Herzenswunsch erfüllt: Unheilbar Kranker durfte noch mal auf das Cave Gladium in Furth im Wald

Für Alexander Necker, der aus der Nähe von Cham stammt und in Oberbayern lebt, ist das „Cave“ ein Sehnsuchtsort, den er noch einmal im Leben erleben wollte. Es ist die bewegende Geschichte eines todkranken Mannes, dem ein Herzenswunsch erfüllt wurde.
Alexander Necker ist Mittelalterfan durch und durch: „Vor 30 Jahren habe ich angefangen auf Mittelalterfeste zu gehen.“ Bald reichte es ihm nicht mehr „nur“ dabei zu sein. Er wollte die Atmosphäre hautnah spüren. „Also habe ich angefangen zu schmieden und das auch zu präsentieren.“ 2015 hat er seine Werkstatt für Schmiededarstellungen erstmals auf dem Cave Gladium aufgebaut und wurde schnell ein Teil der dortigen Mittelalter-Community.
Bekannte Szenegröße
„Eigentlich hat das ja schon viel früher begonnen“, erinnert sich Daniel Reitmeier, Vorsitzender des Vereins. „Alexander hat seit Jahrzehnten sein Lager bei uns aufgeschlagen und mitgeholfen. Er ist in der ganzen Szene sehr bekannt. Ich kann sagen er ist uns über die Jahre ans Herz gewachsen.“
Dann der Schock im Jahr 2019. Ausgerechnet als der heute 57-Jährige beschließt sich noch einmal zu verändern, auch beruflich: „Genau in dem Moment, als ich dachte, jetzt höre ich auf und schmiede nur noch“, schlägt das Schicksal erbarmungslos zu. „Ich bin eines morgens aufgewacht hatte Schmerzen in den Unterarmen, dachte es sei eine Sehnenscheiden-Entzündung. Tags darauf konnte ich die Hand nicht mehr schließen.“ Eine Woche später funktionierte auch das Kämmen nicht mehr, weil er die Arme nicht mehr so hoch heben konnte. Die niederschmetternde Diagnose: Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS. Eine unheilbare Nervenkrankheit, die unweigerlich zum Tod führt. Inzwischen muss Alexander Necker rund um die Uhr betreut werden. „Ich liege im Bett und kann mich nicht mehr bewegen.“ Nach derzeitigem Stand geben ihm die Ärzte noch drei bis fünf Jahre, vielleicht auch weniger. „Der Astrophysiker Stephen Hawking wurde mit der Krankheit 70 Jahre alt. Es gibt andere Beispiele, wo der Tod nach acht Monaten eingetreten ist.“
Am Anfang der Krankheit steht die Verzweiflung: „Man fragt sich schon, warum ich? Das ist aber Quatsch, irgendeiner muss immer dran sein, diesmal bin es halt ich.“ Natürlich bekommt Alexander Necker an manchen Tagen Panik und weint. Die Frage nach dem „Warum?“ stellt man sich immer wieder. „Doch es gibt gute und schlechte Tage und ein schlechter heißt auch, dass es wieder bessere geben wird.“
Doch wie erträgt man dieses Schicksal, den schleichenden körperlichen Verfallsprozess? „Mit Zuversicht, Galgenhumor und dem Credo, niemals aufzugeben“, sagt Necker und ergänzt: „Man weiß, was einem bevorsteht, aber da muss man drüber stehen.“ So sehr er sich mit seinem Schicksal auseinandersetzt und seinem Leben auch positive Seiten abgewinnen kann, so groß war sein Wunsch noch einmal im Leben das Cave Gladium in Furth im Wald zu besuchen. Wie groß die Sehnsucht war, beschreibt er so: „Als ich meine letzte Arbeitsstelle angetreten habe, sagte ich zu meinem Chef, dass ich keinen Jahresurlaub brauche, nur zwei Wochen im August, damit ich aufs Cave gehen kann.“ Auf die verwunderte Nachfrage des Arbeitgebers antwortete Necker: „Man muss im Leben Prioritäten setzen.“
Und dieser Herzenswunsch wurde ihm jetzt erfüllt. Der Malteser Hilfsdienst packte ihn in einen Krankenwagen und brachte ihn von Oberbayern in die Oberpfalz. „Die haben super auf mich aufgepasst, einfach toll, dass es diese Ehrenamtlichen und diese Möglichkeit gibt.“ Reinhold Schilz ist einer dieser ehrenamtlichen Engel, die ihren Patienten aus dem ersten Stock in den Krankenwagen getragen und ihn dann per Liegendtransport nach Furth im Wald gebracht haben. Necker ist voll des Lobes: „Ich würde mich bei den Helfern auch sicher fühlen, wenn ich nicht mehr sprechen oder artikulieren könnte.“ Reinhold Schilz erinnert sich: „Alexander Necker war an diesem Tag sehr gut drauf und sehr angefasst, dass er noch einmal dort hin durfte, denn er weiß, was auf ihn zukommt.“
In Furth im Wald angekommen wurde es, nachdem Necker in einen Rollstuhl umgebettet worden war, hochemotional. Er erinnert sich: „Es war ein großes Hallo, alle haben sich riesig gefreut. Es sind Leute vorbeigekommen, mit denen ich früher gar keinen engen Kontakt hatte.“ Für Necker war es ein Gefühl nach Hause zu kommen. Klar waren alle nah am Wasser gebaut. „Wenn man sich wieder sieht, obwohl man geglaubt hat, man sieht sich nicht mehr, da hast Du schon Pipi in den Augen.“ Das kann auch Cave-Chef Reitmeier bestätigen: „Alexander war immer ein so Umtriebiger, der ist uns als Mensch allen sehr ans Herz gewachsen.“ Um so wichtiger war es ihm und seinen Mitstreitern, dass an diesem Tag alles passt. Man wollte ihm möglichst viel ermöglichen, doch Alexander Necker wollte einfach nur dabei sein.
Kraft durch Galgenhumor
Reitmeier sagt auch, dass einem so ein Schicksal besonders ans Herz geht, wenn man die Person kennt. Um so mehr hat ihn erstaunt, dass sich Necker „von seinen Sprüchen her, die er früher schon immer geklopft hat, nicht verändert hat.“ Da ist er wieder, der Galgenhumor. Geplant war eigentlich eine Stunde Aufenthalt, rund sechs sind es dann geworden.
Zurück in Oberbayern, zehrt Necker bis heute von der Erfüllung seines Herzenswunsches, denn: „Mit der Krankheit beschäftigst du dich sowieso ständig, aber man muss die Tage so nehmen, wie sie kommen und sich freuen, dass die Sonne aufgeht.“
Herzenswunsch
Der Malteser Hilfsdienst erfüllt Todkranken einen letzten Wunsch. Noch einmal das Meer sehen, geliebte Menschen besuchen oder ein Ausflug in die Heimat können das sein. Geschulte Ehrenamtliche aus dem medizinischen Bereich begleiten die Beschenkten im Herzenswunsch-Krankenwagen und ermöglichen es ihnen so, ein paar Stunden lang glücklich zu sein. Vor Ort werden medizinische Risiken und deren Überwachung im Auge behalten. Die erkrankte Person kann sich so voll und ganz dem Erlebnis widmen und es genießen. Quelle: Malteser

