Uni-Klinik bekommt „Hausarzt“-Lehrstuhl und Hightech-Strahlengerät

Von Christine Schröpf · 3. August 2023 um 14:03

Ein neuer Lehrstuhl für Allgemeinmedizin – und ein Hightech-Strahlengerät, das Behandlungen für Patienten schonender macht: Die Uni-Klinik Regensburg wappnet sich für die Zukunft. Die Minister Markus Blume und Albert Füracker bekräftigten die hohe Bedeutung des Krankenhauses für Ostbayern.

Die Uni-Klinik Regensburg bekommt einen Lehrstuhl für Allgemein-Medizin. Ziel ist es, möglichst viele Medizinstudenten für dieses Fach zu begeistern und damit die flächendeckende Versorgung mit Hausärzten im ländlichen Bereich voranzutreiben. Aber auch die Forschung auf diesem Sektor soll starkes Gewicht bekommen. Die bayerische Regierung stellt für den Lehrstuhl pro Jahr zusätzliche 580000 Euro bereit, wie Wissenschaftsminister Markus Blume und Finanzminister Markus Blume am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekanntgaben.

Schon jetzt ein Spitzenplatz

Mit der neuen Professur sind künftig alle sechs medizinischen Fakultäten im Freistaat entsprechend ausgestattet. Bei Null startet die Uni-Klinik Regensburg jedoch nicht, wie der Ärztliche Direktor, Professor Oliver Kölbl, betonte. Im Gegenteil: Mit Honorarprofessor Carl Rauscher hält der Inhaber einer großen Regensburger Hausarztpraxis seit 20 Jahren Vorlesungen mit starkem Praxisbezug. Das dürfte viel zum Spitzenplatz der Uni-Klinik bei der Hausarztausbildung beigetragen haben. „Wir starten nicht von Null auf 100, sondern von 60 auf 100“, sagt Kölbl.

Eine frühere Studie unter Federführung von Professor Bernd Salzberger untermauert das: Von den Medizinstudenten, die zwischen 2004 und 2009 an der Uni Regensburg ihr Examen ablegten, haben sich demnach 16,4 Prozent zwischen 2009 und 2014 als Allgemeinärzte in den ländlichen Regionen der Oberpfalz und Niederbayerns niedergelassen. Ein Schnitt, der deutlich über dem Bundesschnitt von zehn Prozent liegt, heißt es in dem Papier. Kölbl ergänzt: Viele Absolventen stammen aus der Region und zeigen starke „Schollen-Treue“ zum hochattraktiven Standort.

Lehrstuhl soll in Kürze offiziell ausgeschrieben werden

Der neue Lehrstuhl soll in Kürze offiziell ausgeschrieben werden und müsste dann bis spätestens Ende 2024 besetzt sein – so die Prognose von Professor Dirk Hellwig, dem Dekan der Medizinischen Fakultät. Uni-Präsident Udo Hebel versprach, dass die Berufungsprozesse zügig voranschreiten werden. Allgemeinmedizin spielt auch beim neuen Medizin-Campus Niederbayern mit rund 600 Studienplätzen eine wichtige Rolle, der 2024/25 an den Start gehen soll und eng an die Uni-Klinik Regensburg angedockt ist. Rauscher, der in der Oberpfalz ein Netzwerk von 122 Lehrpraxen für Praktikumsphasen der Medizinstudenten aufgebaut hat, soll in die Lehre eingebunden bleiben. „Er hat es sehr gut gemacht“, sagt Kölbl. Rauscher hat bereits Interesse bekundet. „Ich wäre gerne unterstützend mit dabei“ , sagt der 64-Jährige.

Nicht nur der Lehrstuhl setzt neue Akzente: In der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie wird gerade ein neuer Linearbeschleuniger aufgebaut, der im Lauf der nächsten sechs Wochen in Betrieb gehen soll. „TrueBeam“ gilt als eines der modernsten Geräte am Markt, erlaubt besonders schonende Strahlentherapie, bringt dabei Künstliche Intelligenz und Deep Learning zum Einsatz.

Strahlengerät mit Finesse

Sogar leichte Bewegungen der Patienten beim Atmen werden bei Behandlungen einkalkuliert. Am häufigsten werden wohl Krebspatienten vom neuen Gerät profitieren. Aber nicht nur, sagt Kölbl. Auch Fersensporn lässt sich dort – natürlich weit geringer dosiert – behandeln. „Jeder Patient hat etwas davon.“ Zu den Kosten des Geräts gab er nur eine grobe Bandbreite an: Die Marge liege zwischen 2,5 und 4 Millionen Euro.

Die Uni-Klinik verfügt über insgesamt drei Linearbeschleuniger. Blume betonte, dass das Haus als „Supermaximalversorger“ für Ostbayern entsprechend weiterentwickelt wird. Von Kölbl kam der zarte Hinweis, dass die Wunschliste noch lang ist. Wichtiger Punkt ist eine höhere Bettenzahl, um weniger Patienten ablehnen zu müssen. Er habe etliche Ideen, die er aber nicht „kaputtreden“ wolle.

Füracker nahm in diesem Kontext die übrigen Oberpfälzer Krankenhäuser in den Blick, die ebenfalls nicht leer ausgehen: Dorthin seien in den vergangenen fünf Jahren 312 Millionen Euro an Krankenhaus-Fördermitteln geflossen.

Zahlreiche weitere Wünsche an die Politik signalisierte der Ärztliche Direktor der Uni-Klinik, Oliver Kölbl. Mehr Krankenhausbetten ist einer davon. Foto: Schröpf
Gruppenbild mit Ministern: (v.l.) Dirk Hellwig, Udo Hebel, Markus Blume, Albert Füracker und Oliver Kölbl. Foto: Schröpf