Um 13.35 Uhr ging der Drache von der Further Festhalle in einer Staubwolke zu Boden

Von Johannes Schiedermeier · 8. September 2023 um 19:00

Mit 150 Tonnen Beißkraft gräbt sich das Gebiss des 52 Tonnen-Baggers in die Front der Drachenstich-Festhalle in Furth im Wald und schneidet sich durch einen baustahlbewehrten Betonträger wie durch Butter. Fünf Minuten später fällt der Drache aus der Fassade und zerfällt in einer riesigen weißen Wolke zu Staub.

Um die Symbolik dieses letzten Aktes für die alte Halle komplett zu machen: Der neue Bagger von Sennebogen ist grün und wirkt mit seinem Riesengebiss und dem 23 Meter langen Hals selbst wie ein vorsintflutlicher Drache. Nach nicht einmal 40 Minuten liegt die komplette Vorderfront mit samt dem ersten Dachsegment am Boden. Bis Mittwoch soll die komplette Halle nur noch Bauschutt sein.

Drachenstich-Festhalle in Furth im Wald: Letzter Widerstand

Anschließend wird nur noch getrennt, zertifiziert und wiederverwertet, sagt Christoph Althammer vom Abbruchunternehmen Althammer Demolition aus Großbergerdorf. Wie das dann läuft, haben die Further bereits auf den Arealen von Späth- und Hoferbräu gesehen, die jetzt für eine Grünfläche und eine Wohnbebauung vorbereitet werden.

Es war eine lange und emotionale Debatte mit Höhen und Tiefen. Zu Ende war sie, als der Stadtrat mit einer Gegenstimme den Auftrag für den Abriss vergeben hat. Nun ziehen die Bagger den Schlussstrich: Der Abriss der alten Drachenhalle hat begonnen. Für den Further Bürgermeister Sandro Bauer ist der Abriss auch das Ende einer langen Debatte – allerdings mit einem klaren Ausgang: „Es gibt einen Stadtratsbeschluss mit einer Gegenstimme für die Vergabe der Abrissarbeiten. Den habe ich als Bürgermeister zu vollziehen“, sagt Bauer.

Zunächst war es eine Bürgerinitiative um Sepp Hofer und Johann Gruber gewesen, die sich dagegen wehrte und letztlich scheiterte. Nach dem Vergabebeschluss wurde die Sammlung von Unterschriften gegen den Abbruch eingestellt, obwohl Hofer in einem Gespräch mit unserer Zeitung klargestellt hatte, dass man weder die Argumentation noch die Notwendigkeit für den Abbruch nachvollziehen könne.

Weder ein Stiftungs- noch ein Sondervermögen entstanden

Dann wurde es scheinbar still um den Widerstand. Nun hat es am Ende doch noch einen letzten Versuch gegeben, der angesichts der vollendeten Tatsachen auf dem Festplatz jedoch zum Scheitern verurteilt ist. Johann Gruber hat nachgelegt und im Innenministerium eine Eingabe gemacht. Er wollte noch einmal geprüft haben, ob durch das Einsammeln von 40000 Mark für den Bau der Festhalle eine Stiftung entstanden ist. Nun hat das Innenministerium zwar noch keine offizielle Antwort gegeben, aber die Stadt über die Rechtsaufsicht dazu befragt. Das bestätigte Bürgermeister Sandro Bauer auf die Anfrage unserer Zeitung. Die Argumentation der Stadt sei die gleiche wie bei der Petition der Bürgerinitiative: Die 40 000 Mark aus der Sammlung waren nicht einmal ein zehntel der Bausumme. Sie sind verbraucht worden. Deswegen ist laut Bauer weder ein Stiftungs- noch ein Sondervermögen entstanden. Diese Argumentation hat auch die Rechtsaufsicht im Landratsamt so bestätigt. „Bei dieser Auffassung bleiben wir auch diesmal gegenüber dem Innenministerium“, so Landrat Franz Löffler, auf unsere Anfrage. – Geklärt sein dürfte auch die Ansicht Grubers, dass die dauerhafte finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt in Gefahr sei. Die Rechtsaufsicht im Landratsamt hätte sonst den Haushalt der Stadt nicht genehmigen dürfen.

„Rein akademisch“

Angesichts des schnell fortschreitenden Abrisses auf dem Festplatz sieht auch Johann Gruber das Ergebnis seiner Eingabe vom 6. August als „vermutlich rein akademisch“. Trotzdem stehe er dazu, dass es „reine Ansichtssache sei“, wie man den Abriss der Festhalle beurteilen wolle. Er findet ihn falsch. Eine Klage stehe für ihn aber nicht zu Debatte, so Gruber.

Schon beim Gebissvergleich mit dem grünen Riesendrachen lag der Ausgang nahe.
Bis Mittwoch soll die Further Festhalle Geschichte sein und Platz machen für eine neue Arena.