Für Kinder, Senioren und Modellbauer: „Bockerl fahr zua!“ zeigt in Mainburg ein Stück Heimatgeschichte

Maulwürfe strecken neugierig ihre Köpfe aus dem Erdreich, Hühner picken auf Knopfdruck ihr Futter auf. Ein paar Meter weiter brennt eine Scheune. In diesen Tagen beginnt in Mainburg eine Ausstellung, die sowohl Eisenbahnfans, Modellbauern, älteren Menschen als auch den Jüngeren ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte.
Der Verein „Bockerl fahr zua!“ hat mit viel Liebe fürs Detail, die Strecke der Bockerlbahn zwischen Mainburg bis Wolnzach nachgebaut. Die Gäste sehen hier nicht nur den alten Bahnhof in Mainburg oder die Barth & Sohn- Hopfenhallen, sie sehen auch Hopfengärten im Frühjahr, im Sommer oder im Herbst. Sie sehen Feste, einen Brand oder auch den Abtransport von Betonit auf Schiene, und damit ein Stückchen Industriegeschichte der Hallertau.
Anhand von historischen Bildern haben Manfred Lohr und seine Vereinsfreunde, darunter auch ein Siegenburger und ein Mainburger, ein möglichst identisches Bild von der Hallertau, wie sie in den Nachkriegsjahren gewesen ist, nachgebaut. Dafür begaben sie sich auf die große Suche, befragten Zeitzeugen, sammelten alte Fotos ein. Auch allerhand Anekdoten fielen dabei ab. In ihrer Ausstellung in der Stadthalle Mainburg fließt all das mit ein.
Zeitreise im Modell
So manchen Gast wird die Ausstellung in einen andere Welt, rund ein halbes Jahrhundert zurückversetzen. Zurück in die Zeit reiste auch Lohr, eines der vier Bockerl-Vereinsmitglieder, der schon als Kind gerne mit der Modelleisenbahn gespielt hat. Er hat beispielsweise maßstabsgetreu seine alte Schule in Rundelzhausen nachgebaut, sogar mit Interieur und Beleuchtung.
Für die vier Enthusiasten ist keine Mühe zu viel. Wert legen sie aufs kleinste Detail. Aberhunderte von Stunden investieren Lohr und seine Vereinskollegen in ihr Hobby. „Die kleinen Hopfensäcke beispielsweise, die haben wir von einer Berliner Modellbaufirma bedrucken lassen“, erzählt Lohr.
Dem Betrachter eröffnen sich immer wieder neue Details: Ein Fahrradfahrer bewegt sich auf Knopfdruck auf dem echt anmutenden Straßenbelag aus Graphit, aus den klitzekleinen Maulwurfshügeln schieben sich Köpfe, Hühner picken auf Knopfdruck, eine Scheune raucht. Holzstöße wurden in mühevoller Kleinarbeit hergestellt, damit sie möglichst realistisch aussehen, ebenso die Bäume.
Gleise wurden anhand von Luftbildern nachgebaut, in detailgetreuer Höhe und Winkel zum Gleis. Informationen dazu holten sich die vier nicht nur von alten Bildern, sondern auch aus dem Bayernatlas. Für die möglichst authentische Optik wurden die Modellzüge mit einer speziellen Technik auf alt getrimmt.
Die Modelle orientieren sich auch an Originalaufnahmen. „Wir haben in unserem Archiv mittlerweile 10.000 historische Bilder, immer wieder sind wir auf Leute zugegangen, haben gefragt und anhand von Plänen und Erinnerungen die Modelle gebaut.“ Und zwar aus Stahlblech und Kunststoffplanken.
Mainburg war die Endstation der Bockerlbahn. Bis 1995 war der Bahnhof noch in Betrieb. Die Bockerlbahn, die mag nicht die schnellste gewesen sein, aber für viele ältere Menschen ist sie auch ein Stück Heimatgeschichte. „Viele verbinden damit Erlebnisse“, weiß Lohr, „mit dem 3-D-Modell kann man die Leute so abholen, dass sie fasziniert sind von der eigenen Heimat“, ist Lohr überzeugt. „Man kann schauen, schauen, schauen und entdeckt immer wieder etwas Neues.“ Die Ausstellung besteht aus 81 einzelnen Modulen, „zwei Tage lang haben wir aufgebaut“.
Ergänzt wird die Ausstellung durch alte Luftbilder, „die Negative haben wir als Verein selbst gekauft“, vielen Anekdoten und anderen Infotafeln. Ein Stück Geschichte sind auch die Verzeichnisse von Hopfenbauern aus dem Jahr 1951: „Nur 625 Stöcke hatte da ein Hopfenbauer. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt Lohr.
Bockende Dampflok
Aber warum heißt es eigentlich „Bockerl“? „Weil das Bockerl, die Lok, gerne mal an den steileren Stücken der Hallertau hängen geblieben ist. Die Dampflok hat also gebockt“, erzählt Lohr. Als die vier bei „bester Bierlaune“, dann nach einem geeigneten Namen für ihr Hobby suchten, kamen sie auf den Schlachtruf „Bockerl fahr zua!“, daraus wurde dann später ihr Vereinsname.
Ganz verwaist ist das alte Gleistbett im Übrigen nicht. Ein Teil der Strecke wird noch genutzt, zwar nicht mehr für das Bockerl und auch nicht zum Transport von Personen, sondern für die Industrie. Zwischen Rohrbach und Wolnzach nutzt beispielsweise das Unternehmen Altmann die Strecke, zwischen Langenbach und Angelberg profitiert ein Kohlekraftwerk davon und die Strecke zwischen dem Bahnhof Enzelhausen und Rudelzhausen ist in Privatbesitz.



