Zahlen noch nicht auf dem Niveau vor der Corona-Krise: Viele Herausforderungen für den Tourismus

Von Oliver Hausladen · 20. Oktober 2023 um 18:00

In einer der exponiertesten Sehenswürdigkeiten des Landkreises Cham, der Burg Falkenstein, hat am Freitag der Kreisausschuss für Kultur, Tourismus und Sport. Beim Tourismus gab es 2022 im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung, die Zahlen aus 2019 (vor der Corona-Krise) wurden aber noch nicht erreicht.

Einen umfangreichen Bericht hatte Kulturreferentin Petra Meindl für die Ausschussmitglieder vorbereitet. Im Landkreis wurden im vergangenen Jahr 1614810 Übernachtungen und 430766 Gästeankünfte in gewerblichen Betrieben verbucht. Obwohl dies eine Steigerung von 34 beziehungsweise 56 Prozent gegenüber 2021 bedeutet, wurde das Niveau der Vor-Corona-Zeit von 2019 noch nicht erreicht. 15,7 beziehungsweise 15,6 Prozent seien die Zahlen hinter diesen Werten zurück, hat Meindl ausgerechnet.

Neue Probleme kamen

Das Jahr 2022 sei eigentlich sehr vielversprechend gestartet, die Belastungen durch Corona wurden weniger, die Buchungszahlen stiegen. Dann kamen aber neue Probleme: Krieg in der Ukraine, Energiekrise und Inflation. „Damit wurden die Herausforderungen für Leistungsträger und Verantwortliche im Tourismus nicht weniger“, betonte Meindl. Erschwerend sei hinzugekommen, dass es im Winter 2022/23 wenig bis gar keinen Schnee gab, was den Tourismus in der kalten Jahreszeit erheblich schwächte.

Trotzdem stimmten die gestiegenen Zahlen im Vergleich zum Vorjahr optimistisch, betonte sie. Angepasst hat sich wieder die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste, die wie 2009 bei 3,9 Tagen lag.

Schlechtes Wetter sorgt für Minus

Das aktuelle Jahr sei bis Mai recht gut gelaufen mit einem Plus bei den Übernachtungen, berichtete Meindl. Allerdings gab es ein „Juni-Loch“ und auch im August wurden weniger Übernachtungen verbucht. Schuld daran sei in erster Linie das schlechte Wetter. Überdurchschnittlich hoch im Landkreis Cham sei der Anteil an Tagestouristen, etwa 20 Prozent der Gesamt-Einnahmen im Tourismus würden durch sie generiert. Eine Vorausschau auf 2024 gestalte sich schwierig, sagte Meindl. Es sei unklar, wie sich weitere Preiserhöhungen in Hotelerie und Gastronomie auf die Nachfrage auswirken würden. Den Herausforderungen in der Branche könne man sich nur gemeinsam entgegenstellen. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Qualität, Sensibilisierung und auch Barrierefreiheit seien wichtige Themen, die neben den klassischen Aufgaben wie Produktentwicklung und Marketing die Arbeit im Tourismus verstärkt beeinflussten.

„Gast nicht aus dem Auge verlieren“

Verstärkt auf Digitalisierung und Internet zu setzen sei wichtig, sagte stellvertretender Landrat Markus Müller, der die Sitzung leitete, aber es gelte auch, „den Gast dabei nicht aus den Augen zu verlieren“.

„Wer etwa bei einer Tourist-Info etwas nachfragt, und dann auch nur bei Google nach der Antwort geschaut wird, ist das nicht der richtige Weg“, sagte der Bürgermeister von Neukirchen b. Hl. Blut.

Entscheidungs-Empfehlungen für den Kreistag

Einstimmige Entscheidungen: Mehrere Entscheidungs-Empfehlungen an den Kreistag wurden in der Sitzung des Kreisausschusses für Kultur, Tourismus und Sport einstimmig getroffen.

Kreiszuschüsse für überörtliche kulturelle Maßnahmen: 2750 Euro (2000 Euro für den Oberpfälzer Kulturtag und 750 Euro als Zuschuss für die Vereinszeitschrift des Bayerischen Waldvereins) sollen im Haushalt eingeplant werden.

Erwachsenenbildung (Volkshochschulen): Der Globalansatz wird wieder auf 204000 Euro festgesetzt. An den Betriebskosten der fünf Schulen der Volkshochschule (Altenpflege, Altenpflegehilfe, Physiotherapie, Sozialpädagogik und Kinderpflege) beteiligt sich der Landkreis mit insgesamt 100000 Euro.

Überörtliche und landkreisweite Sportförderung: Der Maximalbetrag für die Sportförderung und die Förderung der Schwimmfähigkeit wird auf 73750 Euro festgesetzt.

Kreiszuschüsse für Sportbaumaßnahmen (Jugendanteil): Insgesamt 25 Projekte werden landkreisweit mit 36060 Euro bezuschusst.

Änderung der Richtlinien zur Förderung der Jugendarbeit in Vereinen und Jugendorganisationen: Die Zuschusshöhe wird im laufenden Jahr dauerhaft von fünf auf sechs Euro pro Jugendlichem angehoben.

Verteilung der Kreiszuschüsse für Denkmalpflege: 55500 Euro sind als Zuschüsse für die Sanierungen bei Sakral- und Profanbauten vorgesehen.