Sparkasse und Raiffeisenbank teilen sich Räume: Wird das im Landkreis Neumarkt ganz normal?

Für Kunden ist es erst einmal gewöhnungsbedürftig: Raiffeisenbank und Sparkasse teilen sich in Mühlhausen plötzlich ein und dieselben Räume. Dass sich die Konkurrenz zusammenschließt, ist durchaus ungewöhnlich. Aber ist es vielleicht das Modell der Zukunft, gerade im ländlichen Raum?
„Wenn es passt, kann man das durchaus auch künftig so machen“, sagt Stefan Wittmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neumarkt-Parsberg. Erste gemeinsame Geschäftsstellen habe man bereits 2016 in Lupburg und Breitenbrunn in Betrieb genommen, Mühlhausen sei jetzt die dritte Kooperation im Landkreis. Und in diesen Fällen laufe es gut. Aktive Abwerbeversuche gebe es nicht, das sei vorab so vereinbart worden. „Und da hält sich auch jeder dran“, sagt Wittmann.
Jeden Abend wird ausgeräumt
So sieht das auch Udo Wehrmann, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen – Meine Bank, zu der sieben Filialen im südwestlichen Landkreis, darunter auch Mühlhausen, gehören. Die Kooperation in Mühlhausen ist für ihn „eine Win-Win-Situation für beide Banken“. Diese Erfahrung habe die Raiffeisen bereits im vergangenen Jahr im fränkischen Heideck gemacht, wo man sich ebenfalls mit der Sparkasse zusammentat.
Doch wie läuft das praktisch? Ganz einfach: Am einen Tag ist alles in Rot getaucht, am anderen in Blau-Orange. Nur aufpassen muss man, dass man nicht am verkehrten Tag aufkreuzt – Montag und Donnerstag ist die Sparkasse dran, Dienstag und Freitag die Raiffeisen.
„Abends räumt jeder sein Zeug weg“, sagt Wehrmann – dann könnten am nächsten Tag die Kollegen der anderen Bank ihre Sachen hinstellen. Mobile PCs seien ohnehin Standard, ein eigenes Rechenzentrum habe weiterhin jede Bank. Die Zusammenarbeit im Gebäude der Sparkasse bezeichnet Wehrmann als „partnerschaftlich“. Freilich könne es passieren, dass mal ein Kunde von einer zur anderen Bank wechsle, „aber man wirbt nicht in großem Stil ab“.
Kunden ist nur wichtig, dass es überhaupt eine Bank gibt
Den Kunden ist es letztlich weniger wichtig, in welches Gebäude sie gehen, als vielmehr, dass es eine Bank vor Ort gibt – so sieht es zumindest eine Kundin in Mühlhausen, die den Zusammenschluss vor allem aus praktischen Gesichtspunkten beurteilt. Freilich müsse man sich nun immer orientieren, an welchem Tag welche Bank dran sei. Doch auch zuvor seien die Banken nicht mehr täglich geöffnet gewesen, sagt sie. Und für sie persönlich sei das ohnehin weniger dramatisch – die Familie hat bei beiden Banken ein Konto. Auch Resi Heck beurteilt das ähnlich. Sie findet es gut, dass man im guten Miteinander die Räume teilt, sagt sie.
„Momentan ist es das wichtigste, dass die Bank, in der sie Geld und Beratung kriegen, vor Ort bleibt“, bestätigt Raiffeisen-Vorstandsvorsitzender Wehrmann. Die Akzeptanz der Kooperation sei daher gut, „die Leute sind froh, dass es die Bank weiter gibt“.
Service vor Ort immer weniger gefragt
Ein Grund für die Kooperation ist aber auch, dass das Thema Service vor Ort generell abnimmt, sagt Vorstandsvorsitzender Wittmann. Freilich gebe es einerseits Kunden, die gerne in die Bank kommen. Andererseits aber nimmt die Zahl derer zu, die auf Online-Banking und Telefon-Beratung setzen, ihren Kontostand in der App checken und auf Bargeld nicht mehr so viel Wert legen. Durch die Kooperation versuche man, allen Bedürfnissen gerecht zu werden.
Vorteil für die Banken sei es außerdem, dass man sich mit dem Gebäude auch die Kosten dafür teile, erklären beide Banken-Chefs. Und im Fall Mühlhausen profitiert sogar noch die Gemeinde – die brauchte nämlich mehr Platz und erweitert jetzt im ehemaligen Gebäude der Raiffeisenbank die Verwaltung. Unter anderem sollen hier das Bauamt, der Gemeindetreff und die Bücherei untergebracht werden.
Kooperation mit der Sparkasse ist auch für die Raiffeisenbank Neumarkt ein Thema. „Das ist zwar für viele komplett überraschend, dass die Konkurrenz im selben Haus ist, aber es funktioniert“, sagt Oliver Melde, Pressesprecher der Neumarkter Raiffeisen.
Als reine SB-Filialen gebe es sogar schon seit 2008 gemeinsame Filialen im Landkreis, in Seligenporten, Batzhausen und Pölling. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Kunden für eine Beratung acht bis zehn Kilometer fahren, Geldversorgung und das Holen von Kontoauszügen würden aber in näherer Umgebung gewünscht. Vor allem, wenn es um die Geldversorgung geht, wird es für die Banken aber schnell so teuer, dass diese kaum wirtschaftlich betrieben werden kann, so Melde. Sicherheitsvorkehrungen müssten extrem hoch gehalten werden, die Technik dafür sei teuer.
Eine Zusammenarbeit komme daher beiden Partnern gelegen. Aktuell gibt es bei der Raiffeisenbank Neumarkt keine Pläne für weitere Zusammenschlüsse, so Melde. Sollte es aber so weit kommen, „wäre es immer ein Weg“, eine weitere Kooperation zu prüfen, sagt er. „Wir möchten keine Filiale schließen. Und dann sind genau solche Lösungen optimal für alle.“