Kostenexplosion: Die drei Regensburger Kliniken schlagen Alarm

Dass Krankenhaus-Chefs protestieren, kommt selten vor. Doch die finanzielle Lage der Kliniken hat sich durch die Inflation und die gestiegenen Energiepreise zugespitzt.
Die Leitungen des Regensburger Universitätsklinikums (UKR), des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder und der Caritas-Klinik St. Josef werden am Mittwoch unter dem Motto „Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Not“ am Brandenburger Tor in Berlin auf die verheerende wirtschaftliche Situation aufmerksam machen.
Sie fordern einen raschen Ausgleich für Mehrkosten und Personaltarif-Anhebung. Ansonsten komme es zu weiteren Versorgungsengpässen.
Mehr Bürokratie befürchtet
Am Berliner Aktionstag beteiligen sich Krankenhäuser aus ganz Deutschland. Er richtet sich an die Bundesregierung, denn Gesundheitsminister Karl Lauterbach plant eine Klinikreform. Die Regensburger Krankenhaus-Chefs gehen in einer Pressemitteilung näher auf die Situation ein. Beim Universitätsklinikum handelt es sich um einen sogenannten Supramaximalversorger für Regensburg und ganz Ostbayern. Es steht an der Spitze der Versorgungskette.
Das UKR ist personell und technisch auf die Behandlung schwerstkranker und lebensbedrohlich verletzter Patienten ausgerichtet. „Diese Behandlungen sind medizinisch sehr aufwendig und verursachen entsprechende Kosten“, sagt Oliver Kölbl, der Ärztliche Direktor des UKR. Zugleich versorgt das Klinikum rund um die Uhr Notfall-Patienten, in manchen medizinischen Fachgebieten als einziges Krankenhaus in Ostbayern. „Dies alles lässt sich nur mit einer soliden Finanzierung gewährleisten, für die nicht wir allein Sorge tragen können“, betont Professor Kölbl.
Anders als Wirtschaftsunternehmen haben Krankenhäuser deutlich weniger Möglichkeiten, ihre Einnahmen und Ausgaben zu beeinflussen. „Die Kostenfrage darf nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden.“ Wenn kleinere Kliniken aufgrund finanzieller Nöte schließen und deren Patienten dann zusätzlich in den medizinischen Spitzenzentren versorgt werden müssten, „werden sich die Versorgungsengpässe massiv verschärfen“.
Zugleich müsse stetig in die Klinik-Infrastruktur investiert werden, bevor sie marode und baufällig werde. Das UKR beteiligt sich laut Kölbl am Protest, weil die Politik erkennen müsse, dass Universitätsmedizin kein wirtschaftlicher Selbstläufer sei. Auch die Finanzierung der Klinik-Infrastruktur sei unbefriedigend und müsse verbessert werden.
Sylvia Pemmerl, Medizinisch-Ärztliche Direktorin des Caritas-Krankenhauses St. Josef, und Geschäftsführer Andreas Kestler vom Krankenhaus Barmherzige Brüder halten eine Reform der Krankenhausfinanzierung für wichtig. Die Schere zwischen Kosten und Finanzierung klaffe immer weiter auseinander, sagt Pemmerl. Sie befürchtet jedoch auf grund von Lauterbachs Eckpunktepapier deutlich mehr Bürokratie. Vor allem aber werde die geplante Reform die Finanzlücke zu spät ausgleichen. Das müsse jetzt geschehen und nicht erst 2027. „Viele Kliniken, die in der Versorgung der Menschen eine wichtige Rolle spielen, werden ansonsten von der Landkarte verschwinden.“
Als Maximalversorger für Regensburg und Ostbayern bietet das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder ein breites Leistungsspektrum und behandelt auch schwere und seltene Erkrankungen. „Doch nur mit einer soliden, verlässlichen Finanzierung können wir unseren ganzheitlichen Behandlungsansatz dauerhaft gewährleisten“, gibt Geschäftsführer Andreas Kestler zu bedenken.
Ohne Steuermittel finanziert
Neben der ärztlichen und pflegerischen Betreuung werden unterstützende Therapien ermöglicht. Auch muss die hohe Organisations- und Prozessqualität weiter sichergestellt werden, beispielsweise bei der Notfall-Versorgung. In der Vergangenheit ist es dem Krankenhaus gelungen, alle Investitionen und den laufenden Betrieb ohne Steuermittel zu finanzieren. „Durch die aktuelle wirtschaftliche Lage benötigen wir nun jedoch dauerhaft zusätzliche finanzielle Unterstützung“, sagt Kestler.
Gerade für die Barmherzigen Brüder als Klinik, die nicht von kommunaler Seite finanziell mitgetragen wird, sei ein Inflationsausgleich wichtiger denn je. „Mehrkosten für Material, externe Dienstleistungen oder Lebensmittel treffen uns sonst weiterhin mit voller Wucht.“
Der Protest startet um 11 Uhr. Veranstalter ist die Deutsche Krankenhausgesellschaft.


