Fliegerbombe legte Cham-West lahm: So lief der Entschärfungs-Einsatz

Es war am frühen Nachmittag, als die Sonde des Suchtrupps ausschlug, der die Gleisbauarbeiten in Cham-West routinemäßig begleitet. Bei allen Grabungen rund um den Bahnhof ist diese Vorsichtsmaßnahme Pflicht. Am Freitag hat sie sich ausgezahlt, aber die Folgen waren heftig.
Nach ersten Überprüfungen durch den leitenden Feuerwerker des Sprengkommandos München stellte sich heraus, dass in drei Metern Tiefe eine britische Fliegerbombe lag. Diese Bomben haben ein Gewicht von 250 Kilo und tragen 105 Kilo Explosivstoff. Weil am Kopf der Bombe eine Blindschraube statt eines Aufschlagzünders verbaut war, mussten die Sprengstoffspezialisten von einem Langzeitzünder ausgehen.
„Die Lage ist instabil“
Das lag auch nahe, weil diese Säurezünder in den anderen Bomben verbaut waren, die in den vergangenen Jahren bereits im Bereich der Gartenstraße und der Wolfgang-Schmidtbauer-Straße gefunden und entschärft worden waren.
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Bürgermeister Martin Stoiber ordnete daraufhin eine Evakuierung in dem von den Sprengmeistern angeratenen Umgriff von 300 Metern an. Davon betroffen waren rund 700 Chamer in 16 Straßen.
Die Feuerwehr unter Einsatzleitung von KBR Michael Stahl und die Polizei riegelten die Zufahrt zu diesen Straßen ab. Die Polizei wurde verstärkt durch Beamte aus den umliegenden Inspektionen und Bundespolizei unter Einsatzleitung des Chamer Inspektionsleiters Stefan Gürster.
Das BRK übernahm den Transport von medizinisch hilfsbedürftigen Personen, und Einsatzleiter Tobi Muhr organisierte zusätzlich die Versorgung von Evakuierten in der Stadthalle. Insgesamt waren rund 350 Einsatzkräfte unterwegs.
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Nach rund drei Stunden waren gegen 18 Uhr 90 Prozent aller Wohnungen geräumt. Bürgermeister Martin Stoiber hatte an die betroffenen Bürger appelliert, die Situation ernst zu nehmen und den Anordnungen der Rettungskräfte Folge zu leisten. „Wir können derzeit tatsächlich nicht sagen, ob die Bombe detoniert.“
Das bestätigte auch Landrat Franz Löffler, der in der Pressekonferenz im Landratsamt die Einschätzung der Sprengstoffspezialisten verdeutlichte. Es mache keinen Sinn, abzuwarten, weil eine Detonation der Bombe grundsätzlich jederzeit möglich sei. Durch das Freilegen der Bombe sei Sauerstoff an die Bombe gelangt. Schäden und chemische Reaktionen könnten nicht ausgeschlossen werden. Der Leitende Feuerwerker Sebastian Braun stellte fest, dass in diesen Bomben eine Ausbausperre für den Langzeitzünder eingesetzt sei und bewertete die Lage insgesamt als „instabil“. Tatsächlich bestehe die Möglichkeit, dass man nach dem Freilegen der Bombe feststelle, dass sie vor Ort gesprengt werden müsse. Das hätte eine Ausweitung der Evakuierung auf rund 1200 Personen bedeutet und eine Sprengung am Samstagmorgen.
Entschärfung ab 19.15 Uhr
Gegen 18.45 Uhr fuhr ein letztes Mal ein Lautsprecherwagen durch die betroffenen Straßenzüge und forderte eventuell verbliebene Bürger zum umgehenden Verlassen der gefährdeten Gebäude auf. Gegen 19.15 Uhr legte der Sprengmeister die Bombe frei.
Dann stellte sich heraus, dass am Ende doch noch das Glück auf der Seite der Tüchtigen war: Der Zünder erwies sich als mechanisch und konnte gegen 20.30 Uhr herausgeschraubt werden. Allerdings hatten sich aufgrund einer chemischen Reaktion Kristalle gebildet, die letztlich den Zünder mit seiner kleinen Sprengladung schlag- und stoßempfindlich machte. Dadurch war kein Transport mehr möglich und der Zünder wurde vor Ort gesprengt.
Bereits eine Minute später gaben die Einsatzkräfte alle Sperrpunkte frei und alle betroffenen Bürger konnten wieder nach Hause. Landrat Franz Löffler und Bürgermeister Martin Stoiber sprachen den Rettungskräften ihren Respekt aus nach dem zweiten Großeinsatz innerhalb einer Woche. Die Schlagkraft des Ehrenamtes sei einfach beeindruckend. Auch bei den Bürgern bedankte sich Stoiber für die Disziplin bei der Räumung.

