Mac P. Lorne schreibt über historische Piraten, Freibeuter und Diebe

Mac P. Lorne ist so etwas wie ein Star in der Gilde der Autoren Historischer Romane. Er lebt in Weiding, erzählt, wie er zum Schreiben kam, was ihn bis heute antreibt und was ihn mit dem Hollywood-Schauspieler George Clooney verbindet.
Ich erinnere mich an das Jahr 2011, als ich Matthias Lisse, wie der Autor im wirklichen Leben heißt, kennengelernt habe. Er hatte gerade in einem kleinen Buchverlag im Bayerischen Wald seinen ersten Band über Robin Hood und seinen Kreuzzug mit Richard Löwenherz ins heilige Land veröffentlicht und stellte den bei einer regionalen Buchmesse vor fünf Zuhörern vor. Schon damals mit Herzblut und viel historischem Hintergrundwissen.
Robin Hood geht immer
„Mich hat damals einfach geärgert, wie falsch der dritte Kreuzzug in der einschlägigen Literatur häufig dargestellt wurde. Deswegen habe ich angefangen zu schreiben“, sagt der Autor. Eher durch Zufall ist er dabei auf Robin Hood gekommen. „Der geht immer“, hat ein Freund zu ihm gesagt. Und weil er die Idee spannend fand zu beschreiben, wie der edelmütige Dieb ins Heilige Land kam, konzentrierte er sich auf seine Person. „Sonst schreiben ja immer alle nur, wie er wieder zurück in seine Heimat kommt und gegen den Sheriff von Nottingham kämpft.“ Der kleine Kreis geneigter Zuhörer wurde schnell größer. „Eigentlich wollte ich ja nur das eine Buch schreiben.“ Aber weil es so gut lief, hat ihm der Verleger einen zweiten und dritten Band abgerungen. Als dann gerade der vierte Band erschien, hatte er das, was erfolgreiche Autoren häufig beschreiben: Eine ordentliche Portion Glück. „Der Weltbildverlag hat angefragt, wollte die Bücher zunächst als e-Books mit Option auf Printausgaben herausbringen.“ Eine Woche später war der Verlag pleite. „Das ist aber bitte nicht an mir gelegen“, lacht Lisse. Des einen Leid, des anderen Freud. So traf sich eine ehemalige Spitzenkraft des Weltbildverlags mit einer Kollegin des Droemer Knaur-Verlags und empfahl den heute 66-jährigen Lisse.
„Ich habe damals gar nicht verstanden, was passiert ist.“ Er hatte seine Manuskripte zeitgleich an drei Verlage und zwei Agenturen verschickt. Alle wollten ihn sofort haben. Schließlich ist er aber bei Droemer Knaur gelandet. Was ihn als Autor Historischer Romane so begehrt macht, hat ihm eine Mitarbeiterin des Verlages erklärt: „Sie hat gesagt, das Gros der Historischen Romane wurde zu der Zeit für Frauen geschrieben.“ So ging die komplette männliche Leserschaft verloren. „Du schreibst für Männer, so holen wir die vielleicht zurück.“
Hat geklappt, das erste Buch, das er bei Droemer Knaur veröffentlicht hat, war im Jahr 2016 „Der Pirat“, die Geschichte über den Seefahrer und Freibeuter Sir Francis Drake. Inzwischen wurde die 8. Auflage veröffentlicht. Als Mac P. Lorne schreibt er über große Charaktere der Geschichte. Zuletzt über Jack Bannister, einen legendären englischen Piraten, der in der Karibik sein Unwesen getrieben hat. „Ich versuche dabei immer so nah wie möglich an den historischen Fakten zu bleiben. Letztlich erzähle ich keine Geschichten, sondern Geschichte“, sagt er. Da ist es ganz selbstverständlich, dass er die Orte, über die er schreibt, auch besucht hat. Gerade beschäftigt er sich mit dem Leben und Schaffen des legendären Admirals Lord Nelson. Zwei Bände sollen es werden, die 2024 und 2025 veröffentlich werden.
Dazu ist er von Bremerhaven mit dem Schiff in die Karibik gefahren. Fünf Wochen lang hat er sich den Seewind um die Nase wehen lassen, Wetter gespürt, Eindrücke gesammelt und Originalschauplätze besucht. Ein Jahr braucht er, um ein Buch zu schreiben. „Während ich das tue, recherchiere ich schon wieder am nächsten Werk.“ Nelson ist übrigens seine bisher größte Herausforderung. „Über den ist so viel geschrieben worden, da muss man schon ganz genau aufpassen, was man schreibt.“ Fehler verzeiht die Community da nicht. Und wie kann der Leser erkennen, was Wahrheit und was Fiktion ist? „Ich schreibe immer sehr ausführliche Nachworte, in denen das erklärt wird“, so Lisse. Häufiger ist ihm schon vorgeworfen worden, dass er keine deutschen Heroen thematisiert. Das liegt einfach daran, dass ihm keine einfallen, die es mit den beschriebenen Größen aufnehmen können. Außerdem reisen er und seine Frau, die überall mit muss, gerne.
„Wir verbinden das angenehme mit dem nützlichen.“ Und welcher Haudegen der Geschichte kommt als Nächstes dran? So genau weiß er das noch nicht. Aber es gibt da einen französischen Freibeuter, der viel im indischen Ozean unterwegs war. „Dorthin wollte ich schon lange mal reisen“, grinst Mac P. Lorne. Apropos, wie kommt er zu diesem gewöhnungsbedürftigen Pseudonym. „Mac ist mein Spitzname aus Kindertagen, P. steht für Pseudonym und Lorne ist der Chef aus der Westernserie Bonanza. Außerdem sollten meine Initialen vorkommen.“ Ausgeklügelt, so wie seine Geschichten, die ihm inzwischen sechs Literaturpreise eingebracht haben.
George Clooney und Lisse
Ach ja, was hat es denn jetzt mit George Clooney auf sich? „Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wird mein fünfbändiges Werk über Robin Hood und die Kreuzzüge als zehnstündige ungekürzte Lesung vorgestellt.“ Sprecher ist die deutsche Stimme des Hollywood Stars.
Der Autor
Matthias Lisse wurde 1957 in der ehemaligen DDR geboren und interessiert sich seit seiner Jugend für Geschichte und Literatur. Im Frühjahr 1988 gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik. Ein Jahr später folgten seine Frau und seine damals vierjährige Tochter nach. Die spektakuläre Flucht, die seiner Frau 1989 in die Botschaft von Prag gelang hat er im Buch: „Die geteilten Jahre“ unter seinem richtigen Namen veröffentlicht.
Das Ehepaar Lisse wurde in diesem Zusammenhang 2019 in die Deutsche Botschaft zum „Fest der Freiheit“ als Ehrengäste eingeladen.
