Preissteigerungen: Rund 13 Millionen Euro wird neues Parkhaus in Bad Kötzting kosten

Von Stefan Weber · 21. Oktober 2023 um 13:45

Die Mitglieder des Stadtrates Bad Kötzting (Landkreis Cham) sowie der Verwaltung trafen sich am vergangenen Wochenende zur jährlichen Klausur im Hotel Früchtl in Zandt. Wie jedes Jahr ging es dabei um die großen Themen, die im kommenden Jahr anstehen. So auch zum Beispiel, ob sich die Stadt die Kostensteigerungen beim neuen Parkhaus wird leisten wollen.

Acht Millionen Euro, so war die Ansage im Stadtrat bisher, sollte der Neubau kosten. Dabei wurde aber immer auf der Basis der Zahlen aus den Jahren 2019 und 2020 gesprochen. Seitdem habe es eine Kostensteigerung bei den Baupreisen von rund 40 Prozent gegeben, erklärt Stadtbauamtsleiter Christian Kopf am Freitag gemeinsam mit Bürgermeister Markus Hofmann.

Fünf Millionen Förderung

Ein Umstand, dem auch die Planungen für das neue Parkhaus Rechnung zu tragen hätten. Bislang seien nur Planungsaufträge vergeben worden, erklären die beiden; weder seien bestehende Gebäude abgebrochen noch Firmen mit dem Neubau beauftragt worden. Seit der Klausurtagung stehe allerdings fest: „Für acht Millionen Euro mit allem drum und dran könnte sich die Stadt ein rein zweckmäßiges Parkhaus gerade noch so leisten“, sagt der Bürgermeister im Gespräch mit unserer Zeitung. Dann seien allerdings keinerlei gestalterische Möglichkeiten in der Innenstadt möglich.

Sollten die Stadträte aber an dem bereits mehrfach besprochenen Konzept mit Bibliothek und umfassenden Parkanlagen rund um den Neubau festhalten, dann werde das Projekt auf jeden Fall teurer. Kopf spricht von rund 13,3 Millionen Euro. Dabei seien allerdings mehrere Faktoren zu beachten, so der Bürgermeister. Zum einen seien in den bislang anvisierten acht Millionen Euro weder der Abbruch des Bestandsgebäudes noch die Planungskosten für den Nebau berücksichtigt gewesen. „Alleine die Kosten für die Planung belaufen sich ja schon auf zwei Millionen Euro“, sagt Hofmann.

Außerdem werde die Stadt auch mit dem durch einen Architekten-Wettbewerb gefundenen Vorschlag nicht mehr als acht Millionen Euro ausgeben, da über die Städtebauförderung die übrigen rund fünf Millionen Euro wieder reinkämen. „Das Projekt stand in der Klausur aber durchaus auf der Kippe“, gibt er zu bedenken, sagt aber auch, dass sich letztlich kein Mitglied im Stadtrat dagegen ausgesprochen habe. Schließlich sei das Projekt wegweisend für viele Schritte, die nach der Fertigstellung 2027 folgen sollten: Barrierenabbau in der Innenstadt und Neugestaltung in der Gehringstraße zum Beispiel.

Dadurch würden auch viele Parkplätze für die Bewohner der Innenstadt wegfallen, die ja zusätzlich künftig durch mehr Wohnungen im Kern wieder mehr belebt werden sollte. Dass die gut 100 Parkplätze bei sinkenden Zahlen an Geschäften in der Stadt unnötig werden könnten, sähen er und auch die übrigen Stadträte nicht.

Neubau noch ganz absagen?

In nicht öffentlicher Sitzung stehe das Projekt am Dienstag auch wieder auf der Tagesordnung des Stadtrates. Bislang seien die Planungen bis zur Stufe eines Vorentwurfs gediehen, am Dienstag werde es bis zur Eingabeplanung gehen. Doch selbst dann bestünde theoretisch immer noch die Möglichkeit, das ganze Projekt abzusagen, betont der Bürgermeister. Die Stadt werde die Kosten immer im Blick haben, wobei die mit aktuell sechs Millionen Euro Schulden und zehn Millionen Euro auf der hohen Kante sehr gut dastehe. Einen ersten Blick warfen die Stadträte auch auf einen ersten Entwurf für die geplante Gestaltungssatzung der Innenstadt. Barbara Wilnhammer vom beauftragten Planungsbüro in Furth im Wald habe ein erstes Teilergebnis vorgelegt, das „sehr weit gefasst“ gewesen sei.

Die Stadträte hätten zur Aufgabe gemacht, dass eine Satzung nicht zu viele Vorschriften machten sollte, so Hofmann und Kopf. Viel sei darüber diskutiert worden, ohne „Griffiges“ vorlegen zu können. Die Anregungen würden nun in eine zweite Version fließen, die im November vorgestellt werden soll. Fest steht seit der Tagung auch, dass der Wasserpreis im kommenden Jahr werde steigen müssen. Um wie viel, das stehe noch nicht fest.

Doch müsse die Stadt die hohen Investitionen in den vergangenen Jahren – etwa die Sanierung alter und die Erschließung neuer Quellen – auf die Bürger umlegen. Generell sei die Wasserversorgung immer ein Haushaltsposten, der kostendeckend durch die Stadt betrieben werden müsse. Ein weiterer großer Punkt sei die Zukunft des vor zwei Jahren erworbenen Schoierer-Anwesens gewesen, das direkt an das Rathaus angrenze. Der ältere, grün gestrichene Teil sei ohne Entkernung nicht mehr sanierbar, kam dabei heraus. Der neuere, rote Teil, könnte saniert werden. Im Moment am wahrscheinlichsten erscheine die Möglichkeit, nur die Fassade zu erhalten – allerdings werde der nächste Weg mit diesen Erkenntnissen erst einmal zu den zuständigen Fachstellen sein, so der Bürgermeister. Mit Fördermitteln sei ja so einiges möglich.

Auch das Dauerthema Brücken-Sanierungen stand zum wiederholten Male auf dem Plan der Klausurtagung. Bereits vor Jahren war beschlossen worden, die Fußgängerbrücke am Roten Steg in Angriff nehmen zu wollen. Nach weiteren statischen Untersuchungen habe sich herausgestellt, dass die Stadt wohl um einen Neubau nicht herumkommen werde – wie viel der kosten könnte, sei noch nicht bekannt.

Weitere Themen, die besprochen wurden, waren die Möglichkeiten der energetischen Sanierung von kommunalen Gebäuden, und wie überhaupt künftig noch mehr Energie eingespart werden könnte.

Auch der Alte Friedhof und dessen Umnutzung zur Parkanlage hatte auf dem Plan gestanden. Knackpunkt ist hier seit Jahren nicht nur der Zustand der umlaufenden Mauer, sondern nun auch vermehrt die steigenden Baukosten. Hier werde sich die Stadt unter Umständen damit abfinden müssen, dass die Umsetzung in viele kleine Bauabschnitte unterteilt werden müsse.

Die Mitglieder des Stadtrates und der Verwaltung bei der Klausurtagung Foto: Wischollek