Was für ein (Wohn)Angebot für Waldmünchen!

Nüchtern betrachtet ist es nur ein Bauvorhaben, wenn auch ein großes. Für Sepp Karl, der in der Waldmünchner Heinrich-Eiber-Straße ein Zehn-Familien-Haus errichten möchte, aber ist es mehr: Ein Angebot an die Einheimischen, zugleich ein flammender Appell.
59 Leerstände in der Innenstadt, 52 Baulücken, zitiert der Unternehmer aus einer entsprechenden Erhebung des Landratsamts. „Weil keiner was hergibt“, bringt Karl seine und die Erfahrungen anderer auf den Punkt. Die lauten: warum sollte ich, das Geld brauch‘ ich eh nicht... Sein persönlicher Favorit: Eine Landwirtsfamilie, die schon 30 Jahre keine Kühe mehr hat, verkauft eine Wiese in exponierter Stadtlage nicht, weil die Tiere genau dort am liebsten gefressen haben...
Regional „first“
Genau diesem Gedankengut will der baubiologisch denkende Teredo-Chef entgegentreten, genau deswegen bewirbt er sein Projekt zunächst regional. Seine primäre Zielgruppe ist zweigeteilt: Zum einen ältere Waldmünchner (Stichwort barrierefrei), die sich im Alter nicht mehr mit ihrem Riesenhaus samt Riesengarten abplagen mögen. „Trennt Euch!“, möchte er ihnen allen am liebsten zurufen.
Zielgruppe: Alle!
Zum anderen „Junge“, denen es nicht zuletzt dank der neu geschaffenen 0,01-Prozent-Finanzierung mit Nachhaltigkeitszertifikat für bis zu 150 000 Euro über die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) möglich ist, sich Eigentum und eine Startbasis für das weitere Leben zu schaffen.
Karl macht im gleichen Atemzug klar: Sollten die Rückmeldungen vor der Haustür nicht vielversprechend sein, wird er das Projekt überregional bewerben. Denn: Bedarf nach, noch dazu hochwertigem Wohnraum, er sei zweifelsohne vorhanden. Und gebaut wird nur, wenn die Einheiten verkauft sind. „Ich sehe mich als Motivator, nicht als Investor.“ Für die Gesamt-Gemengelage kann der 60-Jährige ein weiteres, aktuelles Beispiel aufbieten: Ein stark renovierungsbedürftiges und noch nicht ein mal preisgünstiges Haus in einem Waldmünchner Ortsteil war genau einen Tag im Angebot.
Ohne eine einzige Schwelle zum Bahnhof
Wäre Sepp Karl privat nicht haustechnisch schon bestens versorgt, er würde nicht zögern, sich eine dieser Wohnungen zu schnappen. Die Vorteile lägen schließlich auf der Hand. „Der einzige Punkt der Stadt, von dem aus man brettl-eben zum Bahnhof kommt“, führt er an. „Da kommt man auch mit 85 noch in die ganze Welt.“ Zudem verschiedene Einkaufsmöglichkeiten 100 Meter plus minus x entfernt, „das musst du so erst einmal finden“.
Mehrwert Miteinander
Hinzu kommen Gemeinschaftsflächen, Garagen oder Balkone mit Flair dank Laubengängen. Die (sechs) Wohnungen im zweiten Stock sind zudem allesamt mit Galerie konzipiert und denkbar als Schlafstelle oder Büro.
Weiterer Pluspunkt: Die Garagen, die dem Bedürfnis derer Rechnung tragen sollen, die sich verkleinern wollen. In deren 27 Quadratmetern lasse sich schon ein zusätzliches (Motor)Rad, eine Werkzeugbank oder sonstiges unterbringen, betont der Bauherr, der überzeugt ist, das „jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist“.
Galerien unterm Dach
Er selbst ist begeistert vor allem von den Galerien der sechs Wohnungen unter dem Dach, „Die haben was!“, findet er. Aktuell ist Sepp Karl dabei, eine weitere Zugangsmöglichkeit von der Ölbergstraße aus zu generieren. „Das wäre natürlich perfekt“, sagt er zum Zuschnitt des Grundstücks, das er von der Stadt (die es wiederum einst ersteigert hatte) erworben hat.
„Optimal ausgereizt“
Dieses ist rund 1200 Quadratmeter groß und gemäß der aktuellen Planungen „optimal ausgereizt“, meint er mit Blick auf Lageplan und Grundschnitte. Die – wie ein Exposé samt Preisen – auf Anfrage selbstverständlich erhältlich seien. Hinausposaunen will er sie nicht, aber darauf hinwiesen, dass Qualität, zudem energetisch auf höchstem Stand, einfach ihren Preis habe. Er selbst sei lediglich mit Grundstück und Planung in Vorleistung gegangen. „Ich bin kein Millionär, sondern allenfalls Visionär.“
Verkaufen statt vermieten
Was er nicht möchte: Selbst als Vermieter in Aktion treten. Ausnahme und einziger möglicher Anknüpfpunkt, um den Bezug zum Objekt nicht zu verlieren: die Garagen, betont er, zugleich auf einen Grundsatz hinweisend: „Reden kann man über alles!“
Dieses Projekt vor der Haustür, es wäre nicht das einzige, das Teredo Holzhaus in dieser oder ähnlicher Dimension wuppen würde und könnte. Vor zwei Jahren hat das in Waldmünchen und Waffenbrunn heimische Unternehmen in Dietramszell (Oberbayern) 19 Wohnungen gebaut.
Lesen Sie hier: Ein Mensch mit Überzeugungen
„Wir verfügen auch in diesem Bereich über Erfahrungen“, macht der Chef deutlich, den folgerichtig keinerlei Sorgen bezüglich Planungskosten und Grunderwerb plagen, für die er doch in nicht unerheblichem Maß in Vorleistung gegangen ist. Aus seiner Sicht aus gutem Grund: „Ich bin von dem Projekt absolut überzeugt“, sagt er. Der, der es geschafft hat, auch dem früheren Schwanenwirt neues Leben einzuhauchen und Menschen zu beigeistern.
Begeisterung, genau dieses Wort ist ein gutes,ein bestes Beispiel, für das, was Sepp Karl im Innersten empfindet, wenn er von diesem (Herzens)Projekt erzählt. Einem besonderen.
DAS PROJEKT
Lage: Das Grundstück liegt gegenüber des Alten Bahnhofs zentral in der Heinrich-Eiber-Straße.
Umfang: Sepp Karl plant vier Wohnungen im ersten und sechs im zweiten Stock, alle zwischen 60 und 70 Quadratmeter groß, mit Balkon, Keller und barrierefrei.
Konzept: Vorgesehen ist ökologische Vollholzbauweise mit KfW 40-Standard, eingeschlossen eine Gemeinschaftsküche sowie -(sport)Raum.
Kontakt: Sepp Karl, Telefon (0176) 12480012, und immo@vollholzhaus.de
