Glockenläuten der St.Vitus-Kirche in Burglengenfeld bleibt aus – Pfarrer Hirmer sieht viele Baustellen

Tiefe Risse, feuchte Wände und abbröckelnder Putz: Bei einem Blick in den Turm der St. Vitus-Kirche in Burglengenfeld wird einem ganz anders. Aus Sicherheitsgründen erklingen die Glocken schon seit Oktober 2022 nicht mehr – und das wird erst einmal so bleiben.
Der neue Pfarrer der Stadtkirche, Michael Hirmer, sperrt die Tür zum Kirchturm auf und steigt langsam die Treppenstufen hinauf. Die Holzdielen knarzen bei jedem Schritt und mit jedem Höhenmeter werden auch die Risse und Löcher in den Wänden größer. „Der Turm ist instabil und sanierungsbedürftig“, sagt Hirmer und deutet auf das Mauerwerk. Aus diesem Grund würden derzeit immer noch statische Untersuchen laufen, mit denen 2022 begonnen wurde, erklärt der Geistliche. Mithilfe von angebrachten Sensoren an den Wänden würde zum Beispiel die Bewegung des Turms langfristig und kurzfristig gemessen.
Um Punkt 10.45Uhr ertönt ein Glockenschlag. Hirmer hält kurz inne und erklärt: „Das Schlagwerk der Turmuhr ist noch aktiv.“ In diesem Fall würden sich die tonnenschweren Glocken nicht bewegen. Beim Läuten dagegen würden die fünf unterschiedlich großen Glocken hin und her schwingen und auch den Turm in Bewegung setzen, sagt Hirmer. Zu gefährlich sei dies in Anbetracht des maroden Gebäudes.
Konzentration auf Notmaßnahmen
Eine Komplettsanierung würde finanziell gesehen im zweistelligen Millionenbereich liegen und sei nicht realistisch, erklärt der Pfarrer. Die Gründe sieht Hirmer unter anderem bei den exorbitanten Baukosten und der umfassenden Bürokratie. Doch auch die aktuelle Situation der Kirche mit den zahlreichen Austritten würde hinzukommen. Es sei demnach nicht darstellbar, dass groß saniert werden würde.
„Wir werden uns also auf Notmaßnahmen konzentrieren“, sagt der Pfarrer. Diese könnten jedoch erst begonnen werden, wenn die Ergebnisse der statischen Untersuchungen vorliegen würden. „Das umfängliche Schadensbild sollten wir Mitte des nächsten Jahres bekommen“, erklärt der Seelsorger. Eine mögliche Maßnahme wäre etwa ein Stahlgerüst im Kirchturm selbst. Und auch beim Langschiff der St.Vitus-Kirche müsse etwas getan werden, denn das Dach würde die Mauern auseinander drücken.
In zwei Wochen werde es zu einer Besichtigung des baufälligen Turms mit den Architekten und den Statikern kommen, sagt der Pfarrer und geht die Treppenstufen wieder hinunter. Unten angekommen stellt Hirmer mit einem Blick auf den Turm fest: „Der Glockenlärm wird in der Innenstadt noch lange kein Problem sein.“
Als Nachfolger des verstorbenen Pfarrers Franz Baumgartner begann Michael Hirmer offiziell am 1. September das neue Amt. „Im Moment versuche ich noch, mir einen Überblick zu verschaffen und nicht unterzugehen“, sagt der neue Mann in Burglengenfeld. Es stünden vor allem Punkte wie Strukturarbeit und Aufgabenverteilung auf der Tagesordnung. Aber ganz wichtig, sagt Hirmer, seien ihm das Kennenlernen der Menschen in der neuen Stadt und die Seelsorge.
Kooperation mit weiterführenden Schulen ist ein Projekt
So habe er bereits weitere Projekte und Ideen im Kopf, die er nun anstoßen wolle. Zum Beispiel will Hirmer die Kooperation mit den weiterführenden Schulen ausbauen. „Es gab schon Gespräche mit der Realschule und dem Gymnasium“, erklärt der Seelsorger. Hierbei sei es um die Zusammenarbeit mit den fünften und sechsten Klassen in Fächern wie etwa Kunst, Musik und Ethik gegangen. Daneben habe er zum Thema „Heilige Messe“ angeregt, ein gemeinsames P-Seminar anzubieten.
Neben der Baustelle des Kirchturms direkt vor seinem Pfarrbüro gäbe es noch eine weitere große Herausforderungen, erzählt der Pfarrer. Das Pfarrheim St. Michael an der Kallmünzer Straße sei ebenfalls sanierungsbedürftig, genauso wie der dahinterliegende Kindergarten Don Bosco. Dieser sei in den 1960er Jahren erbaut worden und müsse generalsaniert werden. Ideen für die weitere Nutzung der Räumlichkeiten habe Michael Hirmer bereits, jedoch seien sie noch nicht spruchreif.

