Fußgänger-Frequenz in Regensburg: Die Gesandtenstraße „hat’s derbröselt“

Wo ist wann viel los in der Regensburger Altstadt? Dieser Frage widmet sich bereits seit 1997 eine jährlich durchgeführte Fußgänger-Zählung. Die aktuellen Ergebnisse überraschen.
Einen wissenschaftlichen Anspruch hat sie nicht, die Passanten-Zählung von Trummer Immobilien. Trotzdem gibt die Erhebung immer wieder interessante Hinweise darauf, wie sich die Fußgänger-Ströme in der Altstadt entwickeln. Seit 1997 wird die Frequenzmessung an den immer gleichen sieben Standorten vorgenommen, stets eine Stunde lang an einem Samstagvormittag und einem Dienstagnachmittag Ende Juni.
Die diesjährigen Ergebnisse bergen einige große Überraschungen. Obwohl die Wetterbedingungen heuer genauso gut waren wie bei der vorangegangenen Bestandsaufnahme, gab es markante Ausreißer nach oben wie nach unten.
Die Gesandtenstraße „hat’s derbröselt“
„Man kann sagen, dass die Sorgenkinder von 2022 die Lichtblicke dieses Jahres sind“, lautet die Zusammenfassung von Roland Trummer, dem Geschäftsführer des Unternehmens. In erster Linie trifft dies auf die Weiße-Lilien-Straße zu. Diese hatte 2022 mit 1413 Passanten ihren zweitschlechtesten Samstagswert überhaupt verzeichnet, nur in der Hochphase von Corona 2020 gingen hier noch weniger Menschen durch. 2023 lag die Frequenz am Samstag um satte 54 Prozent höher, am Dienstag waren es sogar 77 Prozent mehr als im Jahr davor.
Unversehens zum Sorgenkind mutiert ist hingegen die Gesandtenstraße. Hier sind die Zahlen sowohl am Samstag (1677) als auch am Dienstag (1085) auf ein Allzeit-Tief abgerutscht. „Das ist das diesjährige Desaster. Warum es die Gesandtenstraße so derbröselt hat, kann ich mir auch nicht erklären“, sagt Trummer, der zunächst sogar einen Messfehler vermutet hat. „Ich habe extra noch einmal nachgeprüft, ob wir nicht aus Versehen die Werte von der Gesandtenstraße und der Weiße-Lilien-Straße vertauscht haben. Aber das hat alles gestimmt.“
Auch die Bachgasse fällt ab
Mit der Unteren Bachgasse enttäuschte ein weiterer langjähriger Garant für gute Frequenzen, am Dienstag hat sich hier das Fußgänger-Aufkommen von 983 auf 495 glatt halbiert. „Da waren die Zahlen sogar während Corona klar besser, das ist schon ein Statement“, wundert sich Trummer.
Trotzdem will er die Ergebnisse nicht überbewerten und sieht auch keinen Widerspruch darin, dass sein Immobilienmakler-Kollege Gerald Loers kürzlich ausgerechnet im Karree Gesandtenstraße/Untere Bachgasse/Kohlenmarkt über frischen Wind schwärmte und diesen Eindruck mit etlichen gewerblichen Neuvermietungen untermauerte.
Auf diese Eröffnungen verweist auch die Stadt, die sich von der Attraktivität dieses Bereichs überzeugt zeigt: „Die Untere Bachgasse bleibt eine belebte und beliebte Gasse.“
Der Rückgang der Frequenz könne auf eine längere Zeit dort eingerichtete Baustelle zurückzuführen sein, so die Stadt weiter. Einwände wie diesen lässt Trummer gelten: Unsere Zählungen sind immer eine Momentaufnahme, das ist in manchen Bereichen sehr volatil. Bei der nächsten Messung kann es schon wieder ganz anders aussehen.“
Trotz aller Wellenbewegungen gibt es aber auch Horte der Beständigkeit. So stehen die Schwarze-Bären-Straße und der Haidplatz seit Jahren für Stabilität auf ordentlichem Niveau, der Haidplatz erzielte mit exakt 1999 Passanten sogar sein zweitbestes Samstagsergebnis der letzten 22 Jahre. Auch der südliche, näher zum Hauptbahnhof gelegene Teil der Maxstraße ist – von der Corona-Delle abgesehen – von großen Schwankungen verschont.
Im Fünf-Jahres-Schnitt war hier samstags ein Plus von 15 Prozent zu verzeichnen. Kein Zufall, wie die Stadt betont: „In der Maxstraße haben neue Geschäfte und Cafés eröffnet, die Aufenthaltsqualität wurde erhöht, Baulücken wurden geschlossen, weitere Hotels angesiedelt und kreative Nutzungskonzepte wie im M26 realisiert.“
Maxstraße besser als ihr Ruf
Dass die frühere Prachtmeile insgesamt besser als ihr Ruf sein könnte, legt auch ein Blick auf ihren flatterhafteren nördlichen Abschnitt nahe. Hier war am Samstag um 25 Prozent mehr los als im Vorjahr, schaut man zudem noch auf die Zahlen von 2021, liegt der Zuwachs sogar bei satten 78 Prozent. Angesichts dieses Werts lehnt sich sogar Trummer aus dem Fenster: „Ich glaube, dass man hier sagen kann, dass der Abwärtstrend gestoppt ist.“
Definitiv nicht leugnen lässt sich eine langjährige Entwicklung. Als Trummer Immobilien 1997 mit der Erhebung begann, lag das an beiden Zähltagen ermittelte Gesamtaufkommen an Passanten noch bei 24.000, seit 2005 waren es immer unter 20.000. „Wir entfernen uns immer weiter von dieser magischen Marke“, sagt Trummer. Dessen ungeachtet betont die Stadt: „Die Regensburger Bevölkerung identifiziert sich in einem sehr hohen Maße mit ihrer Altstadt.“ Durch ihre ausgeprägte Multifunktionalität sei sie gleichermaßen attraktiv wie resilient.