Die neuen Gesichter der Pferdewallfahrt Ast: Wie der Verein neue Mitglieder gewann

Michael Aumann hat sich extra eine neonfarbene, reflektierende Jacke angezogen, um einen vermeintlichen Foto zu entgehen. „Es geht um die Jungen“, erklärt der Vorsitzende des Pferdewallfahrtsvereins Ast diese taktische Maßnahme. Denn: Auf sie und auf die Zukunft möchte der Zillendorfer den Fokus richten. Botschaft: Um die 1996 ins Leben gerufene Traditionsveranstaltung ist es gut bestellt.
Der 71-Jährige muss immer wieder lächeln, während „die Jungen“ erzählen. Die Freude über seinen gelungenen „Coup“ ist ihm anzusehen: Zehn neue Mitglieder, in einer Zeit, in der er sich manches Mal gedacht hat: Hoffentlich stirbt der Verein nicht aus. Resultat der im Vorjahr entstandenen Idee, auf den Anmeldekarten die Werbetrommel zu rühren.
Alt und jung „ticken“ gleich
Was ihm besonders behagt: Das Quartett teilt seine Philosophie. Ihm geht es nicht um den Sport, sondern die Liebhaberei. Ein gemütlicher Ritt im Wald, sich am Pferd und dem Reiten erfreuen. „Das ist gar nicht einfach, unter jungen Leuten so jemanden zu finden“, weiß er
Jemanden wie Selina Ertl. „In der Reitschule im Viereck, das ist langweilig“, findet die 27-Jährige. „Ich wollt‘ schon immer raus in die Natur.“ Weil weit und breit keine Reitbeteiligung aufzutreiben war und Freund Patrick sie letztlich bestärkt hat, hat sie sich ein eigenes Pferd gekauft – und ist seitdem noch glücklicher.
Heuer das zweite Mal dabei
Das Paar hat 2022 das erste Mal an der Wallfahrt von Waldmünchen nach Ast teilgenommen, die es – wie alle Veranstaltungen im Umkreis , die mit Rössern zu tun haben – zuvor als Zuschauer besucht hatte. Ihr Fazit: „Eine sehr schöne Sache“. Aus mehreren Gründen: Weil sie analog Aumanns Denken „die Pferdln gerne herzeigen, man ist ja schließlich stolz“. Dann ist da das Gemeinschaftserlebnis und nicht zuletzt die Momente des Innehaltens. Dankbarkeit für die eigene Gesundheit und die der Tiere, „das gute Leben, das wir hier führen dürfen“.
Aumann hat nie gefehlt
Michael Aumann, einer der verbliebenen zehn Reiter, die bis dato bei keiner Auflage der Pferdewallfahrt gefehlt haben, kann das; wie die Gefühle des Danks, nur zu gut nachvollziehen. Ob man nun tiefgläubig sei oder nicht, die Andachten, Gedanken und Impulse von Stadtpfarrer Wolfgang Häupl oder Diakon Alfons Eiber, die Umrundung der Kirche und die Segnung, „sie machen etwas mit dir“.
Wie die knapp eineinhalb Stunden auf dem Weg – neben Reitern gibt es auch Ponys, die geführt werden, Motto: Dabei sein, Teil des 1996 aus Anlass, sein ist alles. Egal, ob hoch zu Ross oder als Steppke auf einem Pony geführt.
Zwei Stationen auf dem Weg nach Ast
Die beiden Stationen in Hocha und an der eigenen Kapelle, sie tragen maßgeblich zum Gemeinschaftsempfinden bei. Da treffen sich alle (wieder), um sich im Gebet zu „den Anliegen unserer Zeit“(die Initiative der Wallfahrt), an die Gottesmutter und an Christus wendend zu vereinen.
Ansteckendes „Fieber“
Patrick Wild spricht grundsätzlich von einem regelrechten Reit- und Rittfieber, das ihn und Selina seit dem Pferdekauf vor rund drei Jahren gepackt hat. Und dann gleich in vollem Umfang: sie fahren mittlerweile zudem Kutsche.
Stichwort Kutsche: Es gibt nur zwei zugelassene und für Pfarrer Prominenz, Vorbeter und Senioren vorgesehene, die nicht mehr mitreiten können. Fremde „gehen aus versicherungstechnischen Gründen nicht“, erklärt Aumann.
Ehrungen für zwölf und 20 Teilnahmen
Für Anja Kürzinger wird der Ritt am Sonntag aus doppeltem Grund etwas Besonderes: Weil sie jetzt als Vereinsmitglied dabei ist und weil sie für ihre zwölfte Teilnahme geehrt wird, wie Michael Aumann verrät. Zwölf und 20, das sind die Zahlen für die es aktuell Auszeichnungen gibt.
Während viele der im Schnitt rund 100 Reiter (je nach Wetter) ihren Tieren festliches Zaumzeug anlegen, findet Michael Aumann, dass Pferde per se so schön sind, dass es dessen nicht bedarf. Natürlich aber putze und wienere man sein Kaltblut, seinen Hengst, sein Pony, Fohlen oder Fuchs besonders sorgfältig oder „verpasst“ dem Fell ein individuelles Muster. „Ich lasse das Pferd am liebsten Pferd sein“, betont der Zillendorfer.
Frisch geschniegelt und gebügelt
Die beiden Kürzinger-Mädels treffen indes andere Vorbereitungen: Am Samstag werden ihre Vierbeiner gewaschen, sich selbst werden sie mit Bluse und Co. in Schale werfen. Michael Aumann muss nicht überlegen, was er anzieht: Es gibt eine (nicht ganz billige) Vereinstracht.
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„Wir hatten schon alles: Hagelschauer, Hitze, Regen...“, berichtet Aumann und fügt augenzwinkernd an, dass Reiter eben flexibel und hart im Nehmen seien. Bettina Kürzinger ist ein gutes Beispiel. Die 24-Jährige wurde nach ihrer ersten Teilnahme gleich „sterbenskrank“ – Die Schwestern mussten, weil ihre Pferde nicht in den Hänger steigen wollten, in strömendem Regen zurück nach Hause reiten. Dabei wäre der kurze Weg an sich grundsätzlich ja ein Vorteil: Man kann vom heimischen Hof losreiten!
Die Jungen, sie bringen frischen Wind in den Verein, dem man für einen Euro im Monat beitreten kann. So wird die Pferdewallfahrt erstmals auf den sozialen Plattformen oder im WhatsApp-Status beworben. Aumann gefällt das: „Es soll ja weitergehen.“
Wünsche für den Sonntag
Gibt es Wünsche für den kommenden, diesen Sonntag? „Ein paar mehr Menschen auf dem Marktplatz beim Abritt wären sehr schön“, unterstreicht und animiert Michael Aumann. In Ast nämlich würden sie teils mehrreihig stehen, um der Zeremonie beizuwohnen. Patrick Lang kann es hingegen nicht schnell genug gehen. „Ich möchte nur, dass endlich, endlich Sonntag wird!“
DIE 27. PFERDEWALLFAHRT
Termin: Sonntag, 10. September. Aufstellung ab 8.30 Uhr am Waldmünchner Marktplatz. Gegen 9.15 Uhr Segnung und Abritt unter Glockengeläut. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.
Stationen: In Hocha und an der Wallfahrtskapelle stehen je kurzes Innhalten und Gebet an.
Höhepunkt: Der Freiluftgottesdienst mit Pferdesegnung beginnt gegen 10.30 in Ast.
Wohl: Feuerwehr und Schützenverein bewirten.

