Historiker Georg Köglmeier besucht seinen alten Wirkungsort

Von Wolfgang Abeltshauser · 10. Oktober 2023 um 11:00

Die Neustädter Stadtgeschichte begleitet den Historiker Georg Köglmeier sein ganzes Berufsleben. Dabei macht er die Stadt über ihre Grenzen hinaus bekannt. Da überrascht es nicht, dass er seinen Beitrag zum Stadtjubiläum leisten darf.

Mit den Vorarbeiten dazu hat der aus Bad Abbach stammende 59-Jährige vor mehr als 30 Jahren begonnen. Am Freitag, 13. Oktober, hält Köglmeier im Storchenwirt einen Vortrag über die Zeit des 30-jährigen Krieges in Neustadt. Für ihn ist das so etwas wie eine Reise zurück in die Zeit, als er sich beruflich die ersten Sporen verdiente. Gerade, als er im Jahr 1990 seine Magisterprüfung erfolgreich absolviert hatte, erreichte ein Auftrag den Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte der Universität in Regensburg.

Die Kommune Neustadt wollte seine Stadtgeschichte wissenschaftlich aufgearbeitet und in einem Buch abgedruckt auf den Tisch gelegt bekommen. Köglmeiers damaliger Professor meinte es wohl gut mit ihm – und schlug vor, er solle doch diesen Auftrag übernehmen.

Er überlegte nicht lange, denn zu derzeit noch ohne Anstellung war das eine erste Gelegenheit, im eigenen Fach Geld zu verdienen. Außerdem: „Das ist ja eine Arbeit, wie sie einem Historiker Spaß macht“, stellt der 59-Jährige im Gespräch mit der Mittelbayerischen fest. Er vergrub sich richtiggehend ins Neustädter Stadtarchiv, das in seinen Augen ein wahrer Schatz ist. Neustädter Stadtarchiv ist eine tolle FundgrubeSo sind dort Ratsprotokolle ab dem 16. Jahrhundert lückenlos aufgeführt. Das gebe es bei Weitem nicht immer.

Das Neustädter Archiv sei eine tolle Fundgrube

Köglmeier ist sich sicher, dass das auch der guten Arbeit von Anton Metzger, der viele Jahre lang das Stadtarchiv unter seinen Fittichen hatte, zu verdanken ist, dass dies gut sortiert sei. Und sein Nachfolger Matthias Pöppel habe sich das nicht geändert. Schnell war klar, dass ein einziges Buch nicht ausreichen werde, weil die vorhandenen Quellen schlichtweg zu umfangreich waren.

Ein erster Band bis zum Jahr 1800 erschien im Jahr 1994. Danach war für Köglmeier allerdings Schluss – den zweiten Band veröffentlichte schließlich Josef Scheugenpflug 2004. Denn Köglmeier hatte schlichtweg keine Zeit mehr. Erst musste er seine Promotion stemmen – danach erhielt er sofort eine Anstellung an der Universität.

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Mittlerweile ist er Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte. Köglmeier will nicht ausschließen, dass seine Stadtgeschichte über Neustadt bis zum Jahr 1800 seine Eintrittskarte für eine akademische Laufbahn war. Er habe sicherlich zeigen können, dass er die wissenschaftliche Arbeit beherrscht.

Längst hat Köglmeier dafür gesorgt, dass Neustadt in Studenten- und Historikerkreisen bekannt geworden ist. Denn früh hat er beschlossen, dass die Arbeit im Neustädter Rathauskeller, wo das Archiv untergebracht war, nicht nur für ihn lohnen solle.

Beispiele aus der Neustädter Stadtgeschichte baue er immer wieder bei Lehrveranstaltungen an der Universität ein. Da kommt das eine oder andere Stück aus dem Archiv zu Ehren. Was schon dabei beginne, dass Köglmeier seinen Studenten Kopien alter Schriftstücke vorlegt. Es gehöre zur Ausbildung eines Historikers, solche alte Schriften lesen zu lernen, was mit den Neustädter Beispielen möglich ist.

Der Kontakt riss nie ab

Aber auch der persönliche Kontakt zu Neustadt war nie abgerissen. So habe er vor einiger Zeit auf Anfrage einer Grundschullehrerin mit deren Klasse das Stadtarchiv besucht. Den Besuch habe Metzger als Stadtarchivar begleitet und betreut. Außerdem habe ihm Metzger immer wieder mit Quellen aus dem Stadtarchiv geholfen, wenn er diese für Vorträge benötigt habe – auch für frühere Vorträge über den 30-jährigen Krieg. „Ich konnte Archivalien fotografieren und im Vortrag präsentieren.“

Und vor nicht allzu langer Zeit gab es dann ein Telefongespräch mit Bürgermeister Thomas Memmel. Dabei sei es eigentlich darum gegangen, dass seine Stadtgeschichte digitalisiert werden soll. Das findet Köglmeier im Übrigen sehr gut, weil Interessierte so einfach an die Informationen kommen können. Das Gespräch der beiden streifte schließlich die Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum. Die Idee, dass Köglmeier daran teilnehmen sollte, entstand. Am Freitag ist es jetzt so weit.

Das erwartet die Neustädter beim Vortrag

„Das ist einfach ein interessantes Thema“, befindet Georg Köglmeier mit Blick auf den 30-jährigen Krieg. Deshalb habe er sich für diese Zeitepoche entschieden. Denn man könne gut darstellen, wie die Kämpfe und die unruhigen Zeiten sich auf das Leben der Menschen ausgewirkt haben. Und im Neustädter Stadtarchiv gebe es einiges dazu.

Bis in kleine Details will der Historiker seinen Zuhörern die Situation der Menschen damals näherbringen. So gibt es Unterlagen über einen Prozess gegen eine Frau, die von Soldaten vergewaltigt wurde. Sie kam vor Gericht, weil sexueller Verkehr mit einem anderen Mann auch in dem Fall damals zu Strafen führte. Zu Sprache könnte auch der Begriff Brandschatzen. Den kennt man wohl auch heute noch – wohl ohne zu wissen, was er wirklich bedeutet. Handwerkern und Gewerbetreibenden wurde laut Köglmeier Schaden angedroht, sollten sie nicht bestimmte Zahlungen leisten. Heute würde man das Schutzgelderpressungen nennen.

Beginn ist um 19 Uhr im Storchenwirt. Eintritt muss keiner bezahlt werden. Rund 45 Minuten werde der Vortrag dauern. Länger sollte es nach Köglmeiers Worten nicht sein, sonst lasse die Aufmerksamkeit nach. Berichten will er dabei auch über die Hintergründe dieses großen europäischen Krieges. Fragen dürften jederzeit gestellt werden.

Das Neustädter Stadtarchiv ist für Georg Köglmeier eine wichtige Quellensammlung. Foto: Köglmeier
Die alten Schriftstücke sind nicht einfach zu lesen. Foto: Köglmeier