Stadt unterstützt Sanierung der Hofkirche und kauft Pfarrheim Saarlandstraße

Die Stadt Neumarkt unterstützt ihre Kirchen: Nicht nur die evangelische Gemeinde hat für die Sanierung der Christuskirche eine stattliche Finanzspritze erhalten. Am Montag überreiche OB Thomas Thumann einen symbolischen Scheck über 130000 Euro an Pfarrer Stefan Wingen. Und sie hat noch mehr getan.
Ausgerechnet in einer Zeit, da Tausende Menschen in Deutschland der Kirche den Rücken kehren, investierten Protestanten und Katholiken in Neumarkt Millionen in Münster, Christuskirche und Hofkirche, sagte Thumann. „Das ist ein starkes Signal der Kirchen.“
Das spiegele aber auch wieder, wo eine Zivilgesellschaft stehe, ergänzte Wingen. Ob sie bereit sei, Geld für das Wohl der Seele der Menschen auszugeben. „Der Mensch ist mehr als ein Wesen aus Fleisch und Blut.“ Das zeige sich ganz besonders rund um den Residenzplatz: Reitstadel, Hochschule, Studentenwohnungen und die Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft.
Kirchweih und Konzert in der Hofkirche am 15.Oktober
Während die Hochschule erst im Herbst 2024 eröffnet wird, steht das große Fest in der Hofkirche zum Abschluss der umfassenden Bauarbeiten am 15.Oktober im Kalender. Die Kirchweih startet mit einem festlichen Gottesdienst um 9 Uhr, den Bayerisch Blau sowie die Maierbachsängerinnen musikalisch umrahmen.
Um 17 Uhr geben Helmut Lehner und Manuela Zeitz ein Benefizkonzert mit dem Titel „Ave Maria“, das Stücke aus verschiedenen Epochen umfasst. Außerdem seien Kirchenführungen und Turmbesteigungen geplant, kündigte Wingen an. Das konkrete Programm werde gerade erstellt.
Bis dahin sind die restlichen Malerarbeiten im südlichen Kirchenschiff abgeschlossen. Ein Wasserschaden muss leider erst noch abtrocknen – aber sonst präsentiert sich die Hofkirche strahlend und mit komplette neuem Dachstuhl und saniertem Turm. Damit findet ein „Mammutprojekt“ seinen Abschluss, das rund 2,7 Millionen Euro kostet, wie der Pfarrer sagte. Immerhin handele es sich um den größten Eingriff in das Gebäude seit den 1830er Jahren. Die ersten Gutachten für die Sanierung waren bereits 2017 erstellt worden, 2020 hatten die Arbeiten begonnen.
Arbeiten, die sich lohnen, unterstrich Stefan Wingen: „Die Kirche in Neumarkt hat Zukunft.“ Sie erreichten viele Familien, viele Kinder und Jugendliche. Und Neumarkt verzeichne im Vergleich zu anderen Gemeinden deutlich weniger Kirchenaustritte. Die Kirche solle für alle Menschen ein Ort sein, um Gott zu begegnen und Halt für ihr Leben zu finden, sagte der Priester. Und die beiden Missbrauchsfälle hätten glücklicherweise auch nicht zu massiven Austritten geführt. Um das zu verhindern habe er versucht, von Anfang an offen damit umzugehen und das Gespräch zu suchen.
Wie lebendig die Gemeinde Zu Unserer Lieben Frau ist, bewiesen auch die zahlreichen Spenden, die für die Finanzierung der Bauarbeiten notwendig sind. Für den Turm, der allein rund 800000 Euro kostet, habe ein Einzelspender 25000 Euro überwiesen. Der Pfarrer freut sich darüber, wie sehr sich die Menschen mit ihrer Hofkirche identifizierten. Auch Thumann sprach von „meiner Hofkirche“, sei er dort doch jahrelang Ministrant gewesen.
Bei der Scheckübergabe bedankte sich Wingen herzlich bei Thumann und der Verwaltung für die „hervorragende“ Zusammenarbeit. Man könne offen reden und sich vertrauen. Und er machte dem Architekturbüro Distler ein großes Kompliment, das es geschafft habe, die Kostenschätzung von zunächst rund 2,4 Millionen Euro aller Widrigkeiten zum Trotz fast einzuhalten. Die Architekten realisieren auch das zweite aktuelle Großprojekt, das neue Pfarrheim hinter der Hofkirche an der Stadtmauer.
Die attraktiven Räumlichkeiten sollen künftig auch Angebote für die neuen Nachbarn bieten: die Studenten. Da sich die archäologischen Arbeiten doch etwas länger hingezogen hätten als gedacht, erfolge die Einweihung vermutlich an Ostern 2024, der Termin Weihnachten 2023 sei nicht zu halten, sagte Wingen. „Und auch dieser Termin ist recht ambitioniert.“
Altes Pfarrheim Saarlandstraße mit Thai Orchid verkauft
Da die Diözese Eichstätt – anders als bei der Kirchensanierung – den Bau des neuen Pfarrheims nicht finanziell unterstützt, hat die Gemeinde Zu Unserer Lieben Frau das Pfarrheim an der Saarlandstraße verkauft. Und zwar ganz bewusst an die Stadt Neumarkt und nicht an einen Investor, erklärte Stefan Wingen.
Denn der Kindergarten soll dort bestehen bleiben. Das Jugendheim könnte mittelfristig umziehen, doch dafür müsse noch ein konkretes Konzept erarbeitet werden. Auch das Restaurant Thai Orchid ist seit Jahren in dem Gebäudekomplex beheimatet.
Über die Pläne der Stadt für das Anwesen sei „noch nichts entschieden“, sagte Stadtpressesprecher Franz Janka auf Nachfrage. Zunächst einmal habe die Stadt das Haupt- sowie das kleinere Nebengebäude erworben. „Man wird sehen, wie es weitergeht.“

