenüberliegende Betrieb, das heutige Audi-Zentrum, gewähren eine kleine Chance zur Orientierung.

Wettbewerb um Titelfoto

Im März fungiert der Ostbahnhof als Hinweisgeber. Wer den nicht ausfindig macht, tappt bei der Ortung komplett im Dunkeln. Denn wer kann schon das Siemens-Gerätewerk an der Irler Höhe im Jahr 1962 identifizieren?

Danach wird’s immerhin ein bisschen leichter. Karthaus-Prüll, Reinhausen, der Galgenberg und die Uni sind trotz aller Veränderungen zu erkennen, die Bilder aus der Altstadt sowieso. Im Dezember wird schließlich das Zahnklinikum im Jahr 1983 gezeigt, es war der allererste Bau des Uniklinikums. Wie bei den Bildern aus den 50er und 60er Jahren erstaunen hier die vielen Freiflächen. Regensburg bestand aus unendlichen Weiten, die die Stadt für ihre Entwicklung weidlich genutzt hat.

Für das auch im November zu sehende Titelfoto hat Edtmaier dieses Mal einen Wettbewerb ausgelobt. Zum Zug kam eine 1976 aufgenommene Fotografie des alten Westbads mit seinem an den Münchner Olympiapark erinnernden Zeltdach. Der Urheber des Bildes ist Andreas Kotulla, Mitglied der Facebook-Gruppe „Regensburger damals“. Diese zählt mehr als 9000 Mitglieder, einer der drei Administratoren heißt: Bernd Edtmaier. Mit seiner Begeisterung über die Entwicklung dieser Stadt zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Jahrtausendwende ist er also nicht allein.

Asphaltwüste: Straßenbau-Irrsinn 1971 in Steinweg
Titelbild: das Westbad 1976
Ein Solitär: das Zahnklinikum