Offene Fragen zur Einspeisung des Stroms: Brucker Gemeinderat lehnt neuen Solarpark vorerst ab

Mit einem Antrag auf Errichtung einer weiteren Freiflächenphotovoltaikanlage im Gemeindegebiet befasste sich der Brucker Marktrat. Die Antigua Solar GbR aus Bergisch Gladbach will diese 21Hektar große Anlage südwestlich des Ortsteils Vorderthürn bauen. Doch vom Gremium gab es ein Nein.
Die Marktverwaltung hatte sich im Vorfeld mit dem Projektträger in Verbindung gesetzt, um zu erfahren wo der erzeugte Strom, im Falle einer Realisierung, eingespeist werden solle. Nach Angaben des Projektträgers sei dies bei der Trafostation auf Höhe der Firma ZMT geplant. Nach Auffassung der Gemeinde sei dies „sehr erstaunlich“, da dort bereits der Solarstrom der Freiflächenphotovoltaikanlage Mappach eingespeist werde.
Tatsächlich, so die Gemeinde, sei es so, dass von der Bayernwerk Netz GmbH ein verbindlicher Einspeisepunkt erst dann genannt werde, wenn die Gemeinde für eine geplante PV-Anlage einen Aufstellungsbeschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan gefasst habe. Im Klartext bedeute das, dass der Gemeinde abverlangt werde, über einen Solarpark zu entscheiden, ohne zu wissen, wo der erzeugte Strom eingespeist wird.
Wo wird Strom eingespeist?
Dies würde unter Umständen bedeuten, das quer durch das Gemeindegebiet ein Einspeisekabel verlegt werden muss. Im Beschlussvorschlag gab die Verwaltung zu bedenken, dass mit den Freiflächenphotovoltaikanlagen in Mappach und am Silberberg bereits zwei große Anlagen in Betrieb gegangen seien und in Schöngras und Vorderthürn zwei weitere geplant seien. Außerdem sei der geplante Solarpark der Antigua Solar GbR zum Teil sehr nahe an der Bebauung und zudem noch gut einsehbar. Des weiteren befinde sich das Baugrundstück im Landschaftsschutzgebiet.
Robert Feuerer (CSU) betonte, dass sich die Fraktion intensiv mit diesem Antrag beschäftigt habe und man dieser „Monsteranlage“, die doppelt so groß wie die Anlage in Mappach sei, nicht zustimmen könne. Erstens sei sie zu nahe an der Wohnbebauung und zweitens wisse man nicht, wo eingespeist werden soll. Außerdem habe bisher niemand von der ausführenden Firma bei der Gemeinde persönlich vorgesprochen.
Lorenz Bräu (FW) sagte, dass er nicht grundsätzlich dagegen sei, nur müsse man aufpassen, dass man, durch diese Anlage, nicht einen Streit zwischen Nachbarn schüre. Erst wenn man wisse wo eingespeist wird, könne man beschließen.
Nur drei Stimmen dafür
Rudi Sommer (die Grünen) warb für die Klimaneutralität im Jahr 2040 und betonte: Wenn dieses Ziel erreicht werden soll, müsse man in Sachen Solar- und Windenergie jetzt Tempo machen. In Bruck habe man die Möglichkeit, ökologischen Strom zu erzeugen. Deshalb müsse man jede Maßnahme ergreifen.
Joachim Hanisch (FW) betonte, dass aber Bruck alleine nicht die alten Fehler ausgleichen könne. Das man etwas tun müsse, sei richtig, aber nicht um jeden Preis. Man solle hier die konkrete Planung abwarten und dann entscheiden.
Manfred Pfauntsch (Grüne) sagte, dass Vorwürfe geäußert worden seien, die nicht stimmten. Die Firma wollte eingeladen werden, um sich zu äußeren, so Pfauntsch. Darauf hin konterte Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU), dass der Markt über verschiedene Medien mit der Firma Kontakt aufnehmen wollte, man aber niemanden erreicht habe.
Manfred Pfauntsch stellte einen Antrag auf Vertagung der Abstimmung, was aber mit 7:7-Stimmen abgelehnt wurde. Das Gremium stimmte dann mit 11:3-Stimmen gegen den Antrag der Antigua Solar GbR.
