Zandter Fahrzeug nach Rumänien: Die„Gnadenhöfe“ der Feuerwehrautos des Landkreises Cham

Was passiert eigentlich mit Feuerwehr-Autos, wenn die nach Jahrzehnten ausgedient haben? Die meisten enden auf einem von drei Wegen, die auch auf Inseln oder Schrottplätzen enden.
Es war eine große und schöne Geste, als die Gemeinde Zandt am Donnerstag ihr Löschfahrzeug der kleinen Gemeinde Otelec im südwestlichen Rumänien als Geschenk übergeben hat. Die Gemeinde mit rund 1500 Einwohnern hatte sich Anfang des Jahres mit einem Hilfe-Gesuch an den Landesfeuerwehr-Verband gewandt und fand in Zandt Gehör. Doch was passiert eigentlich mit Fahrzeugen, die nicht verschenkt werden, die für den aktiven Dienst aber ausgedient haben?
Das weiß der „oberste Feuerwehrmann im Landkreis“, Kreisbrandrat Mike Stahl, natürlich. Jährlich gingen im gesamten Landkreis Cham mit seinen 190 Feuerwehren zwischen acht bis zwölf Fahrzeuge – vom Anhänger bis zur Drehleiter – außer Dienst. Eine ganze Menge, die auf unterschiedlichen Kanälen ihren weiteren Weg fänden. Der häufigste Weg sei, die Geräte auf Feuerwehreigenen Plattformen oder Magazinen zum Kauf anzubieten, oder aber auch öffentlich bei der Online-Zoll-Auktion von Bund, Ländern und Gemeinden.
Von Rimbach nach Samos
Auf diesem Wege finden Fahrzeuge auch neue Einsatzorte, so wie das nun verschenkte LF 16/16 der Freiwilligen Feuerwehr Zandt. Das hatte die Wehr selbst erst 2019 als Ersatz für das beim Brand im Feuerwehrhaus zerstörte LF 16/12 von Solingen in den Landkreis überführt, wo es ab 1985 erst der Berufs-, dann der städtischen Feuerwehr gedient hatte.
Es sei aber auch nicht unüblich, dass Fahrzeuge nicht mehr im aktiven Dienst der Wehren gebraucht werden könnten, für private Besitzer aber gute Transportfahrzeuge seien oder zu Wohnwagen umgebaut würden, weiß Stahl. Denn in den allermeisten Fällen sei zumindest nicht die Fahrleistung das Problem; Während viele private Autokäufer gerne auf den Tachostand schauten, um den Preis zu bewerten, läge der bei Feuerwehrautos selbst nach Jahrzehnten weit unter dem, was der VW Golf nach über zehn Jahren durch die tägliche Fahrt in die Arbeit auf dem Zähler habe.
Bei den Feuerwehrautos seien es bisweilen nach 20 bis 30 Jahren eher Lack- und Rost- sowie Standschäden, oder auch die Tatsache, dass es keine Ersatzteile mehr dafür gebe, und auch Themen wie Abgasnormen spielten zumindest in Deutschland eine Rolle – ein Thema, das die neuen Besitzer des LF 16 wahrscheinlich nicht allzu sehr berühren werde, schätzt der KBR.
Das wird wohl auch für Griechenland gelten. Denn auf der Insel Samos befindet sich seit dem Jahr 2001 ein Fahrzeug der Feuerwehr Rimbach, das zumindest im Jahr 2014 hier immer noch seinen Dienst versehen hatte.
Im Jahr der Jahrtausendwende hatte es auf der kleinen Insel ein verheerendes Feuer gegeben, wonach 16 in Deutschland ausgemusterte Fahrzeuge ihren Weg auf die Insel fanden. Dazu gehörte auch das damals bereits 47 Jahre alte Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Rimbach, ein Tanklöschfahrzeug (TLF) 16.
Fahrzeuge oft in Krisengebiet
Auch das sei kein ganz ungewöhnlicher Vorgang, wie Kreisbrandrat Stahl weiß. So seien auch schon Gerätschaften in das aktuelle Kriegsgebiet in der Ukraine oder nach Erdbeben und Bränden nach Südeuropa gebracht worden. Die meisten dieser Aktionen blieben auch darum öffentlich eher unbekannt, da sie – wie auch im Fall der Spende von Zandt nach Rumänien – über den Landesfeuerwehr-Verband abgewickelt würden.
Wie viel so ein Feuerwehrauto wert ist, zeigt ein Blick in die Zoll-Auktion des Bundes. Wer spontan ein LF 16/12 von Mercedes für seinen Vorgarten (oder doch für den Einsatz) brauchen könnte, der würde das aktuell für gerade einmal 11000 Euro bekommen – müsste sich das Fahrzeug allerdings in Bielefeld selbst abholen. Wer jetzt glaubt, die Gemeinde Zandt hätte auf so viel Geld verzichtet, der irrt allerdings. Denn während das Fahrzeug der Marke Iveco, das nun wohl schon in Rumänien angekommen ist, bereits knapp 40 Jahre alt ist, hat der Mercedes in Bielefeld gerade einmal sechs Jahre auf dem Buckel. Aber natürlich gebe es auch Fahrzeuge, die – und das sei der dritte natürliche Weg – ihr Ende auf einem Schrottplatz fänden.
Wie die zahlreichen Einsätze, die sie bis dahin absolviert haben, so sind eben auch die Wege der Fahrzeuge danach, wenn sie im Schnitt etwa 25 bis 30 Jahre im Dienst für die Allgemeinheit gestanden haben, nicht immer gleich.
Ob aber nun in Griechenland, in der Ukraine oder in Rumänien: Selbst mit einigen Jahrzehnten auf dem Buckel erfüllen sie hier noch immer sehr wichtige Aufgaben, oder sorgen eben auch als Wohnmobil in Privatbesitz (ohne Blaulicht) für Freude.
Die Zoll-Auktion
Plattform: zoll-auktion.de ist eine im Internet betriebene Auktionsplattform der Bundeszollverwaltung. Über diese Plattform führt das Hauptzollamt Gießen permanente, öffentliche Versteigerungen durch, die der Verwertung beweglicher Sachen dienen.
Umsatz: Stand 2018 sind auf der Plattform 330 000 Bieter und 3380 verschiedene Anbieter registriert und es werden täglich durchschnittlich 1750 Auktionen durchgeführt. Dabei wurde ein Umsatz von 83,6 Millionen Euro, einen Erlös von 30,4 Millionen Euro erzielt.
