Investor hat Interesse: Stehen bei Kemnath bei Fuhrn bald mehrere Windräder?

Das Thema Windkraft bewegt die Bürger: Das wurde beim Infoabend am Mittwoch in Kemnath bei Fuhrn deutlich. Rund 20 Einwohner hatten sich in der Schiessl-Tafferne eingefunden, um sich über die Pläne der Stadt Neunburg zu informieren.
Vor Kurzem beschloss der Stadtrat mehrheitlich, ein 48Hektar großes Areal nordwestlich von Wundsheim als Potenzialfläche weiterzumelden. Der Regionale Planungsverband Oberpfalz Nord hatte zuvor die Kommunen aufgefordert, entsprechende Flächen in ihrem Gebiet zu benennen. Gemeldet werden sollen 1,1 Prozent der Gemeindefläche bis 2027 und bis 2032 dann 1,8 Prozent. Für Neunburg wären das rund 121 beziehungsweise 198 Hektar.
Schwierig, Flächen auszuweisen
Für die Stadt sei es grundsätzlich schwierig, ausreichend Flächen für Windenergiegebiete bereitstellen zu können, hieß es in der Ratssitzung.
Der Planungsverband hatte in einer Potenzialkarte eine Fläche im Taubenwiesbachtal, ein gemeindeübergreifendes Gelände in Richtung Schwarzach und Schwarzhofen sowie das Areal bei Wundsheim hervorgehoben. Die Fläche im Taubenwiesbachtal sieht der Stadtrat als ungeeignet, da es dort zu viele Hindernisse mit Arten-, Natur- und Immissionsschutz sowie der Naherholung gebe.
Mit den Nachbargemeinden Schwarzach, Altendorf, Schwarzhofen und Thanstein gab es daneben Gespräche bezüglich der gemeindeübergreifenden Potenzialfläche. Dabei habe es Zurückhaltung für eine interkommunale Fläche gegeben, erklärte Bürgermeister Martin Birner (CSU).
Zielmarke deutlich verfehlt
So blieb als einzige Fläche das Areal bei Wundsheim übrig. Mit dessen Größe von 48Hektar verfehlt die Stadt Neunburg die geforderte Zielmarke von 121 Hektar deutlich. „Der Planungsverband könnte auch Flächen ausweisen, welche die Gemeinde nicht will. So ehrlich muss man sein“, machte Birner den Stadträten deutlich. Es bringe also nichts, das Thema auszusitzen und einfach keine Flächen zu melden.
Es sei ihm wichtig, dass es keine „Verspargelung“ gebe, betonte der Bürgermeister. Gleichzeitig wolle die Stadt das Heft des Handels solange in der Hand behalten, so lange es noch möglich sei. Bis 2024 könnten die Gemeinden noch eingreifen, erklärte Birner. „Ich hoffe, dass wir nicht zu spät dran sind“, meinte er weiter.
Viel Zeit verlieren will der Bürgermeister scheinbar nicht mehr: Den Bürgern von Kemnath bei Fuhrn stellte er gleich einen potenziellen Investor vor. Die Wind 18 GmbH aus Bayreuth würde gern die Windräder bei Neunburg errichten und betreiben.
Wertschöpfung soll vor Ort bleiben
Man wolle niemanden von außerhalb, der nur den Profit im Auge habe und alle Gewinne abschöpfe, so Birner. Wenn man schon Windkraftanlagen auf Gemeindegebiet errichte, dann solle die Wertschöpfung auch vor Ort bleiben.
Bei der Wind18GmbH ist das durchaus der Fall, denn sie bietet der Kommune und einer Bürgergenossenschaft jeweils eine Beteiligung bis zu einem Drittel an. Und das erst, wenn alle Voruntersuchungen abgeschlossen sind. Denn noch sei unklar, ob sich die ausgesuchte Fläche tatsächlich für die Errichtung von Windrädern eigne, erläuterte Richard Winderl von der Wind 18 GmbH.
Aufgrund einer ersten Besichtigung sei die Fläche als guter Windstandort eingeschätzt worden, so Winderl. Diese erste Einschätzung soll nun durch eine längere Windmessung gestützt werden.
Früherer Bergbaustandort
Vonseiten der anwesenden Bürger gab es auch Bedenken. Bei der Fläche handele es sich demnach um einen ehemaligen Bergbaustandort. Ein Großteil sei nicht nutzbar, da es noch eine Menge unterirdischer Stollen gebe, fand ein Bürger. Dass das Areal im Landschaftsschutzgebiet liegt, sei kein Hindernis mehr, wurde beim Infoabend aufgeklärt. Aufgrund der derzeit noch herrschenden Unklarheiten könne noch nicht gesagt werden, wo genau und wie viele Windräder auf der Fläche künftig stehen werden. Auf Nachfrage von SPD-Stadtrat Erich Schmid meinte Winderl aber, dass es zwei bis vier Anlagen sein könnten.
Im nächsten Schritt will die Stadt klären, wer die Grundstückseigentümer in dem ausgesuchten Areal sind und ob sie sich überhaupt bereiterklären, ihr Land zur Verfügung zu stellen. Richard Winderl hofft, dass sich sein Unternehmen bis spätestens Ende des Jahres die Grundstücke sichern könne. Einer der anwesenden Bürger erinnerte daran, dass es vor mehr als zehn Jahren schon einmal Bestrebungen gab, auf dieser Fläche Windräder zu errichten. Das Vorhaben sei dann aber im Sande verlaufen.
Mit Ergebnissen ist in einigen Monaten zu rechnen
Bereits in den nächsten Monaten soll es auch eine weitere Infoveranstaltung für die Bürger geben, kündigte Birner an. Sie ist nach der Bekanntgabe der Ergebnisse des Regionalen Planungsverbandes vorgesehen, mit denen in den nächsten Wochen zu rechnen sei, so der Bürgermeister.
Er sei kein Windkraft-Verfechter, erklärte Birner, aber heutzutage gehe es nicht mehr darum, ob Windräder im Gemeindegebiet realisiert werden, sondern wie sie gestaltet werden.