Hightech bei der Rübenernte: Mit 652 PS über den Acker

Sie lassen die Herzen vieler Landtechnik-Fans höherschlagen: Die riesigen Zuckerrübenvollernter des Maschinenbauers Holmer. Drei bis vier rote Rübenroder verlassen jede Woche die Fertigungshallen im Schierlinger Ortsteil Eggmühl (Landkreis Regensburg). Seit Anfang September hat der Landmaschinenhersteller einen neuen Geschäftsführer.
Martin Führer, 51, kümmerte sich zuletzt um deutlich kleinere Maschinen. Beim Reinigungsgeräteproduzenten Nilfisk war er als Geschäftsbereichsleiter für Zentral- und Osteuropa tätig. Beruflich hatte Martin Führer deshalb bislang nicht so viel mit der Landwirtschaft zu tun. Allerdings gibt es familiäre Anknüpfungspunkte – zum Obstbau, der Viehwirtschaft und auch zum Zuckerrübenanbau im großen Stil, sagt Führer. Das Thema Agrar sei deshalb nicht gänzlich neu für ihn.
Parallele zum vorherigen Arbeitgeber: Arbeitsmaschinen im Fokus
Tatsächlich gibt es aber auch zu dem vorherigen Arbeitgeber Führers Parallelen: Sowohl bei Nilfisk wie auch jetzt bei Holmer stehen selbstfahrende Maschinen im Fokus. Mit dem Unterschied, dass ein Rübenroder um ein Vielfaches größer ist als eine Aufsitz-Reinigungsmaschine – und auch etwa siebenmal so teuer.
Die riesigen Landmaschinen sind seit Mitte September wieder auf Äckern auf der ganzen Welt im Einsatz. Kurz vor dem Start der Zuckerrübensaison, am 3. September, hat auch Martin Führer seinen Dienst bei Holmer angetreten. Seitdem habe er viele interessante Informationen und Eindrücke gewonnen, sagt er. Und auch auf einem der roten Riesen – dem 652-PS-Holmer-Flaggschiff Terra Dos 5 – ist er bereits mitgefahren. Das sei besonders spannend gewesen, erzählt der Geschäftsführer. Ans Steuer habe er sich aber nicht getraut. Er habe „höchsten Respekt vor den Fahrkünsten“ der Roderfahrer.
Nicht nur Vollernter werden in Eggmühl produziert
Dabei produziert Holmer längst nicht nur Vollernter, die die Zuckerrüben aus dem Boden holen und einsammeln. Für das Rübenladen baut der Landmaschinenhersteller den Terra Felis 3 evo, laut eigenen Angaben einer der modernsten Rübenreinigungslader der Welt. Bei der patentierten Rübenaufnahme würden sich Reinigungsweg und -intensität per Knopfdruck individuell anpassen lassen, erklärt Führer. Dabei ist das Geschäft mit den Zuckerrüben kein einfaches. „Das ist kein wachsender Markt“, sagt der neue Holmer-Geschäftsführer.
Deswegen müsse man sich immer die Frage stellen, wie weit Diversifizierung möglich ist. Holmer fokussiert sich deshalb – neben den Rübenvollerntern und -ladern – auf das Thema Feldlogistik. „Da sehen wir viel Potenzial“, sagt Führer. Beispielsweise gebe es für die Gülleeinbringung immer striktere Vorschriften, wozu es dann spezialisierte Maschinen brauche. Holmer hat mit dem Terra Variant ein Multifunktionsfahrzeug im Portfolio, das mit verschiedenen Aufbauten – unter anderem einem Gülletechniksystem − bestückt werden kann.
Martin Führer: Die USA als Markt mit Potenzial
Aber auch auf dem Feld der Rübentechnik gibt es Führer zufolge noch Märkte, in denen Holmer Potenzial sieht. In den USA sei man in dem Bereich noch „eher traditionell“, sagt der Geschäftsführer. Da gebe es bei der Rübenernte die „wildesten Konstrukte“. „In den USA ist es jetzt Zeit für unsere hoch entwickelte Technik“, ist Führer überzeugt.
Der neue Geschäftsführer will bei seinem Plan, das Unternehmen „fit für die Zukunft“ zu machen, vor allem auf Teamwork setzen. Holmer mit seinen weltweit mehr als 400 Mitarbeitern hat sehr viel Potential, erklärt er im Gespräch. „Wir sitzen alle in einem Boot.“ Die Teamleistung sei immer höher, als die Summe der Einzelleistungen.
Tatsächlich ist auch Holmer selbst Teil eines „Teams“. Der Eigentümer des Eggmühler Landmaschinenbauers, die französische Exel Industries S.A., ist ein weltweit führendes Industrieunternehmen im Bereich Landwirtschaft und Sprühtechnik mit knapp 4.000 Beschäftigten in 33 Ländern. Knapp eine Milliarde Umsatz machte die Gruppe im Geschäftsjahr 2022. Mit einem Umsatz von knapp 150 Millionen Euro hatte Holmer daran einen nicht unerheblichen Anteil.
