Hossinger investiert elf Millionen Euro: Familienbetrieb in Roding verdoppelt Produktionsfläche

Die Entwicklung der Familienbetriebe im Rodinger Stadtgebiet (Landkreis Cham) ist beachtlich. Ein Paradebeispiel ist die whr Hossinger Kunststofftechnik GmbH.
Steht man vor dem Betriebsgebäude und dem Erweiterungsbau in der Robert-Bosch-Straße, kann man es sich kaum vorstellen, dass hier alles mal mit Bilderrahmen und Vorhangschienen begonnen hat.
„Gegründet wurde die Firma Hossinger 1925 von Wilhelm, Franz, Fritz, Heinrich und Emanuel Hossinger in Wassersuppen (CR) im Sudentenland, 1953 erfolgte der Umzug nach Roding“, erzählt Geschäftsführer Armin Hossinger. 1969 sei in die erste Spritzgussmaschine investiert worden , drei Jahre später kam ein Heizkanalsystem in Eigenentwicklung dazu. Bis 1995 waren knapp 50 Prozent der Produktion technische Teile wie Zubehör für Vorhangschienen, Heizkörperaufhängungen und Griffe für Duschtüren.
Gut gefüllte Auftragsbücher
Im Alter von 26 Jahren trat Armin Hossinger in den elterlichen Betrieb ein. Es folgte die Verdoppelung der Spitzgussfertigung und whr stieg in die Produktion medizintechnischer Teile ein. Die umfangreiche Produktpalette findet sich zum Beispiel in Dialysemaschinen, Herz-Lungen-Maschinen und in der Beatmung von Frühchen wieder. „Unser größter Kunde ist die Firma Dentsplay Sirona. Sie vertreibt weltweit Produkte aus dem Dentalbereich, und wir fertigen die kompletten Zahnarztleuchten“, sagt Hossinger.
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Für die Zuverlässigkeit und Fehlerfreiheit wurde das Mitterdorfer Familienunternehmen 2022 mit dem weltweiten „Supplier Award“ ausgezeichnet und war bei der Firma Drägerwerk GmbH unter den drei besten Lieferanten im Bereich Qualität.
Innovation wurde weiter großgeschrieben: Es folgte der Einstieg in die Mehrkomponententechnik und die Fertigung im Reinraum. 2008 standen sieben vollelektrische Spritzgussmaschinen in den Werkhallen, inzwischen sind es insgesamt 34.
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„Gut gefüllte Auftragsbücher mit einer Umsatzverdreifachung seit 2009 sowie eine ausgelastete Halle drängten 2019 die Überlegungen nach einer Erweiterung auf“, gibt Hossinger seine Gedanken preis, die bedingt durch die Corona-Pandemie zunächst auf Eis gelegt werden mussten. „Trotz drei Jahre Stagnation haben wir mit unseren Geschäftsfeldern Automative, Technische Kunststoffsysteme und Medical Devices die Pandemie sehr gut überstanden.“
Die Firma Hossinger wirbt auf ihrer Homepage mit „More than just plastics“ – „Wie aus Ideen Erfolge werden“. Im Kfz-Bau wurden zahlreiche metallische Komponenten durch leistungsfähigere Kunststoffbauteile ersetzt. „Wir produzieren Komponenten und Systemlösungen aus speziellen Kunststoffen, wie hochtemperaturbeständigen Thermoplasten, um bei den mechanischen, thermischen und chemischen Herausforderungen zu bestehen“, so Hossinger. „Unsere Leistungspalette reicht von Kunststoffteilen- und Baugruppen für Elektrotechnik über Pneumatik bis Sanitär- und Heizkörpertechnik. 70 Prozent medizinische Teile, fünf Prozent Automobilteile und 25 Prozent technische Teile für Elektrogeräte oder Infusomaten.
An moderne medizintechnische Kunststoffsysteme werden höchste Anforderungen gestellt. Fertigung und Montage – auch unter Reinraumbedingungen – sind nur eine Herausforderung. Risikomanagement und Validierungen seien Bestandteil der Verpflichtung zu Qualität und Präzision.
Im Inhouse-Werkzeugbau, derzeit wird ein Lehrling ausgebildet, entstehen hochkomplexe Spritzguss-Werkzeuge, auch für Mehrkomponenten. Bei der Verbindungstechnik kommen neben dem klassischen Ultraschallschweißen auch Vibrations- und Heizelementschweißen zum Einsatz. „Von uns entwickelte Produkte und Systemlösungen findet man auf der ganzen Welt. Nicht selten sind unsere Kunden Weltmarktführer in ihrem Bereich und fordern uns täglich aufs Neue.“
Ein Auftrag für ein chirurgisches Instrument der Aesculap AG aus Tuttlingen hat die Erweiterung der Spritzerei, die sich erneut verdoppelt, unerlässlich gemacht. In einem eigens neu geschaffenen Reinraum werde bereits in der Vorphase produziert. Die Produktionshalle umfasst 2600 Quadratmeter, das Untergeschoss für Werkzeuglager, Sozialräume und Umkleiden 900 Quadratmeter. In den Reinräumen werden künftig zehn Maschinen stehen, vier davon allein für das laparoskopische Instrument im Einsatz sein. In der Gesamtinvestition von elf Millionen Euro sind 2,3 Millionen für den Maschinenpark eingerechnet.
Großer Akt mit Risiko
Nicht nur der Bau, sondern auch die Investition in die Hightech-Spritzgießerei sei ein großer Akt mit entsprechendem Risiko, gibt Armin Hossinger zu. Er habe auch manchmal ein mulmiges Gefühl gehabt. „Doch es ist vor allem eine Investition in die Zukunft, für die engagierte 72-köpfige Belegschaft, den Standort Roding und für die Anforderungen einer sich schnell und stark ändernden Markt- und Wettbewerbslage.“
Ein Blockheizkraftwerk mit Verstromung von Gas deckt fast 45 Prozent des eigenen Energieverbrauchs. Auf dem Dach des Neubaus wird eine 200-KWp-Photovoltaikanlage implementiert, damit soll die Rate an Energieautarkie auf 70 Prozent gesteigert werden. „Klimaneutrale Produktion und Recycling werden für die Kunden immer wichtiger, somit müssen wir uns dieser Thematik stellen“, blickt Hossinger nach vorne und wird ab 2024 eine CO2-Bilanz erstellen lassen. „Es ist noch einiges zu tun“, weiß der umtriebige Geschäftsmann. Die Baufrma Guggenberger sei mehr als im Zeitplan. 2023 kann ein zweistelliges Umsatzplus verzeichnet werden, für 2024 hofft Hossinger dies halten zu können. Zum 100. Firmenjubiläum 2025 möchte er auf ein optimal aufgestelltes Unternehmen blicken können.

