Nino de Angelo zeigt im Regensburger Audimax eine reife Leistung

Der Sänger hat viele Auf und Ab erlebt: gescheiterte Ehen, Insolvenzen, Krankheiten. Mit 15 hatte er seinen ersten Plattenvertrag in der Tasche, mit knapp 60 zeigt sich der Schlagerinterpret rockig und souverän.
Das elfte und letzte Konzert seiner Tournee führt Nino de Angelo am Sonntag ins Audimax. Den Fans des knapp 60-Jährigen, der mit 15 schon seinen ersten Plattenvertrag in der Tasche hatte, war die Vorfreude ab dem ersten Ton anzumerken. Apropos Ton: Der Sound im Saal war erstklassig, wofür Technik und Band gleichermaßen verantwortlich zeichneten.
Den mehrheitlich sehr textfesten Zuhörern im gut gefüllten Rund war offenbar bewusst, dass die Tour des Deutsch-Italieners nur wenig mit Schlagertiteln aus seinen Anfangsjahren zu tun hatte. Nino de Angelo fokussierte sich bei der Auswahl auf seine jüngsten Alben: „Gesegnet und Verflucht“ (2021) war auch sein größter Erfolg seit Jahrzehnten und erreichte Platz zwei der Album-Charts sowie Gold-Status. Der Nachfolger „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (2023) verbuchte mit Chartplatz fünf ebenfalls viele Verkäufe. Fünf Musiker und zwei Backgroundstimmen sorgten für Rockkonzert-Charakter, den Gastmusikerin Sotiria noch unterstrich.
Er scheint mit sich im Reinen
Nino de Angelo war gut drauf und kündigte seine Songs selbstironisch und reflektiert an, unter anderem mit dem Mutmach-Song „Land in Sicht“. „Manche bezeichnen mich als genial, mache als bescheuert“, sagte er. „Ich bin lieber genial, aber auch ein bisschen bescheuert.“
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Aktuell scheint der Sänger mit sich im Reinen und unterstrich das mit dem Titel „Ich brenne fürs Leben“. Seine Biographie enthält vier gescheiterte Ehen, zwei Privatinsolvenzen, drei Krebserkrankungen, eine Milzentfernung und eine Herznotoperation. „Manche Leute kritisieren meinen ungesunden Lebensstil, aber mein System funktioniert“, sagte de Angelo mit Blick auf seine Stehaufmännchen-Qualitäten. „Ich war schon mehrfach kurz vor dem Abflug. Irgendwann musst Du wieder anfangen, Dich selbst zu lieben. Dann schaffst Du es auch“, sagte er vor dem Titel „Mein Kryptonit“. Kraft sollte auch der Song „Helden“ spenden. De Angelo hat ihn seinem Freund Sascha gewidmet, der ein Bein verloren hatte und im Audimax anwesend war. Anschließend erbat sich der Künstler eine T-Shirt-Wechsel-Pause. Seine Abwesenheit überbrückte Sotiria, ehemals „Eisblume“, souverän; ihre zwei neuen Songs kamen gut an. Später sangen Sotiria und de Angelo ihr Erfolgsduett „Memento Mori“.
Haben wir umsonst geklebt?
De Angelo ließ durchblicken, dass er Vieles in der Welt nicht verstehe, die aktuellen Kriege etwa und mitunter auch die junge Generation. „Ich habe schon überlegt, ob ich meinen größten Hit nicht neu aufnehmen muss“, sagte er und stimmte kurz einen umformulierten Auszug an: „Dann haben wir umsonst geklebt“. Vor dem Titel „Unter Gottes Sonne“ wurde er wieder ernst und bat: „Lasst uns diese Erde gut behandeln.“
Mit Blick auf seine Achterbahn-Karriere („Von unten nach ganz oben, dann wieder ganz runter, einige Wellen und jetzt wieder oben“) dankte Nino de Angelo innig dem „edlen und anständigen Publikum“, das ihn auf der ganzen Tournee begleitete und das seine Vorfreude auf die Fortsetzung 2024 „riesengroß machte“.
Mit pfiffigem Intro schlich sich dann doch noch „Jenseits von Eden“, sein Megahit von 1983, in neuem Gewand ins Programm. Das begeisterte Publikum sang mit, wurde zum imposanten Chor. Am Ende erhielten Nino de Angelo und Band Standing Ovations und zum Abschied auch noch zahlreiche Geschenke von Fans.