Messerangriff auf Schwangere in Schwarzenfeld vor Gericht: Angeklagte äußern sich

Von Stefanie Kraus · 4. Oktober 2023 um 19:00

Eine so voll besetzte Anklagebank sieht man selten – zumindest, wenn es sich um Verhandlung vor dem Schwandorfer Amtsgericht handelt. Gleich fünf Beschuldigte hatten sich am Mittwoch gemeinsam mit ihren Anwälten zum Prozess vor dem Schöffengericht unter der Leitung von Richterin Silvia Schatz eingefunden.

Aus Platzgründen müssen die Sitzungen im Schwurgerichtssaal des Amberger Landgerichts stattfinden. Der von der Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift beschriebene Tathergang liest sich dann auch fast wie der Plot eines fiktionalen Bandenkrimis: Mitte Oktober 2021 soll sich ein junges Paar Zugang zum Haus einer befreundeten Mutter sowie deren erwachsener Tochter verschafft und dort Bargeld in Höhe von etwa 1500 Euro entwendet haben.

Bei dem Treffen eskalierte die Situation rasant

Doch das fiel auf. Um den Sachverhalt zu klären, sollen sich die beiden Frauen, die am Mittwoch als Angeklagte vor Gericht erschienen waren, mit dem Paar auf dem Parkplatz des Hallenbads in Schwarzenfeld verabredet haben. Begleitet sollen die beiden Frauen noch von einem bekannten jungen Ehepaar sowie dem damaligen Freund der Tochter worden sein. Sie alle waren am Mittwoch ebenfalls als Beschuldigte im Gerichtssaal anwesend. Bei dem Treffen in Schwarzenfeld sei die Situation rasant eskaliert. Zunächst soll die wohl bestohlene Mutter Baseballschläger an die sie begleitenden Männer ausgegeben haben. Beim Aufeinandertreffen soll sie im Streit den Kopf der Kontrahentin mehrfach gegen die Wand der Turnhalle geschlagen haben. Diese soll dabei im fünften Monat schwanger gewesen sein.

Gleichzeitig soll die sie begleitende Bekannte die Schwangere mit einem Messer bedroht und „Gib das Geld her, sonst steche ich dich ab“ geäußert haben. Dabei soll sie außerdem Stichbewegungen in Richtung des Bauchs der Frau ausgeführt haben. Die Schwangere wurde bei dem Angriff laut Anklageschrift leicht verletzt.

Als sie sich in die angrenzende Turnhalle habe retten können, sei die mit dem Messer Bewaffnete auf den Freund der Verletzten losgegangen und habe diesen ebenfalls bedroht. Zuvor sollen ihn die bestohlene Tochter und deren Freund bereits mit Baseballschlägern bedroht und auch durch einen Schlag gegen den Kiefer verletzt haben. Staatsanwalt Sebastian Eckl legte den drei Frauen gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter Nötigung sowie den beiden Männern Beihilfe zu den genannten Straftatbeständen zur Last.

Rechtsgespräch zu Prozessbeginn blieb ohne Ergebnis

Nachdem ein durch die Verteidigung anberaumtes Rechtsgespräch ohne Ergebnis verlief, bot das Gericht den Angeklagten die Möglichkeit, sich zu den gegen sie vorgebrachten Vorwürfen zu äußern. Deren Darstellungen drifteten dann teilweise deutlich auseinander.

Als Erste kam die beschuldigte Mutter zu Wort und bezog umfassend Stellung. Dabei verstrickte sich die Frau allerdings immer wieder in Widersprüche oder korrigierte kurz zuvor getätigte Aussagen. Dabei war sie sichtlich angespannt und brach schon zu Beginn ihrer Aussage in Tränen aus. Kurzzeitig musste die Verhandlung sogar unterbrochen werden, weil die Frau sich nicht beruhigen konnte.

Laut ihrer Aussage sei das spätere Opfer die Tochter ihrer besten Freundin, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um diese kümmern könne. Sie habe sich deswegen der jungen Frau wie einer eigenen Tochter angenommen. Zum Treffen in Schwarzenfeld sei sie gefahren, um das gestohlene Geld zurückzubekommen und das Geschehene im Gespräch aus der Welt zu schaffen: „Ich wollte den beiden keinen Schaden zufügen, das sind noch Kinder“, sagte die Angeklagte. Weder habe sie den Kopf der Frau gegen die Wand geschlagen, noch Messer oder Baseballschläger verteilt. „Dass ich da überhaupt hingefahren bin, war der größte Fehler meines Lebens“, sagte sie.

Anders schilderte die Angeklagte die Tat, die beschuldigt wird, mit dem Messer hantiert zu haben. Dies sei ihr von der vermeintlich Bestohlenen ausgehändigt worden. Sie habe es zum Selbstschutz genommen, jedoch die Schwangere weder bedroht, noch verletzt. „Ich habe gedacht, dass Mutter und Tochter zum Reden hinfahren. Ich hätte nicht gedacht, dass es so eskaliert“, sagte sie. Dass die Angegriffene schwanger gewesen sei, habe sie überhaupt nur daraus geschlussfolgert, weil die Frau am Boden liegend immer wieder „Mein Baby, mein Baby“ gerufen haben soll.

Angeklagte stelle sich selbst bei der Kriminalpolizei

Nachdem sie von den Ermittlungen zum Vorfall in der Zeitung gelesen habe, habe sie sich aus eigenem Antrieb bei der Kriminalpolizei gestellt.

Die beiden Männer, die Beihilfe geleistet haben sollen, beschrieben ihre eigene Tatbeteiligung zusammenfassend als geringfügig. Man habe hauptsächlich zum Schutz der involvierten Frauen agiert, so der Tenor. Dass auch der Konsum von Betäubungsmitteln ein Rolle in dem Fall gespielt haben könnte, klang gestern zwar an, konnte jedoch am ersten Verhandlungstag nicht abschließend geklärt werden. Am Donnerstag, 5. Oktober, wird die Verhandlung mit der Beweisaufnahme fortgesetzt.