Sensation am Wahlabend: Markus Ochsenkühn (CSU) ist neuer Neumarkter Oberbürgermeister

Neumarkt hat einen neuen Oberbürgermeister: In einem Wahlkrimi hat sich am Sonntagabend CSU-Kandidat Markus Ochsenkühn gegen den amtierenden OB Thomas Thumann mit 52 Przent der Stimmen durchgesetzt. So gehen die beiden mit dem Ergebnis um.
Um 19.13 Uhr gab es im Johanneszentrum kein Halten mehr: Die Anhänger von Markus Ochsenkühn brachen in Jubel aus, schrien, klatschten, skandierten „Markus, Markus“ – der CSU-Kandidat hatte es in einem echten Wahlkrimi tatsächlich geschafft, Oberbürgermeister zu werden. In der Stichwahl holte er 52 Prozent der Stimmen – Thomas Thumann, der 18 Jahre lang Oberbürgermeister der Stadt war, kam nur auf 48.
Dabei hatte es anfangs noch gar nicht unbedingt danach ausgesehen: Als die ersten drei von 55 Wahllokalen ausgezählt waren, lag Thumann noch mit 52,8 Prozent vorne. Dann überholte Ochsenkühn, doch Thumann kam wieder heran und übernahm erneut die Führung. Nach 25 ausgezählten Wahllokalen aber wendete sich das Blatt, Ochsenkühn ging mit 50,7 Prozent in Führung und baute den Vorsprung nach und nach sachte aus.
CSU-Wahlparty im Johanneszentrum
Nach den ersten Ergebnissen hätte man bei der CSU-Wahlparty im Johanneszentrum noch eine Stecknadel fallen hören können, spätestens ab der Hälfe aber zeigten sich erfahrene CSU-Politiker wie Alois Karl und Albert Deß sicher, dass es bei diesem Ergebnis bleiben werde. Markus Ochsenkühn war zu diesem Zeitpunkt noch verhalten, traute sich bis zum Schluss nicht, sich womöglich zu früh zu freuen – obschon ihm Tränen in den Augen standen.
Immer wieder schüttelte er ungläubig den Kopf und sprach von einem Wechselbad der Gefühle. Erst als tatsächlich alle 55 Wahllokale ausgezählt waren, fiel die Spannung von ihm ab und er fiel erst seiner Frau Carola um den Hals, ehe er CSU-Fraktionsvorsitzenden Marco Gmelch umarmte. Neben seinen drei Kindern Ludwig, Anna und Greta waren auch Ochsenkühns Eltern Ludwig und Katharina vor Ort. Der Vater sprach stolz von seinem „Wahnsinnsbuam“.
Ochsenkühn würdigt Leistung von Thumann
Vor versammelter Mannschaft stellte Ochsenkühn sich freudestrahlend und um Fassung ringend auf einen Stuhl und dankte allen – und als einem der ersten dem noch amtierenden Oberbürgermeister Thomas Thumann. Dieser habe in 18 Jahren viel für die Stadt geleistet, diese Arbeit wolle er dementsprechend würdigen. Auch der Wahlkampf sei stets fair und sachbezogen geführt worden. Schließlich habe der Landtags-Wahlkampf gezeigt, was Populismus verursache.
Das zeigte sich auch beim Aufeinandertreffen beider Kandidaten. Es war kein unterkühltes Händeschütteln, sondern die Gratulation und der Dank fielen herzlich aus – trotz der Enttäuschung beim amtierenden Oberbürgermeister. „Ich war von dem Ergebnis überrascht“, sagte Thumann. „Aber das ist Demokratie.“ Er sei stolz auf die 18 Jahre, die er OB habe sein dürfen, und was er in diesen geleistet habe.
Kinder freuen sich auf mehr Zeit mit Papa Thomas Thumann
Emotionale Unterstützung hatte Thumann nötig und bekam sie auch zahlreich. Allen voran Ehegattin Carolin und die Kinder machten gute Miene zum negativen Wahlergebnis. „Meine Kinder haben schon gesagt, dass ich nun wieder mehr Zeit für sie haben werde“, sagte Thumann, der sichtlich angefasst, aber um Haltung bemüht den Rathaussaal betreten hatte. Da war das Endergebnis noch nicht fix, aber der Trend deutlich pro Ochsenkühn. Applaus brandete auf und Thumann musste so manchen Wegbegleiter trösten. Tränen rannen über einige Wangen.
Bis zum 4. Dezember ist Thumann noch im Amt. Was wird er danach machen? „Das ist heute Abend noch viel zu früh, um das zu beantworten“, sagte der 58-Jährige, der vor seiner politischen Karriere als Rathauschef Anwalt gewesen war.
UPW verspürte vorab bereits Wechselstimmung
Die Gründe für die Wahlniederlage zu benennen, fiel den UPW-Vertretern am Wahlabend schwer. „Es war eine Wechselstimmung zu spüren gewesen in der Stadt“, sagte Martin Meier, UPW-Fraktionschef im Stadtrat. Die UPW habe versucht, den Bürgern die Leistungen Thumanns aufzuzeigen, das sei aber offenbar nicht gelungen.
Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen war Thumann auf 47,4 Prozent der Stimmen gekommen, Ochsenkühn auf 35,5. Wer letztlich Oberbürgermeister wird, interessierte bei der Stichwahl indes gerade einmal die Hälfte der Neumarkter – die Wahlbeteiligung lag bei gerade einmal 53,7 Prozent. Bei der letzten OB-Wahl im Jahr 2017 hatte sie noch bei 74 Prozent gelegen, da war jedoch parallel Bundestagswahl.
Markus Ochsenkühn wird sein Amt am 5. Dezember antreten. Was bis dahin auf ihn zukommt, davon wolle er sich überraschen lassen, erklärte er kurz nach seiner Wahl. Am Montagabend wird er erst einmal den neuen Edeka-Markt in Neumarkt eröffnen – allerdings noch als Stellvertreter von Thomas Thumann.


