„Lukas“ soll wieder zum Treffpunkt werden: Bürgermeister stellt inklusives Konzept vor

„Mir genga zum Lukas“: Wie früher soll das wieder ein geflügeltes Wort in Berngau werden, wünschen sich Bürgermeister Thomas Meier und sein Vorgänger und Quartiersmanager Wolfgang Wild. Das Anwesen soll wieder zum Treffpunkt der Generationen und von Menschen mit und ohne Behinderung werden. Dafür gehen sie neue Wege. Die Sanierung des alten Wirtshauses selbst ist auf einem guten Weg.
Blick auf und ins Innere des Gebäudes lassen erahnen, welches Schmuckstück hier in der Ortsmitte entsteht. Die Sanierung sei ein Baustein der langfristigen Strategie der Gemeinde, das Ortszentrum zu stärken und Bestehendes zu erhalten, anstatt die Ortsränder immer mehr auszudehnen, erklärt der Bürgermeister.
„Ziel ist es, leerstehende Gebäude im Ort wieder mit Leben zu füllen“, ergänzt Jürgen Schmidt vom Architekturbüro Sturm & Schmidt. Das Lukas-Anwesen werde barrierefrei und solle den historischen Charakter zurück in die Ortsmitte holen ebenso wie die Menschen im Dorf.
Allen voran wird der Berngauer Bürgermeister mit seinem Büro ins „Lukas“ einziehen. Neben ihm finden die Bücherei, ein Besprechungszimmer und ein Eltern-Kind-Raum Platz, der „multifunktional genutzt werden kann“. Genau da setzt das neue Konzept an, erklären der Verwaltungschef und Quartiersmanager Wild: Hier soll auch eine Kontaktgruppe für Menschen mit und ohne Demenz beziehungsweise Pflegebedürftige künftig ihren Platz finden.
Entlastung für Angehörige
Hintergrund sei, dass es gerade im ländlichen Bereich für Angehörige schwer sei, Pflegebedürftige für einen kurzen Zeitraum unterzubringen, ohne weit fahren zu müssen. Die geplante Kontaktgruppe solle Entlastung für Angehörige und den Pflegebedürftigen eine Möglichkeit der Teilhabe bieten, stellt Wild heraus.
Das inklusive Angebot soll in Kooperation mit der Fachstelle für pflegende Angehörige des Kreisverbands des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Neumarkt entstehen, Ehrenamtliche sollen die Betreuung übernehmen. Einige hätten schon signalisiert, mitarbeiten zu wollen, freut sich der Quartiersmanager. Beim Landesamt für Pflege sei bereits ein Antrag auf Förderung – für Ausstattung und Öffentlichkeitsarbeit – gestellt worden.
Sieben barrierefreie Wohnungen verschiedener Größe
Der Fokus liegt laut Wild auf einem Miteinander der Generationen und von Menschen mit und ohne Handicap. Er hofft dabei auch darauf, dass sich die Ortsvereine mit einbringen, Bürgermeister Meier, dass die Besucher der Eltern-Kind-Gruppe, der Bücherei und die Mieter der Wohnungen in den beiden Obergeschossen des Hauses miteinbezogen werden können.
Die Räumlichkeiten seien bewusst offen gestaltet worden, damit sich die verschiedenen Menschen, die im „Lukas“ ein- und ausgehen, begegnen und miteinander in Kontakt kommen können. Deswegen sei der Zugang zu den Wohneinheiten in den oberen Stockwerken über die öffentlichen Räume geplant worden, stellt Meier heraus und auch, dass die Gemeinde bei diesen ebenfalls ein unkonventionelles Konzept verfolge.
In den sieben barrierefreien Ein-, Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen sollen künftig Menschen mit und ohne Behinderung leben. Die Gemeinde vermietet sie in Kooperation mit der Lebenshilfe Neumarkt. Vorstellen kann sich Meier aber auch, dass Senioren aus Berngau, die kleinere Räume suchten, weil ihnen ihr eigenes Haus zu groß geworden ist, hier einziehen können. Die Leute könnten im „Lukas“ ihren Lebensablauf eigenständig organisieren, hätten aber immer einen Ansprechpartner.
Balkon ermöglicht ein Zusammenkommen aller Bewohner
Eine Besonderheit sei, dass der Außenbalkon sich jeweils über die ganze Etage erstrecke, um so ein „Zusammenkommen aller Bewohner zu fördern“, sagt der Bürgermeister. „Unser Wunsch wäre, dass sie alle sich gegenseitig unterstützen.“ Ins Konzept passe da, dass das benachbarte Sendner-Anwesen nun ebenfalls saniert und dort die Hausarzt-Praxis einziehen wird: So könne auch der Innenhof zwischen den beiden Gebäuden zum Treffpunkt werden.
Bis Ostern 2024 soll das neue „Lukas“ fertiggestellt sein und mit den neuen Mietern neues Leben einziehen, hoffen Bürgermeister und Architekt. Wenn der Estrich getrocknet ist, sollen bis Ende des Jahres die Bodenbeläge verlegt werden, im Januar/Februar die Einbaumöbel gefertigt werden.
80 Prozent Förderung aus der Städtebauförderung
Die Kosten für die Sanierung beliefen sich auf voraussichtlich 4,2 Millionen Euro, rechnet Meier. Dass sie trotz Inflation und verschiedener Krisen nur zwölf Prozent über der Berechnung von 2020 liegen, sei „sensationell“, findet der Verwaltungschef.
Über die Städtebauförderung würden 80 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst, etwa 2,65 Millionen. Der Gemeinde verbliebe damit ein Eigenanteil von etwa 1,6 Millionen Euro.