Der Chef als Servicekraft: Sepp Karl kümmert sich mit Leidenschaft um Frühstück und Gäste

Von Petra Schoplocher · 1. Juli 2023 um 11:00

Gut ausgelastet waren die Tage von Sepp Karl schon immer. Was den Unternehmer nicht von einem Zusatzjob abhält, in seinem eigenen Hotel Schwan, im Frühstücksservice. Was hinter der kuriosen Konstellation steckt?

Karl ist die Freude anzumerken. Eine Menge spannender Menschen, schöne Gespräche, interessante Einblicke..., zudem „früher Feierabend“, lacht der Waldmünchner. Was nur theoretisch zutrifft oder für eine angestellte Servicekraft. In seinem Fall geht es, wenn die Gäste weg sind und die Gaststube aufgeräumt, ins Büro, in die Holzhaus-Fertigung oder Schreinerei: Der Waldmünchner ist der Chef von Teredo. Da arbeitet er ein paar Stunden weniger (aber immer noch eine Menge) im Vergleich zu früher – Junior Sebastian macht‘s möglich.

Lesen Sie hier: Regionales aus dem Automaten in Waldmünchen

Der „Schwanenwirt“ hat einen weiteren Grund, sich ums Frühstück zu kümmern: „Dann hab‘ ich‘s selbst in der Hand.“ Dies bezieht sich auf den Qualitätsanspruch, aber auch auf die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Ein einziges Mal musste der Inhaber bisher erklären, dass man für eine Handvoll Gäste nicht 25 unterschiedliche Sorten Käse, Tomaten oder Gurken vorhalten könne. „Wenn ich eine Küche habe, kann ich das weiterverwerten“, verdeutlicht er. Selbst jetzt bekämen seine Hühner schon mehr als genug.

Dann ist da die andere Seite: Wenn das Tourismusbüro (das er ausdrücklich lobt) anruft und fragt, ob er spontan vier Radfahrer unterbringen kann...

Jahrelange Erfahrung

Sepp Karl hält es am Frühstücksbüffet mit seinem Grundsatz: Aller guten Dinge sind drei: dreierlei Wurst, Semmeln, Marmelade... Warum er das Alles im Griff hat? „Jahrelange Übung und die macht bekanntlich den Meister“, lächelt er.

Deswegen ist unter den drei Voraussetzungen, dass er das tun kann, was er tut, nach 30 Jahren Berufserfahrungen und dem nötigen Kleingeld auch die namens Idealismus – und auch davon eine Menge.

Was er im Frühstücksraum genießt: Wenn der Monteur um 7 Uhr in die Gaststube – die er bewusst im Originalzustand erhalten hat – kommt, die Radler um 8 und das Ehepaar, das die Mama besucht, die im Altenheim lebt, eine halbe Stunde später. „Dann ist Zeit zum Ratschen“, lächelt er.

Überhaupt hätten sehr viele Gäste verwandtschaftlichen Bezug zu Waldmünchen. Weil sie zu einer Familienfeier anreisen, ihren Angehörigen nicht zur Last fallen wollen oder die eine Unterbringung nicht leisten könnten. Für die, die dann gepflegt übernachten wollten, sei der Schwan dann eine willkommene Alternative, berichtet er von seinen Erfahrungen. Gerade mit „Weggezogenen“ hätten sich oft zudem besonders intensive, lebhafte Unterhaltungen entwickelt.

Zweite große Gruppe: Eltern, die ihre Kinder in die Heiligenfeldklinik bringen oder sie dort abholen und aufgrund der großen Entfernung einmal übernachten müssen: Hamburg, Koblenz, „eigentlich ganz Deutschland“.

Was ihn freut: Gäste, die eigentlich in Roding, Cham oder Furth im Wald zu tun haben und dann die Strecke nach Waldmünchen nicht scheuen, animiert durch die Homepage oder – vermehrt – das Wissen um das Kleinod, das sich unterhalb des Marktplatzes verbirgt.

Der Rest verteilt sich: Urlauber, Radler, Motorradfahrer, auch in der Gruppe, Familien indes so gut wie nie. Bei Anfragen habe sich allerdings mitunter gezeigt, dass der Schwan mit seinen aktuell 16 Betten zu klein ist. Biker fliegen schon mal zu 25. oder 30. aus.

