Paukenschlag in Saal: Regensburger Gruppe übernimmt das Autohaus Wiedmann

Von Beate Weigert · 4. Oktober 2023 um 15:24

Aus zwei „starken“ Wettbewerbern wird eins: Die Regensburger Jepsen-Guppe übernimmt das Autohaus Wiedmann in Saal an der Donau. So geht es für Kunden und Mitarbeiter weiter.

Seit 65 handelt die Familie Wiedmann in Saal mit Autos. Seit 35 Jahren am Standort Donaustraße. Zum Quartalswechsel haben Johann und Margit Wiedmann eine strategische Entscheidung getroffen – und stellen ihr Unternehmen unter ein größeres Dach. Aus zwei „starken Kollegen und Wettbewerbern“ wird eins.

Der Paukenschlag kam am Mittwoch per Pressemitteilung: „Die Jepsen-Autogruppe hat zum 1. Oktober 2023 die Johann Wiedmann GmbH übernommen.“ Der Familienbetrieb ist über die Kelheimer Landkreisgrenzen hinaus als Audi- und VW-Händler bekannt. Seit 2001 waren die beiden familieneigenen Betriebe räumlich getrennt. In der Donaustraße 27 und 22.

Johann Wiedmann: „Großer unter den Kleinen“

Jährlich wurden hier zuletzt an beiden Standorten laut der Pressemitteilung mehr als 2000 Fahrzeuge vertrieben – 700 Neu- und 1300 Gebrauchtwagen. Umsatz: 70 Millionen Euro; Mitarbeiter: rund 120; Im Service liefen pro Jahr rund 30.000 Werkstattstunden auf.

„Ich habe mich unter den Kleinen immer als Großer gefühlt“, umreißt Johann Wiedmann am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung die bisherige Stellung seines Betriebs in der Branche.

Doch diese steckt wie viele andere im Umbruch. Nicht erst seit Corona, seit Chip- und Halbleiterkrise. „Künftig reicht das nicht“, sagt der 59-jährige Saaler. Deshalb habe seine Familie nun eine „strategische Entscheidung“ getroffen. Die beiden Betriebe sind ab sofort Teil der Jepsen-Gruppe aus Regensburg.

Jepsen-Gruppe aus Regensburg hat acht Standorte

Diese ist damit nun an acht Standorten vertreten und wächst auf rund 500 Mitarbeiter an. Jährlich bringe es die gewachsene Gruppe künftig auf an die 9000 verkaufte Fahrzeuge. Den geplanten Jahresumsatz beziffert Jepsen mit rund 300 Millionen Euro. Die zwei Standorte in Saal ergänzten das Marktgebiet optimal, heißt es.

Bei Jepsen wie Wiedmann sieht man eine „Win-Win-Situation“. Denn der „Trend der Marktkonsolidierung wird sich nicht aufhalten lassen, der Zusammenschluss der beiden Familienunternehmen viele Synergien ermöglichen“, so Johann Wiedmann.

Die Autohersteller wollten Betriebe, die alle Konzernmarken abdeckten. So sei eine Entwicklung in größere Einheiten die logische Konsequenz. Ein weiteres Wachstum am Saaler Standort sei zudem nicht mehr möglich gewesen.

Fachkräftemangel existiere bereits heute. Mittelfristig werde durch mehr Elektrofahrzeuge wohl weniger Arbeit in den Werkstätten anfallen. Wie sich dies alles entwickle, sei aktuell aber noch nicht abzuschätzen.

„Arbeitsverträge wurden 1:1 übernommen“

In den Vertragsverhandlungen mit der Jepsen-Gruppe – mit Mehrheitsgesellschafterin Theresa Jepsen und Gesamt-Geschäftsführer Johannes Marx – sei die Zukunft der eigenen Belegschaft ein wichtiger Aspekt gewesen, betont Johann Wiedmann.

Laut dem 59-Jährigen wurden die Arbeitsverträge „1:1“ übernommen. Jepsen-Gesamtgeschäftsführer Johannes Marx sagt: „Alle Arbeitsplätze des Autohauses Wiedmann sind sicher. Beide Seiten werden viel voneinander lernen.“ Auch die „Identität Familienunternehmen“ solle bewahrt werden.

Holger Weininger ist neuer Betriebsleiter in Saal a.d. Donau

Er werde den Übergang noch bis Jahresende begleiten und vor Ort sein, sagt Johann Wiedmann. Zudem ist seit 1. Oktober der neue Saaler Betriebsleiter vor Ort. Am Montag stellte sich Holger Weininger von der Jepsen-Gruppe den Mitarbeitern vor, am Mittwoch hatte er seinen ersten Arbeitstag.

Das Autohaus Wiedmann wurde in den vergangenen Jahren vielfach als „Top Service“-Partner ausgezeichnet. Für die Kunden soll sich laut Johann Wiedmann „erst einmal nichts ändern. Er sieht die Zugehörigkeit zu einer großen Gruppe als Vorteil für die Kunden vor Ort. Sie könnten künftig neben VW und Audi auch die anderen Markenangebote nutzen (z.V. Porsche, VW-Nutzfahrzeuge). Die Ansprechpartner der Kunden blieben gleich. Vorerst werde auch der Name „Wiedmann“ außen an den Autohäusern stehen bleiben.

„Aus unternehmischer Sicht war der Zusammenschluss die richtige Entscheidung“, so Wiedmann. „Privat ist sie noch zu neu, um etwas dazu zu sagen.“

Dritte Generation

Geschäftsführung: Johann und Margit Wiedmann führten das Saaler Autohaus in dritter Generation. Der 59-Jährige kümmerte sich um Service und Vertrieb, seine Frau um kaufmännische Leitung und Personal.

Ursprung: Die Firma geht auf Großvater Josef zurück. Dieser startete 1933 in Altmannstein mit einer Schlosserei. Nach dem Krieg baute er mit Sohn Johann diese in Saal wieder auf. 1958 startete man ins Automobilgeschäft (NSU). 1970 kam Audi hinzu, 1975 VW.