Dunkle Erdschicht deutet auf großen Brand hin: Archäologen graben an der Hofkirche

Von Wolfgang Endlein · 4. April 2023 um 10:17

Archäologen graben derzeit im Garten der Hofkirche. Sie bereiten das Feld für das neue Pfarrheim. Was sie alles gefunden haben und wie es um den Zeitplan für das Bauprojekt steht.

Gefunden haben sie zwei Blechtöpfe. Tatsächlich sind sie jüngeren Datums und nur einer von vielen Funden. Für Laien sind diese aber meist wenig aussagekräftig – abgesehen von einem getöpferten Gefäß aus dem 16. Jahrhundert und einer kleinen zerbrochenen Christusfigur aus dem Barock.

Vor allem haben Friedrich Loré und seine Mitarbeiter der Parsberger Firma Adilo unterschiedliche Mauerreste aus verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte zutage gefördert. Über deren Hintergrund lässt sich trefflich mutmaßen. Ob darunter auch der Mathematikerturm des Pfalzgrafen Otto II. ist? Von diesem aus soll der leidenschaftliche Astronom im 15. Jahrhundert die Sterne beobachtet haben. Denkbar wäre es, aber gesichert sei nichts, erklärt Loré.

Rodeten Neumarkter für den Bau ihrer Stadt den Baugrund?

Genügend Mauerreste wären vorhanden. Möglicherweise sind darunter zwei ehemalige Brunnen. Fest steht für Loré trotz der Mauern, dass die Fläche in der Gesamtheit wohl nie gänzlich bebaut war. Zuletzt war das Grundstück zwischen Sakristei und Stadtmauer ein in Teilen sehr wilder Garten.

Gefunden haben die Archäologen die für die Neumarkter Altstadt üblichen Befunde, wie Loré sagt. Dazu zählt auch eine dunkle Schicht im Erdboden, die auf einen großen Brand hinweist. Diese bei vielen Grabungen in den vergangenen Jahren in der Innenstadt aufgetauchte Brandschicht könnte ein Hinweis auf die Anfänge Neumarkts sein. Die Hypothese sei, dass die Neumarkter für den Bau ihrer Stadt das Land brandrodeten.

Neues Pfarrheim der Hofkirche soll Ende 2023 fertig sein

Derlei ist für den Bau des neuen Pfarrheims nicht mehr nötig. Allerdings müssen zuvor die Archäologen fertig werden, wofür sie vier Wochen länger als ursprünglich geplant brauchten.

Schuld daran habe das Wetter, sagt Loré. Denn die Archäologen müssten nicht nur graben, sondern auch dokumentieren. Bei Regen sei Zeichnen und Schreiben aber schwierig.

Trotzdem ist Architekt Hans-Jürgen Distler zuversichtlich, dass das neue Pfarrheim wie geplant bis Ende des Jahres fertig sein wird. Dann soll die Pfarrei das multifunktionale Gebäude mit mehreren Versammlungsräumen beziehen, die sich dank mobiler Trennwände zu einem großen Saal für 100 Sitzplätze verwandeln lassen. .

Diese Töpfe neueren Datums sind nur zwei von vielen Funden, die die Archäologen im Garten der Neumarkter Hofkirche gemacht haben. -Foto: Endlein