Weitere Themen aus der Sitzung
Bushaltestelle: Ohne große Bedenken durchgewunken wurde das Ansinnen der Gemeinde, die Bushaltestellen in der Nittenauer Straße auszubauen beziehungsweise die Haltestelle ortseinwärts um einige Meter in Richtung Friedhof zu verlegen und auch dort ein Wartehäuschen aufzustellen. Auf beiden Seiten soll der Einstieg barrierefrei gestaltet werden.
Sitzungssaal: Die Marktgemeinderäte stimmten über die Modernisierung und Neuausstattung des Sitzungssaals ab. Auch wenn einigen Räten der vorhandene Tisch sehr gut gefällt und sie ihn unbedingt behalten wollten, stimmten sie abschließend für einen „zukunftsorientierten Umbau“ des Saals.
Halteverbot: Die Bürgermeisterin bekannt, dass bei einer Verkehrsanhörung mit der Polizei die Parksituation in der Nittenauer Straße auf Höhe der Firma ZMT erörtert worden sei. Dort habe es sich sein geraumer Zeit wieder eingebürgert, dass am Straßenrand Autos abgestellt werden, was oft zu gefährlichen Situationen führe. Dort soll nun, zeitlich begrenzt, ein eingeschränktes und ein absolutes Halteverbot ausgesprochen werden.
Einspeisekabel: Noch ein weiterer Tagesordnungspunkt in der Sitzung des Brucker Marktrats am Donnerstag befasste sich mit einer Freiflächenphotovoltaikanlage – dabei ging es um das Projekt im Wiesbauernholz in Vorderthürn. Dazu stellte die Firma Solea Solarpark Holding einen Antrag auf Zustimmen zur Änderung der Trasse für das Einspeisekabel. Es war geplant, dass der erzeugte Strom ins Umspannwerk in Bergham eingespeist wird. Die Solea AG teilte nun mit, dass die vorgesehene Kabeltrasse geändert werden müsse. Laut vorgelegtem Plan soll die neue Trasse durch einige Privatgrundstücke führen, rund 370 Meter entlang der Gemeindeverbindungsstraße nach Vorderthürn verlaufen und dann in einen öffentlichen Feldweg bis zur Höhe des Geh- und Radweges entlang der Staatstraß 2150 münden. Kritisch sei hier laut Verwaltung, dass sich im Bereich des Feldwegs ein Breitbandkabel, ein Steuerkabel für das Wasserwerk und in einem Teilstück auch eine Wasserleitung befindet, so dass für ein weiteres Kabel kaum noch Platz sei. Außerdem gebe es Überlegungen, entlang dieser Gemeindeverbindungsstraße einen Gehweg zu bauen. Robert Feuerer (CSU) betonte, dass man nicht grundsätzlich gegen die neue Trasse sei. Doch solle man versuchen, dies mit dem Bau des Gehwegs zusammenzulegen bzw. solle die Firma eine alternative Trassenführung prüfen. Lorenz Bräu (FW) informierte die Räte, dass die Firma mit ihm Kontakt aufgenommen habe. Er hätte ihnen auch den benötigten Grund verpachtet, doch das wollte die Firma laut Bräu nicht. Robert Feuerer stellte dann den Antrag, dass man mit der Firma Kontakt aufnehmen soll, um auch andere Trassenführungen anzudenken. Sollte dies nicht möglich sein, soll die vorgeschlagene Trasse verwirklicht werden. Dieser Vorschlag wurde einstimmig genehmigt.
Stromversorgung für Schule: Rudi Sommer schlug vor, auch auf dem nach Osten ausgerichteten Dach der Grund- und Mittelschule eine Photovoltaikanlage zu errichten. Der Antrag auf Errichtung einer PV-Anlage auf der Dachfläche des Bauabschnitts II zur Stromversorgung der Schule wurde einstimmig genehmigt.
Straßenausbau: Ausführlich diskutiert wurde auch der geplante Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße nach Vorderrandsberg, der im Zuge der Erneuerung der Wasserleitung erfolgen soll. Dort ist auch ein Gehweg angedacht. Dazu hatten sich die Anwohner mit einer Unterschriftenliste an die Verwaltung gewandt. Jennifer Lehmer erläuterte die Bedenken. Die Anwohner seien der Ansicht, dass die Straße nicht breit genug für einen Gehweg sei. Sie hätten lieber eine breitere Straße als einen Gehweg. Am Ende stimmten die Räte dann für den Ausbau der Straße – und wegen des Gehwegs soll sich die Verwaltung mit den Anliegern in Verbindung setzten.
