Besonderer erster Schultag in Waldmünchen: Warum Rektor Michael Aumann erst am Mittwoch startete

Von Petra Schoplocher · 13. September 2023 um 17:00

Nein, es fühlt sich nicht anders an, lächelt Michael Aumann. Und doch hat sich etwas verändert: Als der 41-Jährige an diesem Mittwoch sein Büro betritt, tut er dies erstmals als „echter“ Schulleiter im Schulalltag.

Echt, weil der Zillendorfer, der mittlerweile in Schwandorf zuhause ist, zum 1. August als solcher ernannt wurde. Faktisch verantwortlich war Aumann indes schon seit Dezember 2021. Damals wurde der Konrektor zum kommissarischen Chef bestellt, als sein Vorgänger Kurt Breu krankheitsbedingt ausfiel.

„Von ihm hab‘ ich extrem viel gelernt“, sagt er hochachtungsvoll. Mehr noch: Der Schönthaler habe ihn stets mitgenommen, wichtige Themen mit ihm besprochen, ihn bei Entscheidungen eingebunden, ihm etwas zugetraut. Mit ein Grund, warum er mit der Situation, plötzlich die Verantwortung zu tragen, gut umgehen konnte.

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Wesentlich schwieriger gestaltete sich der Zeitfaktor. Als Konrektor habe man sehr viele Unterrichtsstunden, zu 80 Prozent sei man noch Lehrer. Trotz der Bemühungen des Schulamts um mobile Reserven „hartes Brot“, wie er zurückblickend sagt. Was ihm, neben der Gewissheit, Kurt Breu jederzeit um Rat fragen zu können und ein „tolles“ Kollegium um sich zu haben, geholfen hat: Schwester Barbara ist (erfahrene) Rektorin in Furth im Wald, Vater Michael war es viele Jahre in Bad Kötzting. „Ich hatte immer jemanden, den ich fragen kann“.

Die Tochter hat Vorrang

Schulbeginn an einem Mittwoch? Wieder muss Aumann lächeln. Seine ältere Tochter, sie wurde am Dienstag eingeschult. „Sehr spannend.“ Und einen neuen Blickwinkel eröffnend, unterstreicht der begeisterte Mountainbiker . „Ich bin guter Dinge, sie hat eine gute Lehrerin bekommen“, schildert er zufrieden seinen ersten Eindruck.

„Es gibt nichts Schöneres“

Lehrer. „Es gibt es nichts Schöneres“, sagt Aumann, im gleichem Atemzug einschränkend: in Grund- und Mittelschulen. Dort sei man dank des Klassenleiterprinzips „einfach nah dran“. 15 bis 25 Stunden pro Woche mit den Schülern, „das schweißt zusammen“, da werde man schnell zum Begleiter, zur Ersatzmama, zum Ersatzpapa. Seine Erfahrung: Man bekomme mehr zurück als in jedem anderen Beruf.

Ein „aus dem Nähkästchen“ geplaudertes Beispiel: Sechs Jahre war Aumann in Fürstenfeldbruck tätig. Bei seinem jüngsten Besuch fanden sich spontan drei Schüler ein, die ihn im Café überraschten – einer hatte ihn zuvor dort gesehen. „Wo gibt es sowas schon?“

Mehr Zeit für die Schüler

Der Geist, die Philosophie der Mittelschule, Aumann lebt beides. „Einen Vorfall aufzuarbeiten kann wichtiger sein als 45 Minuten Mathe und Prozentrechnen.“ Nicht, dass es derer vieler gäbe, aber es verdeutlicht ein flexibles System. Natürlich müsse es unter dem Strich passen, aber „wir können uns diese Zeit nehmen“. Das komme denen zu Gute, die mit nicht geradlinigem Lebensweg in Waldmünchen aufschlagen. Gerade für diese sei dies neben Menschen, die sich ehrlich kümmern, wertvoll.

Dieser Nicht-Druck, er ist einer von vielen Argumenten, mit denen die Schulart punkten kann. Das gelte nicht nur für Waldmünchen, betont Aumann. Der 41-Jährige ist überzeugt, dass Mittelschulen für viele Kinder ideal ist. Weil sie Struktur und Stabilität vermittelt, weil Zeit ist für Gespräche, für (ergänzende) Erziehungsarbeit.

