Ein rätselhafter Silberfund aus Heiligenstadt

Von Wolfgang Abeltshauser · 11. Oktober 2023 um 11:00

Einen nicht alltäglicher Termin gab es jetzt im Storchenwirt. Stadtarchivar Matthias Pöppel erhielt ein besonderes Geschenk auf Zeit. Es wird Inhalt einer Ausstellung in Neustadt sein, die im Kulturhaus am 23. Oktober eröffnet wird.

Pöppel ist begeistert: „Münzen aus Edelmetall findet man nicht alle Tage“, freut er sich. Eine Heiligenstädterin brachte ihm 313 Silbermünzen. Sie sollen bei der Ausstellung präsentiert und in ihren historischen Kontext gestellt werden. Danach gehen sie wieder an die Eigentümerin zurück. Pöppels Vorgänger Anton Metzger kann sich nicht erinnern, dass es im Raum Neustadts jemals solch einen Fund gegeben hat.

Bereits 2015 fand ein Ehepaar in Heiligenstadt bei Erdarbeiten auf dem eigenen Grundstück den Schatz. Wahrscheinlich wurden diese einst in einem Tontopf in der Erde verwahrt, denn gemeinsam mit den Münzen kamen Tonscherben zum Vorschein.

„Zunächst haben wir gedacht, dass es Hopfenplättchen sind“, erzählt die Finderin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, der Mittelbayerischen. Darunter versteht man Marken aus Eisen, die Hopfenzupfer früher erhielten, um die Menge des gezupften Hopfens feststellen zu können.

Erst einmal in die Werkstatt

Der Fund wanderte erst einmal in die Werkstatt des Ehepaars. Doch man war sich in Heiligenstadt nicht sicher, recherchierte im Internet. Dem Ehepaar schwante, dass es sich doch um etwas Wertvolleres handeln könnte.

Nach mehreren Jahren gab es schließlich einen Anruf in Kelheim beim Kreisarchäologen, der einen Münzexperten zurate zog. Das Ergebnis der Untersuchungen war: Es handelt sich um zwei Typen Regensburger Pfennige, jeweils in mehreren Varianten. Im Mittelalter erhielten Städte das Recht, eigenes Münzgeld prägen zu lassen.

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Die Prägungen stammen alle aus dem 13. Jahrhundert, dem Jahrhundert also, in dem Neustadt gegründet wurde. Zeitlich fallen sie in die Regierungszeit von Herzog Otto II. (1231-1253), Bischof Siegfried (1227-1246) und Bischof Albert I. (1246-1259). Das ergab die Auswertung, die der Mittelbayerischen Zeitung vorliegt.

Geheimnis noch nicht gelüftet

Mit diesem Wissen griff die Finderin erneut zum Telefonhörer, rief Pöppel an. Und so kann der den Fund bald präsentieren – ohne jedoch das Geheimnis der Münzen schon vollständig ergründet zu haben. Noch weiß niemand, warum die Münzen vergraben wurden. Metzger kann sich einen Zusammenhang mit der Zollstation vorstellen, die bei Heiligenstadt nachgewiesen ist. In Pöppels Augen könnte diese Spur durchaus die richtige sein. Jedoch wären weitere historische Forschungen notwendig, um das herauszufinden. Das wiederum sei aber nicht die Aufgabe eines Stadtarchivars.

Der Silberfund ist auf alle Fälle ein weiteres Streiflicht der Ortsgeschichte von Heiligenstadt. Was gut ist, den der Quellenstand zur Geschichte der Neustädter Ortsteile ist in den Augen von Pöppel nicht besonders gut.

Für Heiligenstadt sind immerhin einige Informationen vorhanden. Die bekannten Spuren gehen demnach laut den Forschungen von Metzger zurück in die Keltenzeit. Aufgedeckt wurde eine sogenannte Keltenschanze, zu der es aber kaum Unterlagen gebe. Anscheinend haben verschiedene Autoren immer wieder voneinander abgeschrieben.

Der Fundort befindet sich laut Josef Reindl zwei Kilometer südöstlich von Bad Gögging. Er beschrieb sie in der Chronik von Bad Gögging. Im Kelheimer Heimatbuch von Georg Rieger aus dem Jahr 1929 ist sie erwähnt, wobei er sich auf eine Veröffentlichung aus dem Jahr 1899 beruft.

Die Stelle der ehemaligen Schanze liegt unmittelbar nördlich der Bahnlinie Neustadt – Abensberg. Sie ist laut Metzger heute mit Bäumen und Sträuchern bewachsen und zwischen Hopfengärten eingebettet.

Die Frage der Gründung

Der Abensberger Geschichtsschreiber Johannes Turmair, genannt Aventinus, berichtet laut Pöppel in seiner Chronik, dass Heiligenstadt das ursprüngliche Neustadt sei. Der Ort soll 1272 näher zur Donau verlegt worden und aus dem ehemaligen Seligenstadt das heutige Heiligenstadt entstanden sein.

Diese These könne so aber nicht stimmen: Heiligenstadt sei sicherlich wesentlich älter: Denn für 1220 wird dort ein Zöllner Bertoldus genannt. Auch die Kirche im Ort, die laut Metzger im Kern romanisch ist, spricht für ein älteres Gründungsdatum.

Der Name kommt laut Pöppel wohl nicht von „den Heiligen“ oder „Seligen“, sondern unter Umständen vom Adelsgeschlecht der „Hahilinga“. Noch wahrscheinlicher ist in seinen Augen, dass man ursprünglich von einem von einem „heiligen Ort“ sprach, was von der Keltenschanze herrühren könnte. Denn das waren nach aktuellem Forschungsstand Kultstätten.

Die Ausstellung

Die Münzen werden vom 23. Oktober bis zum 15. November im Storchenwirt ausgestellt. Montag bis Freitag 9 bis 11:30 Uhr;

zusätzlich Montag und Donnerstag 16 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr.