Während sich Mühlhausen und Sengenthal streiten, werden die Supermarkt-Pläne in Berching konkret

Mühlhausens Bürgermeister Martin Hundsdorfer wehrt sich gegen die Kritik seines Sengenthaler Amtskollegen Werner Brandenburger am geplanten Einzelhandelszentrum. Derweil gibt Berchings Rathauschef Ludwig Eisenreich neue Details zu einem Edeka-Markt in Pollanten preis.
Entsetzt sei er über die im Sengenthaler Gemeinderat geäußerte Kritik am geplanten Einzelhandelszentrum gewesen, sagt Martin Hundsdorfer. Er sei enttäuscht darüber, dass Brandenburger nicht im Vorfeld mit ihm über seine Ablehnung gesprochen habe. Darüber hinaus sei es wohl ein einmaliger Vorgang im Landkreis, dass eine Gemeinde – wie es Sengenthal angekündigt habe – rechtlich gegen einen Nachbarn vorgehen wolle.
Mühlhausen habe vor einigen Jahren keine Einwände erhoben, als am Sengenthaler Ortsrand ein Einzelhandelszentrum mit einer Norma gebaut worden sei, sagte Hundsdorfer. Dass dies nun – wie im Gemeinderat besprochen – existenzbedroht sein könnte, glaubt Hundsdorfer nicht. Brandenburger hatte sich bei seiner Kritik auf ein von Edeka in Auftrag gegebenes Gutachten der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) bezogen. Edeka, das selbst einen Markt in Mühlhausens Ortsmitte hat, kritisiert das neue Projekt.
Hundsdorfer ist davon unbeeindruckt. Er wolle sich nur das an Kaufkraft nach Mühlhausen zurückholen, was durch den Neubau in Sengenthal aus Mühlhausen abgezogen worden sei. Zudem werde eine Lücke geschlossen, die nach den Schließungen zweier Getränkemärkte und des Schleckermarktes vor einigen Jahren entstanden sei.
Dass, wie von Bürgermeister Brandenburger dargestellt, nur 20 Personen im näheren Umkreis des neuen Zentrums liegen sollen, weist Hundsdorfer zurück. Nach einem im Auftrag des Mühlhausener Investors, der Bäckerei-Familie Plank, erstellten Gutachtens der Münchener BBE Handelsberatung GmbH befänden sich mehr als 600 Personen im näheren Einzugsgebiet. Die Märkte seien sowohl fußläufig als auch mit dem Auto oder dem Fahrrad gut zu erreichen.
Streit der Gutachten um das geplante Einzelhandelszentrum in Mühlhausen
Dass Sengenthal Mühlhausen vorwirft, sich nicht an raumordnerische Vorgaben nach dem Landesentwicklungsplan (LEP) zu halten, hält Hundsdorfer für unredlich. Auch Sengenthal habe sich bei der Dimensionierung seines Einzelhandelszentrums damals nicht an die Anforderungen des LEP gehalten. Und dass sich Sengenthal nur auf das Gutachten von GMA stütze, sei einseitig, meint Hundsdorfer. Hier hakt Brandenburger ein.
Wie er erklärt, habe er genau das bei einem gemeinsamen Termin von Hundsdorfer gefordert: Einsicht in das BBEGutachten zu bekommen, auf das sich Mühlhausen stützt. Doch dieser Bitte sei Hundsdorfer nicht nachgekommen. Daher habe er auch keinen weiteren Gesprächsbedarf gesehen und sich im Gemeinderat auf das Gutachten gestützt, das ihm zur Verfügung gestanden habe. Die GMA bewertet darin den Bau eines Einzelhandelszentrums in Mühlhausen kritisch. Die BBE kommt zu einem anderen Schluss. Es ist ein Gutachterstreit.
Die Behauptung, dass Sengenthal rechtlich gegen den Bau vorgehen wolle, ist laut Brandenburger nicht richtig. Der Gemeinderat habe bisher beschlossen, im Zuge der Bauleitplanung eine ablehnende Stellungnahme abzugeben. Ein völlig normaler Vorgang, wie Brandenburger findet. Rechtlich gegen den Bau vorzugehen, wäre erst dann möglich, wenn es einen entsprechenden Bescheid dazu gebe. Darüber werde jedoch gesondert beraten, wie er ankündigt.
Während die Bürgermeister in Mühlhausen und Sengenthal Gesprächsbedarf haben, arbeiten Edeka Süd und die Stadt Berching daran, einen neuen Edeka-Markt in Pollanten zu verwirklichen.
Bürgermeister Ludwig Eisenreich teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass ein Investor einen Antrag auf Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Errichtung eines Edeka-Marktes bei der Stadt eingereicht habe.
Die Pressestelle von Edeka Südbayern bestätigt, dass das Unternehmen gemeinsam mit dem Vermieter einen Edeka-Markt mit Vollsortiment und integriertem Bäcker im Vorkassenbereich errichten wolle. „Unsere Planungen dazu stellen wir in der nächsten Stadtratssitzung in Berching vor“, schreibt Edeka weiter.
Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich sieht Platz und Bedarf für einen Edeka-Markt
Am 24. Oktober findet diese statt. Eisenreich: „Stimmt der Stadtrat zu, kann das Bauleitverfahren eingeleitet werden“.
Denn im Zuge des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK), das 2012 fertiggestellt worden ist, habe ein Büro aus München festgestellt, dass die Ansiedlung eines weiteren Supermarkts in Berching zu befürworten sei, um die unterdurchschnittliche Verkaufsflächenausstattung zu steigern, sagt Eisenreich. Aktuell versorgen je ein Netto und ein Rewe die Berchinger.
„Unser Bestreben ist es, dass unsere Bürger nah versorgt werden“, sagt Eisenreich zum Edeka-Markt. Der Standort an der B299 in Pollanten sei optimal. Nicht nur die zwei größten Ortsteile (Pollanten und Erasbach) würden laut Eisenreich profitieren, sondern auch der Kernort und Pendler.
Edeka plant, den neuen Markt auf einem Grundstück zu bauen, das zwischen Hauptstraße in Pollanten und der Bundesstraße liegt, direkt am Kreisverkehr in Pollanten. Aktuell lassen es sich dort Esel und Pferde gut gehen.
Teile des Areals bereits an einen Investor verkauft
Der private Grundstückseigentümer hat nach eigenen Angaben einen Teil seines Areals bereits an einen Investor verkauft. „Es handelt sich um einen aufschiebend bedingten Kaufvertrag“, sagt er. Das heißt: Das Grundstück geht nur an den Investor, wenn der Markt auch genehmigt und gebaut wird. Investor Walter Gehring von der Fortis ImmoInvest GmbH & Co. KG will sich zu den Details des Vertrags nicht äußern. Er bestätigt aber, dass der Kaufvertrag mit dem Eigentümer notariell abgeschlossen sei. Zudem bestehe bereits ein Mietvertrag mit Edeka.
Nachdem der Grundstückseigentümer etwa die Hälfte seiner Fläche an den Investor verkauft hat, arbeitet er zudem daran, auch den zweiten Teil zu verkaufen. Er inserierte jüngst in unserer Zeitung: „Grundstück, 8500 Quadratmeter, Nähe Berching zu verkaufen, ideal für Discounter oder Drogerie“. Es gebe Interessenten, sagt er. Verkauft sei aber noch nichts.
Ein Discounter neben Edeka sei in Pollanten derzeit nicht geplant, sagt Eisenreich. „Fakt ist, dass wir einen Antrag für einen Edeka mit integriertem Backshop haben“, betont er. Von Aldi oder einer Drogerie sei aktuell nicht die Rede.