Er selbst ist nur noch zwölf Wochenstunden „an der Front “, sprich im Klassenzimmer. Zeit, die er genießt. Kein Telefon, ein Fokussiert-Sein auf die Kinder. „Ich bin wirklich gerne Lehrer“, entweicht es ihm.

Von wegen erfolglos!

„Viele kommen als vermeintlich Erfolglose zu uns“, ordnet Aumann ein. Vermeintlich gebrandmarkt, weil sie in der vierten Klasse Realschule oder Gymnasium nicht geschafft haben. „Quatsch“, sagt der Zillendorfer laut und deutlich, ergänzt an sie gerichtet: „Ihr habt andere Fähigkeiten!“. Die herauszuarbeiten sei Hauptaufgabe und Stärke der Mittelschulen zugleich.

Deswegen setzt die Mittelschule Waldmünchen stark auf Praktika und Berufsorientierung – beides seiner Meinung nach Stärken, die bereits in der fünften Klasse gestartet werden. Pflege, Handwerk, „das sind doch Berufe , die wir brauchen.“ Die duale Ausbildung, sie habe Deutschland stark gemacht, ist er überzeugt.

Ziel: Stolz auf Schule und Schulart

Seine persönliche Vision: Dass Eltern ihr Kind ohne Bedenken an „seine“ Schule schicken, sich glücklich fühlen, dass ihr Kind sie besucht. Dass Jugendliche das Gefühl entwickeln: Da bin I dahoam. Dass eine Lehre etwas gilt.

Insofern bedauert er, dass Mittelschulen immer noch noch mit dem Attribut „Abstellgleis“ belegt sind. Der Familienvater ist überzeugt: Nirgends werden Heranwachsende so gut auf eine Ausbildung vorbereitet wie an Mittelschulen. Wie aber kann man deren Image verbessern? „Wir müssen gut sein“, lächelt Aumann und ergänzt selbstbewusst: „Wir sind es!“

Personal: Knapp, aber ausreichend

Kein Gespräch mit einem Schulleiter ohne das Thema Personal. „Knapp, aber es reicht“, wenngleich die Bildung von Arbeitsgemeinschaften nicht möglich ist. „Die Basis decken wir gut ab.“

Sein Haus, er beschreibt es als „gut eingeschliffen im positiven Sinne“. Gerade, weil er in den sechs Jahren unter Kurt Breu mitgestalten durfte, sind keine größeren Kehrtwendungen oder Neuerungen zu erwarten. Im Gegenteil: Festgehalten werden soll an der Idee, die umliegenden Grundschulen zum Schulfest einzuladen, um zu zeigen, „wie gut und schön es bei uns ist“.

Zudem steht ein Großprojekt in Form eines Theaterstückes zum Thema Zivilcourage an, das Real-, Grund- und Mittelschule gemeinsam in Kooperation mit der Bundespolizei schreiben und auf die (Festspiel-)Bühne bringen werden.

Michael Aumann ist überzeugt, dass dies nur einer von vielen Tagen sein wird, an dem „seine“ Schüler beweisen werden, was sie (leisten) können. Nämlich eine Menge.

ZUR PERSON

Werdegang: Michael Aumann kam in Oberviechtach zur Welt und wuchs in Zillendorf auf. Nach Abitur in Cham und Wehrdienst studierte er Lehramt: Deutsch, Mathematik/Arbeitslehre und Sport.

Stationen: Aumann unterrichtete in Neumarkt und Fürstenfeldbruck, ehe er 2014 in den Landkreis Cham zurückkehrte. 2016 wurde er zum Konrektor der Schwarzachtal-Mittelschule ernannt, seit Ende 2021 war er deren kommissarischer Leiter.

Privates: Der 41-Jährige lebt in Schwandorf, verheiratet und Vater von zwei Mädchen (sieben und drei Jahre alt). Sein Vater Michael war lange Jahre Rektor der Bad Kötztinger Mittelschule, seine Schwester Barbara ist Chefin in Furth im Wald.

Hobbies: „Sozialisiert“ wurde er in der Feuerwehr, dem Sportverein, als Ministrant. Lange hat er beim Trenck-festspiel mitgewirkt, zuletzt als Hauptmann (begeisterter Reiter!). Wann immer es geht, treibt der 41-Jährige Sport, vor allem Mountainbiken.

220 Jugendliche und 27 Lehrer zählt das Haus derzeit. Der Pausenhof geht in den der Realschule über, ganz im Sinne eines guten Miteinanders.