Ein Haus der Geschichte: Erfolgreiche Rettung des Arnschwanger Wasserschlosses gefeiert

Von Alexander Frimberger · 17. September 2023 um 17:00

Das Wasserschloss Arnschwang hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Früher Zielscheibe kriegerischer Auseinandersetzungen, wurde jüngst alles versucht, es zu retten. Mit Erfolg, wie alle Beteiligten im Rahmen der Einweihungsfeier am Samstag betonten.

Dort, wo heute gefeiert, geheiratet und kulturellen Leckerbissen gelauscht werden kann, hörte man vor Jahrhunderten vor allem Säbelrasseln. Werner Perlinger vom Historischen Verein Furth im Wald und Archivar Alois Heitzer belegten dies anhand von historischen Fakten aus der bewegten Geschichte des Wasserschlosses, das sich früher im Besitz des Adelsgeschlechts der Sattelbogener befand.

Niedergebrannt von Hussiten

Es war zahlreichen Angriffen der Hussiten ausgeliefert, wurde mehrfach niedergebrannt und war gleichsam Bollwerk, das sich später im Besitz Ludwigs von Habsberg und dem Adelsgeschlecht der Fuchs befand. Nach weiteren Besitzerwechseln ging, wie es Heitzer sagte, „1829 seine adelige Zeit zu Ende.“ Karl Friedrich Wilhelm Reichsfreiherr von Völderndorf und Waradein, der das Schloss 1801 erworben und große Pläne damit gehabt hatte, schlitterte in die Pleite. Die einzelnen Gebäudeteile wurden an Bauern, Brauer, Schneider und andere Privatleute verkauft.

Lesen Sie hier: Für Hotellerie und Pflegebranche: 21 kirgisische Azubis im Landkreis Cham begrüßt

Das mangelnde historische Interesse an dem Objekt hätte ihm beinahe den Todesstoß verpasst – bis Diplomingenieur Anton Landgraf 1988 das erste Mal vor den altehrwürdigen Gemäuern stand. Notsicherungen wurden durchgeführt, ehe das Schloss bis 2006 ein weiteres Mal in einen Dornröschenschlaf fiel. Dann kam Bewegung in die Sache. Das Landesamt für Denkmalschutz bekundete Interesse am Erhalt, Planer Landgraf machte sich in letzter Sekunde an die Rettung des Schlosses. Eigentlich lag auf dem Schreibtisch des damaligen Landrats Theo Zellner schon der Abrissantrag der Gemeinde und des Eigentümers Peter Mühlbauer. Man einigte sich mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege auf eine Förderquote von rund 90 Prozent. Im Gegenzug verpflichtete sich Mühlbauer, das Wasserschloss der Gemeinde für mindestens 40 Jahre zu überlassen.

Rund zwei Millionen Euro hat die Sanierung laut Bürgermeister Michael Multerer gekostet, aus den anfangs gedachten 10000 Euro Eigenanteil sind rund 500000 Euro geworden. „Immer noch eine hohe Förderquote“, findet Multerer. Aber es musste viel angeschafft werden, was nicht förderfähig war. Seinen ausdrücklichen Dank sprach Multerer allen Beteiligten aus, die zum Gelingen beigetragen haben. Ein kleines Denkmal in Form einer Fotowand mit Dankestext widmet er den ehrenamtlichen Mitstreitern, die zwar zahlenmäßig wenige waren, aber um so mehr angepackt haben. Das Arnschwanger Wasserschloss, in dem laut Landgraf erhaltenswerte Bausubstanz unter anderem aus der Gotik, der Renaissance und des Barocks gefunden wurden, bezeichnete Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler als Glücksfall. Er nannte es identitätsstiftend. „Nur wenn wir wissen, wo wir herkommen, wissen wir, wo wir hin müssen.“ Und an keinem anderen Ort in der Oberpfalz könne man die Identität der Region besser spüren, als hier. „Ich hoffe, dass noch viele tausend Menschen diese Identifikation spüren können.“ Weitere Gefährten der Arnschwanger Rettungsmission, die zur Einweihungsfeier gekommen waren, Grußworte sprachen und Anekdoten aus der Bauphase zum besten gaben, waren: Der ehemalige Chamer Landrat Theo Zellner, der Historiker Egon Johannes Greipl, bis 2013 Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Brauereibesitzer Peter Mühlbauer sowie Diplom-Ingenieur Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege.

Veranstaltungsort

Er bezeichnete das Wasserschloss in seiner Bedeutung als „ein Haus der bayerischen Geschichte, in dem man ablesen kann, was die letzten 700 Jahre passiert ist.“ Das Wasserschloss steht heute für Veranstaltungen offen, hat einen Raum für 50 sowie einen Saal für 80 Personen, eine Küche für Catering und einen Trausaal für Hochzeiten.

Das Wasserschloss war in einem verheerenden Zustand.
Bürgermeister und Ehrengäste lauschen dem Musikquartett.