Regensburger Park ums Milchschwammerl wird zum Brennpunkt

Glassplitter, Blutflecken, kaputte Parkbänke, Müll: Wenn Milchschwammerl-Chef und Brücke-Stadtrat Florian Rottke die Regensburger Cafébude in Fliegenpilz-Optik morgens aufsperrt, kann er oft erahnen, was sich in der Nacht zuvor in diesem Umfeld abgespielt haben muss.
Tagsüber beobachte er öfter Drogenhandel. Stadt und Polizei haben die Stelle nun auf dem Schirm. Auch Sicht der Polizei hat die Kriminalität im Bahnhofsumfeld in diesem Jahr laut Corinna Wild, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz, nämlich zugenommen. „Vor allem im Umfeld des sogenannten Schwammerl trafen sich größere Personengruppen, von denen Straftaten verübt wurden“, sagt sie.
Bürger beschweren sich
Auch Katrin Butz von der städtischen Pressestelle erklärt, dass der Bereich bei der Fürst-Anselm-Allee und dem Schwammerl von der Polizei aufgrund einer Häufung von Straftaten aktuell als gefährlicher Ort im Sinne des Polizeiaufgabengesetzes eingestuft worden sei.
Neben Betäubungsmitteldelikten habe die Polizei laut Wild zuletzt auch eine Zunahme bei den Raub-, Körperverletzungs- und Eigentumsdelikten registriert. Aber auch die Beschwerden von Bürgern wegen Müll, Lautstärke oder Wildpinkelei an dieser Stelle seien mehr geworden.
Wie sehr sich die Zahl der Delikte in diesem Jahr konkret erhöht hat, werde laut Wild erst im kommenden Jahr klar sein. Im Jahr 2022 sei es insgesamt zu 748 Delikten im Bahnhofsviertel gekommen. Es gab 92 Rohheitsdelikte, darunter fünf Raube und 70 Körperverletzungen. Weiterhin listet sie 114 Diebstähle und 68 Sachbeschädigungen auf. 248 Mal war die Polizei aber auch wegen Drogenkriminalität im Einsatz.
Bereich als Mikrokosmos
Damit liegen die Zahlen laut Wild zwar unter denen im Jahr 2019, also dem Jahr vor der Corona-Pandemie, aber Schwammerl-Chef Rottke kann anhand seiner Beobachtungen schon jetzt ablesen, dass sich in dem Bereich zuletzt etwas verändert hat. Er beschreibt ihn als Mikrokosmos. Wo seine Cafétische stehen, sei es tagsüber noch nie zu Konflikten gekommen.
Das Schwammerl habe im Sommer von 8 bis 18 Uhr geöffnet, im Winter schließe es zur Dämmerung. So sorge er dafür, dass ein Personal nicht da sein muss, so lange es dunkel ist. Denn in den eineinhalb Jahren, in denen er das Schwammerl nun betreibt, sei es auch schon zu massiven Problemen gekommen. Als der Obelisk zuletzt eingezäunt war, habe sich das Geschehen verlagert: von der Fürst-Anselm-Allee in den Parkabschnitt beim Kepler-Monument.
Erhöhte Polizeipräsenz
Was also tun Stadt und Polizei, um die Situation zu entschärfen? Um gegen die Kriminalität vorzugehen und die Sicherheitslage zu verbessern, habe die Polizei ihre Präsenz im Bahnhofsumfeld seit Anfang August erhöht. Auch für den Kommunale Ordnungsservice (KOS) sei der Bereich laut Butz ein Tätigkeitsschwerpunkt. Sie kündigt für Ende Oktober zudem einen Runden Tisch bei der Polizei zu dem Thema an. Dabei soll das weitere Vorgehen abgestimmt werden. Ihr zu Folge bereiten sich bei der Stadt im Vorfeld der KOS, der Jugendschutz, das Gartenamt sowie das Amt für Integration und Migration darauf vor. Die Jugendschutzstelle des Amtes für Jugend und Familie sei zudem gerade mit einer strukturierten Beobachtung beschäftigt, auch um die Frage zu klären, ob die Stelle zusätzlich als jugendgefährdender Bereich eingestuft werden muss.
Rottke sieht drei Möglichkeiten, die Situation zu entschärfen: etwa soziale Kontrolle. „Es wäre schön, wenn wir es als Gesellschaft schaffen, den Ort positiv zu entwickeln“, sagt er. Dafür müsse er belebt werden. Den Straftaten sei aber lediglich durch Kontrolldruck beizukommen. Zudem wünsche er sich mehr Streetwork. „Hier sind Jugendliche involviert, die lieber in einem Crackpark rumhängen, als nach Hause zu gehen. Das sagt auch etwas aus“, verdeutlicht er.
Diese Ideen gibt es noch
Caritas-Streetworker Ben Peter sieht an zwei Stellen Handlungsbedarf: Wegen der großen Anzahl an Obdachlosen brauche es mehr und kleinere Unterkünfte mit Einzelzimmern. In der nahe gelegenen Unterkunft würden zu viele Menschen auf zu kleinem Raum unterkommen. Dort würden sie weder Privatsphäre finden, noch einen Platz, an dem sie sich um ihr Leben kümmern könnten.
Zudem würden Suchtkranke die Drogen in dem Bereich so schnell wie möglich nach dem Erwerb konsumieren, um nicht von der Polizei erwischt zu werden. Deswegen wiederholt er seine Forderung nach einem Konsumraum.

