Bürger wehren sich gegen Windräder bei Mitterauerbach: Initiative informiert über Pläne

Über das Für und Wider von Windrädern wird vielerorts kontrovers diskutiert. Mehrere hundert Bürgerinitiativen (BI) gegen die Windkraft gibt es in ganz Deutschland. Nun ist eine weitere hinzugekommen: die BI Windkraftfreie Heimat in Neunburg.
Ende September wurde die Protestgruppe gegründet, wie Initiator Thomas Beer erklärt. Sie umfasst aktuell etwa 30Mitstreiter, die aus Mitterauerbach, Beers Heimatort, aber auch anderen Orten in der Umgebung stammen.
Am Montagabend fand die erste Infoveranstaltung der BI im Aiherlhof in Mitterauerbach statt. Der Einladung waren rund 150 Leute gefolgt. Eine Reihe von ihnen kam nicht aus der näheren Umgebung – was an den Autokennzeichen zu erkennen war. „Ich habe viele Bürger nicht gekannt“, meinte denn auch Neunburgs zweite Bürgermeisterin Margit Reichl (CSU), die als Vertreterin der Stadt gekommen war.
Für die BI-Vertreter war der Umstand, dass ein Teil der Anwesenden von dem geplanten Windpark bei Mitterauerbach gar nicht betroffen ist, nicht entscheidend. Ihre Powerpoint-Präsentation konzentrierte sich größtenteils auf die negativen Auswirkungen der Windkraft, die so bei jeder x-beliebigen Anlage in Deutschland auftreten können. Angefangen beim Schlagschatten über den Lärm und die Feinstaubbelastung bis hin zum Infraschall.
Hartnäckiger Zwischenrufer
Gastredner Martin Abel aus Schwandorf führte für jede negative Auswirkung verschiedene Quellen an und forderte die Anwesenden wiederholt auf, diese Angaben nachzuprüfen. Denn unter den Zuhörern gab es auch Befürworter der Windkraft, die Abel vorwarfen, falsche Argumente anzubringen. Einer dieser Befürworter war besonders hartnäckig mit seinen Zwischenfragen und -rufen. Abel ließ sich von ihm aber nicht aus dem Konzept bringen, sondern empfahl ihm, doch einen Vortrag über die Vorteile der Windkraft zu halten. „Von mir werden sie die nicht hören, da bin ich ehrlich“, sagte Martin Abel.
Abel, der als Heilpraktiker für Psychotherapie tätig ist, gründete vor knapp zehn Jahren die Bürgerinitiative Rottendorf, deren Sprecher er war. Er und seine damaligen Mitstreiter verhinderten nach eigener Aussage den Bau von Windrädern in der Nähe des Niedermuracher Ortsteils.
Rund 60 Bürger unterschreiben
Dass keine Windkraftanlagen bei Mitterauerbach errichtet werden, will auch Thomas Beer mit der BI erreichen. Dafür startete er am Montag auch eine Unterschriftenaktion. Rund 60 Bürger trugen sich an dem Abend in die ausliegenden Listen ein.
Wie Beer den Anwesenden erklärte, sei zwischen Mitterauerbach und Wundsheim der Bau von mindestens vier Anlagen mit einer Höhe von je 250Metern geplant. „Die Fläche gibt mehr her“, zeigte er sich überzeugt. Richard Winderl von der Wind 18 GmbH bestätigte gegenüber der MZ, dass auf dem rund 80 Hektar großen Areal grundsätzlich drei bis vier Anlagen möglich seien. Die Wind 18 GmbH ist als Investor des Windparks bei Mitterauerbach im Gespräch.
Um die vorgesehene Dimension der Windräder optisch besser zu verdeutlichen, führte Thomas Beer die auf der Fläche stehenden Bäume an, die etwa 40 Meter hoch sind, sowie den Sendemasten bei Wundsheim mit einer Höhe von 70 Metern. Die Windräder würden sie also um das Mehrfache überragen.
Die Wind 18 GmbH führt weiterhin Gespräche mit den Grundstückseigentümern, wie Winderl auf Nachfrage erklärte. Thomas Beer meinte am Montag fest überzeugt, dass die Eigentümer angesichts der angebotenen Summen nicht abgeneigt seien.
Bei der Infoveranstaltung wiederholte der BI-Initiator den Vorwurf, dass von der Stadt Neunburg nicht über das Projekt informiert werde. Mehrfach seien die Vertreter der Stadt in Mitterauerbach gewesen, ohne das Vorhaben anzusprechen, kritisierte Beer.
Gespräch mit Krandorfern
Die Infoveranstaltung in Kemnath bei Fuhrn im Mai sei nur an der Anschlagtafel bekannt gegeben worden, so Beer. Margit Reichl entgegnete dem Vorwurf, dass die Stadt durchaus umfassender informiert habe. „Wir haben keinen Grund, etwas zu verheimlichen. In Penting haben wir alles mit den Bürgern besprochen, warum sollten wir es hier anders machen“, meinte sie.
Im Nachgang erklärte sie, dass es mehr Veranstaltungen geben müsse. Vor allem mit den Krandorfern, deren Ort mit gut 750 Metern den geringsten Abstand zum geplanten Windpark hat, müsse mal geredet werden, so die zweite Bürgermeisterin. Aktuell gebe es aber noch nichts, über das man informieren könne. Wenn etwas Konkretes feststehe, werde dies den Bürgern mitgeteilt.
Auch Bürgermeister Martin Birner (CSU) sieht momentan keine Veranlassung, weitere Infoversammlungen anzusetzen. Er wolle nach der Meldung der Potenzialfläche erst einmal die Vorprüfung der Regierung der Oberpfalz abwarten. Auch die Fortschreibung der Regionalpläne müsse aus seiner Sicht abgewartet werden. Es gebe deshalb im Moment keinen Druck, sich für einen Investor zu entscheiden und mit diesem eine Vereinbarung abzuschließen.