Wie Furth im Wald den Historischen Herbst bekam und was ihn so beliebt macht

Von Alexander Frimberger · 5. Oktober 2023 um 19:00

Siegi Wild, Vorsitzender des Historischen Vereins Furth im Wald, ist Stadtplaner aus Leidenschaft. Sein Herz schlägt aber auch für Bayerische Geschichte. Aus aktuellem Anlass ein Gespräch zur hochkarätig besetzten Veranstaltungsreihe „Historischer Herbst“.

Außerdem erzählt er, wie es dazu kam, wie er die aktuelle Stadtentwicklung in Teilen sieht und wann das 16. Jahrbuch des Vereins erscheint.

Der historische Herbst naht. Spannende Fachvorträge werden erwartet. Im Mittelpunkt steht Bayerns erster König Max Joseph I., der im Jahr 1806 den Thron bestiegen hat. „Es war eine spannende Zeit, in der der Bayerische Kurfürst zum König gekrönt wurde. Der Beginn eines neuen Zeitalters für Bayern, Deutschland und ganz Europa“, sagt Wild.

Vortrag gab den Ausschlag

Initiiert wurde die kleine Veranstaltungsreihe, die inzwischen bereits zum achten Mal über die Bühne geht, unter anderem von Hans-Michael Körner, Professor für Bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). „Seinen Abschlussvortrag hat er im Audimax der Stadt Furth im Wald gewidmet“, sagt Wild, der ergänzt, dass natürlich eine Delegation des Historischen Vereins zum Vortrag in die Landeshauptstadt gereist ist. „Diese Vorträge sind in den einschlägigen Kreisen ein gesellschaftliches Muss.“ Im Anschluss an den Vortrag kam man mit dem gebürtigen Eschlkamer Körner ins Gespräch. Spontan schlug der vor, in Furth im Wald einen Vortrag über die drei letzten Bayerischen Könige zu halten. „Das Angebot haben wir natürlich mit Handkuss angenommen.“ Und so war die Veranstaltungsreihe vor rund zehn Jahren aus der Taufe gehoben. „Was uns motiviert immer wieder neue hochkarätige Redner nach Furth einzuladen ist die Tatsache, dass der Historische Herbst sehr gut angenommen wird“, sagt Wild. Der Große Rathaussaal ist zumeist bis auf den letzten Platz besetzt. Als Win-win-Situation bezeichnet er auch die Gesprächsrunden nach den Vorträgen. Einerseits eine gute Gelegenheit für die Vortragenden, sich interessierten Fragen zu stellen, andererseits für das Publikum, Wissen hautnah in lockerer Runde vermittelt zu bekommen. „Da kommen stets interessante Diskussionen zu Stande“, sagt Wild.

Während der Schulzeit ist Wilds Interesse für Bayerische Geschichte erwacht. Seinen beruflichen Schwerpunkt als Architekt und Städteplaner sieht er im Bereich der Denkmalpflege. Und da hat er eine ganz klare Meinung: „Wir gehen mit den Baudenkmälern zum Teil sehr bescheiden um.“ Weiter sagt er: „Leute planen über eine Stadt hinweg, die relativ wenig Ahnung von Stadtplanung haben.“ Dazu zählt er auch das Gebäudeensemble der ehemaligen Hofer-Brauerei. Die Bausubstanz war aus seiner Sicht gut. Hier habe man ein Stück Stadt- und Gewerbegeschichte, „ein Manifest des Mittelstandes“ zerstört.

Neues Jahrbuch kommt

Dass es auch anders geht zeigt für ihn das Beispiel des Arnschwanger Wasserschlosses. Das war teilweise einsturzgefährdet und bereits für den Abriss vorgesehen. Das haben gemeinsame Bemühungen von Denkmalschutz, Politik und dem Besitzer der Immobilie verhindert und es erfolgreich saniert. „Das ist für mich ein Beleg dafür, dass man auch aus solch einem Gebäude noch etwas machen kann.“

Natürlich ist der Historische Verein Furth im Wald und Umgebung nicht untätig. Seit Jahren schon intensiviert man den Austausch mit Tschechien. „Seit zehn Jahren machen wir einmal im Jahr eine Expedition nach Böhmen.“ Auch am inzwischen 16. Jahrbuch wird gerade geschrieben. Das soll im kommenden Jahr erscheinen. „Und wir arbeiten an einem neuen Band zur Stadtgeschichte.“ Der soll sich hauptsächlich um Furths Teilorte, wie Ränkam, Grabitz, Voithenberg und Sengenbühl drehen. „Die Vorbereitungen dazu laufen.“

Historischer Herbst

Katharina Weigand,wissenschaftliche Assistentin an der Uni München und akademische Oberrätin spricht am 19. Oktober, 19.30 Uhr, im Großen Rathaussaal über einen Besuch von Max Joseph I. in der Grenzstadt Lindau im Jahre 1812. Im Anschluss daran stellt sie ihr neues Buch: „Max IV./I. Joseph. Letzter Kurfürst, erster König“ vor. Am 26. Oktober, ebenfalls um 19.30 Uhr, spricht Professor Jörg Zedler von der Universität München über die bewegte Regierungszeit des ersten Bayerischen Königs in unruhigen Zeiten.

Das Denkmal des sitzenden Königs Max Joseph am gleichnamigen Platz in München; im Hintergrund die Staatsoper Foto: dpa/Felix Hörhager