Das Kelheimer Freie-Wähler-Quartett um Dennis Diermeier tourt für den Wahl-Nahkampf

Oberpindhart?? Gehört zu Aiglsbach, und nicht nur das wissen rund 35 Kelheimerinnen und Kelheimer jetzt: Dort gibt es auch einen Stammtisch, und der verspeist vielleicht bald eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte vom Freie-Wähler-Politiker Dennis Diermeier.
Es ist die 24. Wahlkampfveranstaltung der Freien Wähler im Landkreis: Routiniert begrüßt das Kandidaten-Quartett im „Weißen Lamm“ die gut 35 Interessierten, davon etwa die Hälfte Nicht-FWler. „Wir hatten auch mal eine Veranstaltung ganz ohne Besucher“, verrät Bezirkstags-Direktkandidat Christian Nerb schmunzelnd, „da haben wir halt nur Brotzeit gemacht.“ Ähnlich in Oberpindhart – bis besagter Stammtisch die vier FWler kurzerhand zu sich und um Infos bat. Um am Ende von Landtags-Kandidat Diermeier eine selbstgebackene Schwarzwälder versprochen zu bekommen – falls er in den Landtag kommt. Das schildert der 32-Jährige und vermittelt so zweierlei: Dass er – neben Theaterspielen sowie Wandern mit Frau und Hund – gerne Torten bäckt. Und dass es die FW ernst meinen mit ihrer „Ochsentour“: mindestens eine Wahlveranstaltung plus einen Infostand pro Landkreis-Gemeinde. Das Ziel?
Respekt vor und Spott für CSU
„Eine Petra Högl werden wir nicht vom Thron stoßen“, das Kelheimer Direktmandat werde der CSU-Frau kaum zu nehmen sein, sagt ihr FW-Kontrahent. Obwohl die „Schwarzen“ nervös würden, spöttelt er – sie hätten jetzt gar so viele Veranstaltungen.
Dennoch hofft der Kelheimer Kommunalpolitiker eher, via niederbayerische FW-Liste ins Maximilianeum einzuziehen. Dort würde dem Landkreis ein zweiter Vertreter gut tun – das beweise der jetzige Abgeordnete Faltermeier.
Der hatte eingangs, „einer für alle“, das heikle Thema Flugblatt abgeräumt: Das Pamphlet im Nazi-Sprech aus Aiwangers Schulzeit sei ekelhaft, aber dem heutigen Hubert Aiwanger nicht mehr anzulasten und dieser kein Antisemit. Deshalb stünden die FW fest hinter ihrem Vorsitzenden – und jetzt bitte zurück zur Tages- und Sachpolitik.
Energiewende: „nötig, aber fehlgesteuert“
Die startet Dennis Diermeier bei der „nötigen, aber fehlgesteuerten“ Energiewende und rügt: Atomkraftwerke zu früh abgeschaltet; zu viele bürokratische Hürden, etwa für den geplanten Windpark bei Painten, dem Bundeswehr-Interessen entgegenstünden, angeblich. „Ich wusste gar nicht, dass unsere noch flugfähigen Hubschrauber jetzt alle überm Paintner Forst üben“, spottet Diermeier. Er müsst’s ja wissen – in der Nähe, in Sinzing-Saxberg, hat er mit seiner Frau Lisa Haus gebaut.
A propos Bauen: Aufs Besteuern verzichten, wenn ein Landwirt der Gemeinde potenzielles Bauland verkauft, das sei der pragmatische FW-Anreiz gegen den Baugebietsmangel. Die Kommunen warnt Diermeier vor wachsender Geldnot, weil immer mehr Kreisumlage für immer stärker defizitäre Krankenhäuser nötig sei. Das Defizit sollte lieber der Freistaat tragen. „Wir brauchen unsere Krankenhäuser Kelheim und Mainburg“, versichert der Krankenversicherungs-Regionalleiter, der als Kreisrat auch im Aufsichtsrat vom Kelheimer Caritas-Krankenhaus sitzt.
Seilbahn Kelheim: Opposition in eigenen Reihen
Ein heikles Thema umkurvt der Landtags-Kandidat, weil es ja „keine Landespolitik“ sei: Als bekennender Seilbahn-Gegner opponiert er zu seinem Saaler FW-Kollegen Nerb. Den ÖPNV im Landkreis kritisiert trotzdem: schlechte Taktung von Bussen und Bahn; stattdessen autonome Test-Busse, die als „fahrende Verkehrshindernisse“ allenfalls für den Waldfriedhof taugten.
Auch bei weiteren populären Themen übt er vor allem Kritik: am Personalmangel in Pflege und Kitas, oder dass sich mit steigendem Bürgergeld Arbeit nicht mehr lohne. Sozialpolitik ist dann eher Schwerpunkt der Bezirkstags-Kandidaten Nerb und Kerstin Haimerl-Kunze, die ihr Faible hierfür mit ihrer privaten bzw. beruflichen Biografie begründen. Lehrerin Katharina Schweigard wiederum, Listenkandidatin für den Landtag, setzt vor allem auf Bildungs- und Kulturpolitik.
„Fragen und Anmerkungen?“ Nein, gibt’s nach anderthalb Stunden Vorstellung nicht mehr. „Dann geh’mer zum gemütlichen Teil über!“
Kelheimer FW-Namen auf den Stimmzetteln
Landtag: Dennis Diermeier (32) ist Direktkandidat im Stimmkreis Kelheim. Der Betriebswirt arbeitet als Regionalleiter einer gesetzlichen Krankenversicherung. Im Ehrenamt ist er u.a. Kelheims Vize-Bürgermeister, Kreisrat und FW-Ortsvorsitzender in Kelheim. Auf der Niederbayern-Liste stehen er (Platz 5) und Katharina Schweigard (12), Lehrerin aus Mainburg.
Bezirkstag: Direktkandidat ist der Saaler Bürgermeister und FW-Kreischef Christian Nerb. In der Liste ist er auf Platz 8, Kerstin Haimerl-Kunze (Mainburg) auf Platz 12.
