Versuchter Totschlag in Parsberg: Kripo stellt Tatgeschehen nach – Landwirt (70) weiter in U-Haft

Von Markus Rath · 26. September 2023 um 19:00

Ein Traktor als Tatwaffe in einem versuchten Tötungsdelikt: In dem Fall, der sich am 20. August in einem kleinen Dorf im Gemeindebereich der Stadt Parsberg ereignet hat, laufen noch immer die Untersuchungen. Dabei greift die Polizei zu besonderen Ermittlungsmethoden.

Das war passiert: An besagtem Sonntagabend gegen 22 Uhr war ein 39-jähriger Nebenerwerbslandwirt und Hausmeister gerade dabei, seinen Lieferwagen mit Kisten zu beladen, als der mutmaßliche Täter, ein 70-jähriger Landwirt, mit seinem alten Traktor einen Strohballen auf dem Frontlader zu seinem Anwesen fuhr.

Weil das Fahrzeug des Hausmeisters ihm dabei wohl im Weg stand, schob er den Lieferwagen mit seinem Traktor einfach die Straße hinunter, kehrte dann zurück und nahm den Hausmeister mit dem Strohballen wie ein Stier auf die Hörner und quetsche ihn gegen einen Container.

Anwohner versucht dem Opfer zu helfen und wird selbst zum Ziel

Einen anderen Mann, der ihn von der Tat abhalten wollte, griff der 70-Jährige mit einer Eisenstange an, ehe er von seinen beiden Opfern abließ. Der Landwirt wurde im auf die Tat folgenden Polizeieinsatz verhaftet. Der Ermittlungsrichter ordnete Untersuchungshaft an.

Diese wird weiter aufrechterhalten, teilte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Claus Feldmeier, auf Anfrage unseres Medienhauses mit. Die Ermittlungen in dieser Angelegenheit würden noch laufen, der Tatvorwurf des zweifachen versuchten Totschlags bleibe auch rund vier Wochen nach der Tat bestehen.

Gutachter untersucht und bewertet das Tatgeschehen

Gleichzeitig kam am vergangenen Donnerstagabend Bewegung in die Polizeiarbeit. Zusammen mit einem Gutachter wurde am Tatort das Geschehen dieser Nacht rekonstruiert. „Es ging darum, die Situation vor Ort bei möglichst identischen äußeren Bedingungen zu bewerten und festzustellen, wie gefährlich die Handlungen für die Opfer tatsächlich waren“, sagte Feldmeier. Deswegen sei eine solche Tatrekonstruktion vor rund zwei Wochen wegen Regens abgebrochen worden.

Dabei versuche der Gutachter auch zu messen beziehungsweise zu errechnen, welche Kräfte gewirkt haben, als der Strohballen den 39-Jährigen gegen den Container quetschte. Wichtig sei auch festzustellen,, ob das Opfer vorher eine Chance gehabt hätte, dem Angriff durch den Traktor auszuweichen, als dieser auf ihn zufuhr.

Gefährlichkeit des Angriffs hat Einfluss auf mögliche Strafe

Schließlich sei es laut Feldmeier Aufgabe der ermittelnden Beamten und der Staatsanwaltschaft, alle Beweise zu sammeln, die gegen den Beschuldigten sprechen, und so den Tatvorwurf zu untermauern. Gleichzeitig müssten aber bei der Untersuchung auch Aspekte registriert werden, die den Landwirt entlasten. Denn die Frage, ob er sein Opfer töten oder vielleicht nur verletzten wollte, würde in diesem Fall einen erheblichen Einfluss auf eine mögliche spätere Strafe haben.