Italienisches Flair hinter der Hofkirche: Neues Pfarrheim soll Treffpunkt für alle Bürger werden

Von Heidi Bauer · 17. Oktober 2023 um 19:00

Mehr als zwei Jahre wurde diskutiert und geplant, im Juli wurde die Baugenehmigung erteilt: Inzwischen nimmt das neue Pfarrheim an der Hofkirche konkrete Formen an. Pfarrer Stefan Wingen erklärt, welche Bedeutung es für die Innenstadt hat.

Im Schatten der Hofkirche hin zum Amtsgericht türmt sich ein Schuttberg. Davor lehnen an Stützen meterhohe Fensterelemente. Bauarbeiter schleppen eifrig, bohren und schrauben. Wirft man den Blick um die Ecke, so kann man es bereits erkennen: Die Glasfassade, hinter der später der große Saal seinen Platz finden wird, steht bereits.

„Wir schieben uns quasi unter den Anbau des Amtsgerichts“, erläutert Pfarrer Wingen vor dem Eingang das spätere Aussehen des Projekts – ob Pfarrheim oder Pfarrsaal, da will sich der Geistliche noch nicht festlegen. Eines ist jedoch für ihn klar: Die Nutzung des Gebäudes solle offen und für verschiedenste Interessensgruppen möglich sein.

Spezielle Angebote für Studenten angedacht

Die Idee dahinter: Neben der Kirche soll das Herz des pfarrlichen Lebens schlagen, ein Ort der Begegnung, eine Anlaufstelle für Seelsorge, Kunst und Kultur geschaffen werden. Eine Belebung erhofft sich der Pfarrer auch durch die Einbindung der Hochschule, die sich gegenüber befindet. Er könne sich da spezielle Angebote für die Studenten vorstellen.

So investiere man zum einen in das kirchliche Leben, zum anderen werde dem Residenzplatz mehr Leben eingehaucht. Symbolisch für die starke Anbindung an den öffentlichen Raum und die Stadt stehen die große Glasfassade und die offene Einfahrt in den Innenhof.

Ziffernblatt der Turmuhr empfängt die Besucher

Der Zugang wird barrierefrei und ebenerdig sein. Im Foyer werde das alte Ziffernblatt der Turmuhr in den Boden eingelassen. Rechter Hand werde die Küche ihren Platz finden, die auch zum Residenzplatz hin geöffnet werden könne: Das erleichtere den Service bei Veranstaltungen auf dem Vorplatz, von denen sich der Pfarrer in Zukunft viele für ein aktives Gemeindeleben wünscht.

Das Herzstück des 250 Quadratmeter großen Pfarrheims ist der Saal hinter der Glasfassade im Pfarrhof. Er schmiegt sich direkt an die historische Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert – aus der Zeit der allerersten Bebauung der Stadt Neumarkt, sagt Wingen beinahe ehrfürchtig. Die Stadtmauer werde in den Neubau integriert und sichtbar bleiben – diese architektonische Besonderheit solle die Verbindung von Tradition und Moderne verdeutlichen, für die auch die Pfarrei der Hofkirche stehe.

„Ich träume hier von italienischem Flair“

Flexibilität zeichne den Bau aus: Der große Saal könne mit Trennelementen in drei einzelne mit 20, 25 und 45 Quadratmetern Fläche unterteilt werden und biete so die Möglichkeit, dass gleichzeitig verschiedene Gruppierungen die Einrichtung nutzen könnten. Wenn es mehr Raum brauche, könnten die Fensterelemente zum Innenhof hin geöffnet werden: „Ich träume hier von italienischem Flair“, verrät Pfarrer Wingen. Das freiliegende Fundament der Hofkirche könnte mit eingebunden werden und zum Beispiel als Sitzgelegenheit genutzt werden, schlägt er vor.

Fertiggestellt werden sollen die neuen Räumlichkeiten bis Ostern. Ursprünglich war Weihnachten ins Auge gefasst, doch konnte dieser Termin aufgrund verschiedener Verzögerungen nicht gehalten werden. Einer der Gründe war, dass das Terrain archäologisch untersucht wurde und Ausgrabungen erfolgten. Einige der über 700 Fundstücke sollen später in Vitrinen präsentiert werden. Der historische Verein werde dazu einen Vortrag anbieten, lässt der Pfarrer wissen.

Pfarrei stemmt Kosten für den Neubau

Bedeckt hält er sich bei den Kosten für das Gebäude: Sie bewegten sich im siebenstelligen Bereich, würden von der Pfarrgemeinde und durch den Verkauf des alten Pfarrheims in der Saarlandstraße gestemmt. Einen Dank richtet er an die Stadt Neumarkt für die Unterstützung des Projekts.