Anwohner an der B85 in Oberdorf sind frustriert: „Wir sehen nur noch die hohe Mauer“

Von Oliver Hausladen · 10. September 2023 um 09:00

„Unsere Nachbarn stammen aus Berlin. Die mussten lange mit einer Mauer in der Stadt leben. Und jetzt haben sie hier auch eine hingestellt“, blicken Johann und Georgine Hierl auf die sechs Meter hohe Lärmschutzwand der B85, die unmittelbar vor ihrem Garten im Grundstück in Oberdorf in Roding (Landkreis Cham) gebaut wurde.

„Einsperrt wie hinter einer Gefängnismauer“ fühlen sich die beiden nun, vom Straßenbauamt sehen sie sich ungerecht behandelt. Zudem sei der Lärm fast unvermindert noch da, erzählen sie. Früher hätten sie einen tollen Blick auf Roding gehabt, berichten die Hierls, von der Stadtsilhouette mit der Pfarrkirche in der Mitte, darüber das Krankenhaus und sogar bis zum Kalsinger Windrad. Und jetzt? „Wir sehen nur noch die Wand und den Himmel darüber. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern“, ist das Paar frustriert.

Seit 47 Jahren neben der B85

Bereits seit 47 Jahren wohnen sie fast direkt neben der Bundesstraße. Lärm sind sie daher gewöhnt. „Die letzten drei Jahre während der Bauarbeiten waren schon schlimm“, sagt Johann Hierl. Der Fußboden habe vibriert, die Gläser im Wohnzimmerschrank klirrten. Während der Bauarbeiten sei dies aber zum Teil unvermeidlich gewesen, räumt er ein, aber im Endergebnis sei es jetzt nicht besser als früher, die Lärmschutzwand erfülle ihren Zweck nicht wirklich. „Ich höre auch jetzt noch im Garten und in den südlichen Zimmern bei gekippten Fenstern den Verkehr auf der B85“, sagt er.

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Früher hatte das Paar eine drei Meter hohe Thujenhecke, diese habe den Lärm gefühlt genauso gut abgehalten – aber den Blick nicht versperrt. Dazu komme der Lärm von Hunderten Fahrzeugen, die täglich auf der Bahnhofstraße in Richtung Industriegebiet unterwegs seien. Diese seien jetzt noch besser zu hören als zuvor, ebenso etwa, wenn Nachbarn den Rasen mähen.

„Warum keine transparente Bauweise?“

„Niemand hat uns gefragt, ob wir hinter einer sechs Meter hohen Mauer wohnen, oder lieber ein bisschen Lärm durch die Bundesstraße ertragen wollen“, sagt Hierl. Er und seine Frau verstehen zudem nicht, warum die Anwohner östlich der Brücke in der Bahnhofstraße nur eine 3,80 Meter hohe Lärmschutzwand bekommen hätten, obwohl deren Häuser direkt an der B85 lägen und die Fahrbahn nur unwesentlich tiefer sei.

Auch stellt sich ihnen die Frage, wieso die gegenüberliegenden Grundstücke südlich der B85 ein transparentes Oberteil für die Lärmschutzwand bekommen haben. „Das wäre wesentlich besser gewesen, weil wir wenigstens dann noch etwas gesehen hätten“, sind sich die beiden einig.

Bei den ersten Grundstücksverhandlungen im November 2017 mit dem Staatlichen Straßenbauamt Regensburg sei im Formblatt für die Bauerlaubnis schriftlich festgehalten worden, dass die obersten Elemente der Schallschutzwand durchgehend transparent auszuführen seien. „Nur unter dieser Voraussetzung leisteten wir unsere Unterschrift“, sagt Hierl. Später habe es von Seiten des Straßenbauamts geheißen, dass transparente Teile die Anforderungen für die Lärmschutzwand nicht erfüllen würden. „Warum wurden diese dann aber für die südlichen Anlieger eingebaut, wenn sie doch nichts bringen?“, wundert er sich. Es werde mit zweierlei Maß gemessen, „oder wurden die transparenten Bauteile jetzt zu teuer?“, frägt er.

Auf Nachfrage habe das Staatliche Bauamt Regensburg mitgeteilt, dass in der Zeit von 2014 bis 2017 das Planfeststellungsverfahren lief, das eingesehen hätte werden können, Einsprüche wären dann möglich gewesen. Da das Paar allerdings nichts von seinem Grund abgeben musste, sei es davon ausgegangen, dass die Planungen schon passen würden. Die Anwohner hätten aber ohnehin besser eingebunden werden müssen, finden sie.

„Gefühl, eingesperrt zu sein“

„Man hätte sich auch nicht vorstellen können, wie groß diese Mauer jetzt ist“, sagt Georgine Hierl, die gar nicht mehr im Garten arbeiten will: „Der Blick auf diese Mauer und das Gefühl, eingesperrt zu sein, machen mich krank. Viel schlimmer als der Lärm.“ Dazu komme noch die Wertminderung des Grundstücks, sagen die Hierls, denn: „Wer will schon hinter einer so großen Mauer wohnen?“

Tun werde sich nun nichts mehr, meint das Paar, „wir werden hinter dieser hohen Wand leben müssen“. Die Hierls hoffen, dass im Garten bald viel wächst – und so zumindest ein wenig der Blick auf die von ihnen so genannte „Gefängnismauer“ verstellt wird.

Staatliches Bauamt äußert sich am Mittwoch

Am Mittwoch Konferenz: Das Staatliche Bauamt Regensburg hat für kommenden Mittwoch einem Pressetermin zum Thema Lärmschutz an der ausgebauten B85 angesetzt.

1,3 Kilometer Lärmschutzwände: Auf einer Länge von ungefähr 1,3 Kilometern auf rund 6640 Quadratmetern sind im Zuge der Ausbauarbeiten der Bundesstraße Lärmschutzwände in Piendling, Mitterdorf und Oberdorf errichtet worden.