Fulminante Macbeth-Premiere auf Burg Falkenstein: Spieler meistern schwieriges Stück

Macbeth sei ein düsteres Stück. „Auch wenn es im 11. Jahrhundert Schottlands spielt, ist die Botschaft wieder aktuell“, sagte Bürgermeisterin Heike Fries und übergab die Bühne den Spielern.
Zuvor hatte sie die Ehrengäste, unter anderem den Regierungspräsidenten der Oberpfalz, Walter Jonas, und das zahlreich erschienene Publikum begrüßt. In ihrer Rede bedankte sie sich bei den Ehrenämtern in Falkenstein, ohne die weder das Vereinsleben, noch die Burghofspiele stattfinden könnten.
Spannung lag in der Luft, der Burghof füllte sich mit feinen Nebelschwaden, Windrauschen war aus den Lautsprechern zu hören. Gänsehaut überkam den ein oder anderen, bevor überhaupt jemand die Bühne betrat. Das einfache Bühnen Bild, eine schräg abfallende Rampe und verhängte Wände mit Tarnvorhängen boten den Schauspielern erstaunlich viele Möglichkeiten bei den schnellen Szenenwechseln.
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Macbeth, gespielt von Josef Mackiewicz, ein braver Feldherr, der dem König Duncan dient, wird von Hexen heimgesucht. Diese ziehen bereits in der ersten Szene das Publikum in ihren Bann, die Umhänge mit den Kapuzen, das hämische Lachen und die gekrümmten Haltungen verheißen nichts Gutes. Doch sie prophezeien Macbeth den Aufstieg zum König. Auch sein Freund Banquo, gespielt von Armin Eigenstetter, wohnt der Voraussagung bei.
Als Lady Mac Beth, gespielt von Margit Meinzinger, von der Prophezeiung erfährt, schmiedet sie den Plan König Duncan, gespielt von Christiane Auburger, zu ermorden und tritt als dominante Frau auf, die das Böse in ihrem Mann hervorholen will. Meinzinger verstand es ihre Rolle der ehrgeizigen Gattin zu spielen und Macbeth von ihrem Plan zu überzeugen.
Auch Macbeth fängt an über den Mord an König Duncan nachzudenken, um die Prophezeiung wahr werden zu lassen. Doch zu Beginn meint man als Zuschauer noch „Vielleicht macht ers ja nicht, vielleicht ist er ja doch zu gut“. Bei Lady Macbeth gestaltet sich das anders, ihr blitzt die Mordlust aus den Augen. Die musikalische Untermalung tut ihr übriges, um die Stimmung bis zum letzten Sitzplatz der Zuschauer zu tragen.
Das Blut an der Burgmauer
Eines von vielen schauspielerischen Highlights, war die Szene, nachdem Macbeth doch zur Tat schritt und König Duncan ermordete. Mit blutverschmierten Händen tritt Josef Mackiewicz auf die Bühne, Verzweiflung und Hetzte steht ihm im Gesicht. Fast bekam man Mitleid mit dem zu Beginn noch so guten Macbeth, der mit dem Mord nun eine Grenze überschritten hatte. Er wischte seine Hand an der Burgmauer ab und hinterließ einen roten Strich für den ersten Toten. Im Laufe des Abends sollten noch weitere Striche dazu kommen. Diese kleinen aber eindrucksvollen Szenen sorgten für ein kollektives Luftanhalten im Publikum. Nach den vorangegangen düsteren und grausamen Momenten, lockerte der Pförtner, gespielt von Kathie Gaudeck, das Stück mit Humor und Witz auf.
Die Anwesenden durften die Veränderung Macbeth miterleben. Vom gefeierten Feldherren zum verrückten Tyrannen. Mit jeder Szene wurde es dunkler über Falkenstein und grausamer auf der Bühne, es hätte nicht besser passen können.
Jetzt, da er König von Schottland war, packte ihn die Paranoia und er ließ seinen Freund Banquo ermorden, der neben seiner Gattin, als einziger von den Prophezeiungen wusste. Macbeth begann unter Wahnvorstellungen zu leiden. Die Technik hatte alle Hände voll zu tun, um diese mit Musik und Licht zu untermalen und machte dabei einen großartigen Job.
Ein besonderes Highlight war die Angst Macbeths, wer statt seiner den Thron besteigen könnte. So schritt fast das gesamte Ensemble in einer Modenschau, wie über einen Catwalk, mit verschiedensten Kronen auf dem Kopf über die Bühne. Eine raffinierte Szene, die das Stück sowohl auflockerte, als auch zeigte, wie es um den König stand.
Nicht nur einmal kroch einem der Grusel in den Nacken und die Fassungslosigkeit ins Gesicht, was nicht zuletzt an der gut gesetzten Musikauswahl lag. Seine letzten Opfer, die Familie des geflohenen Macduff, gespielt von Michael Schmidbauer, kostete Lady Macbeth ebenfalls den Verstand. Sie betrat ein letztes Mal die Bühne und riss das Publikum mit ihrer Leistung in den Bann. Streitend mit sich selbst, sich gut zuredend und verzweifelt, nicht vorhandenes Blut von den Händen waschend.
Als Macduff, der nach England zum Sohn des König Duncan, gespielt von Daniel Wagner, geflohen war, von den Gräueltaten erfuhr, entsteht die wohl berührendste Szene des ganzen Abends. Der verzweifelte Macduff macht der Trauer um seine Familie Luft und berührt das Publikum tief. Der ein oder andere wischte sich eine Träne aus dem Auge.
Doch Macduff sollte es am Ende sein, der den König zur Strecke brachte. In einem beeindruckenden Schwertkampf, der den letzten vergessen ließ, dass man sich in einer bayerischen Gemeinde mit Laienschauspielern befand, tötet er Macbeth und zieht den letzten roten Strich an der Burgmauer.
Das Vorhaben der Regisseurinnen Macbeth nahbarer zu machen, ist voll und ganz gelungen. Der Zuschauer kann seine Veränderung nachvollziehen und schwankt zwischen Mitleid und Fassungslosigkeit. Fast war es überraschend, als sich am Ende des Stückes alle Schauspieler vor dem Publikum verbeugen konnten, waren doch einige von Macbeth ermordet worden, so sehr zog das Ensemble die Anwesenden in den Bann.
Ein fulminanter Abend
Ein fulminanter Abend für das Regieteam und die Ausstattung, denn sowohl die Kostüme, als auch das Stück waren auf den Punkt gebracht. Die Sprache Shakespeares stellte für das Verständnis keinerlei Hindernis dar, wenn gleich den meisten klar wurde, was es bedeuten muss, einen solchen Text auswendig zu lernen. Am Schluss gab es, zu Recht, Standing Ovation für das gesamte Ensemble.