Da trifft es sich gut, dass Karl nach der Eröffnung vor ziemlich genau einem Jahr demnächst im Altbau acht weitere Betten bieten kann. Ebenso hochwertig ausgestattet wie die bisherigen – im übrigen der meistgelobte Punkt aller seiner Gäste. Und durch rollbare Betten stets für Paare und Einzelreisende gleichermaßen zuschneidbar.

Geliebter Innenhof

Zumindest im Sommer auf Platz zwei: Der Innenhof, ausgestattet mit einem Grill-Wärme-Pilz zum Kochen und Aufwärmen. Dass der gut und gerne genutzt wird, können der Eigentümer oder Martina, die die Zimmer richtet, an dem Leergut ablesen, das in Form von geleerten Weinflaschen zurückgelassen wird. „So soll es aber eigentlich doch sein“, schmunzelt der Waldmünchner aus Ulrichsgrün. Gäste holen sich eine Pizza, setzen sich in den Garten, haben einen schönen Abend....

Wobei ihn das Thema Gastro-Szene durchaus umtreibt. Fällt der Feiertag auf einen Sonntag, hat in Waldmünchen kein Bäcker offen. Ist Dienstag, haben Gäste fast keine Chance, in Laufnähe („und viele kommen mit dem Zug“) etwas zu finden. Beim nächstgelegenen Discounter finden sich noch nicht einmal Sandwiches in den Regalen.

Oft ist der Weber-Max die Rettung, erzählt Karl. Wenn der am Dienstag ab Mittag auch zu habe, sei es allerdings zappenduster. Bei denen, die unterkommen, punkten die Ruhlands dann dafür umso mehr mit regionaler Küche. Einen Italiener, den haben sie zuhause meist, aber eine Schlachtschüssel, Sülze, Bratwürste, „das ist schon was Besonderes“.

Rettungsanker anderer Art war schon ein ums andere Mal der Automatenladen, den sein Bekannter Stephan Gebhard im Verkaufsraum der früheren Metzgerei Ascherl betreibt und in dem es von Grillpaketen über Leberkäs‘ bis zur Wurstdose „Alles“ gibt. 24/7, rund-um-die Uhr.

Ausbauen möchte der Unternehmer Konzerte oder Probentage für Chöre und Bands, am besten mit Schlusspunkt Auftritt am Marktplatz. Eine entsprechende Premiere mit Stimmix Ende Mai war ein voller Erfolg. Der nächste Termin steht schon: für den 27. Juli ist ein Auftritt der Zipfelhaumbande geplant, wenn auch nur bei gutem Wetter. Dafür wäre es gut, wenn sich mittelfristig ein Pächter finden würde, „der das dann in die Hand nimmt“.

Zumal dann Familien- oder Firmenfeiern (40 Personen in der Gaststube sind kein Problem) für den ein oder anderen Gast komfortabel einen Stock höher ausklingen könnten.

Die Küche steht in den Startlöchern, und ist zugleich der einzige Raum, der „noch nicht fertig ist“. Bewusst. Karls Überlegung dahinter: Wenn ein Koch kommt, kann der bei der Anordnung von Geräten und Co. noch mitreden.

Neben einer nahezu neuen Profi-Küche samt Komplett-Ausstattung für 60 Personen erwartet einen potenziellen Pächter im Obergeschoss eine Wohnung, die sich „von“ schreiben kann. Inklusive Abstellraum, mit Kochinsel, Magnettürschlössern und natürlich – einer Menge Holz.

Buchungsmäßig ist „Luft nach oben“, formuliert es Karl vorsichtig, der zwischen nur einem Gast auch schon die perfekte Variante erlebt hat: Nicht nur einmal hat eine (Waldmünchner) Firma von Donnerstag bis Sonntag das ganze Haus gebucht. Gute und schlechte Tage... „Aber die guten überwiegen.“ Sagt ein Sepp Karl. Worte, die gerne übernommen werden können, nicht nur, aber sehr gerne im Schwan.

Die Pächterwohnung im ersten Stock ist beinahe fertig, wenngleich der noch keinen Namen hat. „Gespräche laufen“, lässt der Eigentümer wissen. Auch in ihr dominieren Holz und Licht.
Hochwertiges Detail: Der Schwan am Balkongeländer der Gästezimmer.